Der Leiter der russischen Archive, Andrej Artizow, hat Polen eine Mitverantwortung am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zugeschrieben. Wie eine staatliche russische Nachrichtenagentur berichtete, sagte Artizow, Warschau habe die Sowjetunion an Gesprächen mit westlichen Staaten gehindert, die den Krieg hätten verhindern können.
Artizow erklärte demnach, Polen habe einem Dialog zwischen Frankreich, Großbritannien und der Sowjetunion über ein Bündnis gegen Nazi-Deutschland entgegengewirkt. Er verwies dabei auf französische Archivdokumente, die nach seiner Darstellung jahrzehntelang in Moskau gewesen seien.
Präsident Wladimir Putin hatte seit seit Beginn seiner Amtszeit wiederholt historische Zusammenhänge relativiert, darunter auch die Bedeutung der geheimen Zusatzprotokolle des Pakts Ribbentrop-Molotow, die eine Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion vorsahen. Zudem wird in russischen Darstellungen die sowjetische Verantwortung für das Massaker von Katyn bestritten.
Im Kontext des Kriegs gegen die Ukraine werden solchen historischen Deutungen dazu genutzt, um die russische Politik, darunter auch den Krieg gegen die Ukraine, zu rechtfertigen und Nachbarstaaten als „Russophobe“ oder „Nazis“ zu diskreditieren.
IAR/adn