Deutsche Redaktion

Vertrauensverlust gegenüber Russland: „SZ“ zieht Bilanz

24.02.2026 12:18
Vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hat es in Deutschland einen tiefgreifenden Kurswechsel gegeben. „Nach dem 24. Februar 2022 kam es zu einem enormen Bruch in Form eines Vertrauensverlustes gegenüber Russland“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstag). Deutschland habe sich inzwischen von russischen Gaslieferungen unabhängig gemacht, die Bundeswehr ausgebaut und mehr als eine Million ukrainische Flüchtlinge aufgenommen.
Friedrich Merz
Friedrich MerzTT/@cducsubt

Die Zeitung erinnert an die Sondersitzung des Bundestags vom 27. Februar 2022. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einer „Zeitenwende“ und kündigte einen „großen nationalen Kraftakt“ an, um Deutschland auf die Bedrohung durch Russland vorzubereiten. Vier Jahre später zieht das Blatt eine Bilanz der Veränderungen.

Politisch habe der Krieg ebenfalls Spuren hinterlassen. Die im Februar 2022 regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP sei „an Widersprüchen zerbrochen, die ohne die hohen Kosten der militärischen und energiepolitischen Transformation nicht so scharf zutage getreten wären“, schreibt die Zeitung. Zudem habe die Polarisierung zugenommen. Bei der Bundestagswahl 2025 habe die rechtspopulistische AfD ihr Ergebnis auf über 20 Prozent verdoppelt und sei zweitstärkste Kraft geworden.

In der Außenpolitik konstatiert das Blatt einen „gewaltigen Umbruch“. Das Vertrauen in die friedlichen Absichten Russlands gelte heute parteiübergreifend als „fataler Fehler“. Der Handel mit Russland sei drastisch eingebrochen. Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft sank der Export nach Russland von 14,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Importe gingen im selben Zeitraum von 36,4 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro zurück. Zugleich habe die Bundesrepublik seit 2022 rund 90 Milliarden Euro an Hilfen für die Ukraine bereitgestellt.

Ende 2025 lebten laut „SZ“ mehr als 1,3 Millionen ukrainische Flüchtlinge in Deutschland. Ein Teil von ihnen werde voraussichtlich dauerhaft bleiben.

Auch sicherheitspolitisch habe sich das Land grundlegend verändert. 2022 wurde ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro zur Modernisierung der Bundeswehr beschlossen. 2024 erreichte Deutschland das NATO-Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung. 2025 wurde die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben reformiert. Bundeskanzler Friedrich Merz habe angekündigt, die Bundeswehr solle zur stärksten konventionellen Armee Europas werden. Ab 2027 sollen zudem 4800 deutsche Soldaten dauerhaft in Litauen stationiert werden.

Zugleich sei eine kulturelle Veränderung spürbar: Soldaten begegneten in der Gesellschaft häufiger Anerkennung und Dankbarkeit.

Auch energiepolitisch habe sich Deutschland neu aufgestellt. 2022 stammten noch rund 55 Prozent des importierten Gases aus Russland, vor allem über Nord Stream 1. Heute spiele russisches Gas nahezu keine Rolle mehr. Wichtigste Lieferanten seien Norwegen und Flüssiggas, vor allem aus den USA. Die Gaspreise seien von Höchstständen von nahezu 350 Euro pro Megawattstunde auf etwa 30 Euro gefallen. Die Lage sei stabiler als vor vier Jahren, resümiert die Zeitung.


SZ/jc

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