Deutsche Redaktion

Präsident blockiert SAFE-Gesetz – Regierung will trotzdem EU-Kredite nutzen

13.03.2026 09:40
Polens Regierung will trotz des Vetos von Präsident Karol Nawrocki Zugang zu EU-Verteidigungskrediten erhalten. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte am Donnerstag, man werde dafür auf andere rechtliche Möglichkeiten zurückgreifen.
Verteidigungsminister Władysław Kosiniak Kamysz
Verteidigungsminister Władysław Kosiniak KamyszPaweł Wodzyński/East News

Nawrocki hatte zuvor ein Gesetz zur Umsetzung des EU-Programms „Security Action for Europe“ (SAFE) in Polen blockiert. Er begründete seine Entscheidung damit, dass die vorgesehenen Kredite die staatliche Souveränität und wirtschaftliche Sicherheit Polens gefährden könnten.

Kosiniak-Kamysz kritisierte das Veto scharf. Es sei „eine schlechte und gefährliche Entscheidung“, bei der politische Interessen über die Verantwortung für die Streitkräfte gestellt worden seien. Das Veto richte sich nicht gegen die Regierung, sondern gegen die Sicherheit des polnischen Staates, sagte der Verteidigungsminister in einer Videobotschaft.


Nach Angaben der Regierung sollen nun bestehende Instrumente wie der Fonds zur Unterstützung der Streitkräfte genutzt werden, um dennoch an die EU-Mittel zu gelangen. Ziel bleibe es, die Modernisierung der polnischen Armee zu beschleunigen und bis 2030 eine der stärksten Streitkräfte Europas aufzubauen.

Regierungsvertreter hatten bereits Alternativen vorbereitet, falls der Präsident das Gesetz blockieren sollte. Dazu gehört auch die Möglichkeit, bestimmte Maßnahmen durch einen Beschluss des Kabinetts umzusetzen.

Nach Einschätzung von Regierungsstellen verhindert das Veto den Zugang Polens zu SAFE-Mitteln nicht grundsätzlich. Allerdings könnte es die Finanzierung von Diensten wie Grenzschutz, Polizei und dem Staatlichen Schutzdienst erschweren. Das Innenministerium warnte, diesen Einrichtungen könnten dadurch mehr als sieben Milliarden Złoty – rund 1,6 Milliarden Euro – für Investitionen entgehen.

Polen galt als größter möglicher Empfänger des SAFE-Programms der Europäischen Union. Das Land könnte bis zu 43,7 Milliarden Euro an zinsgünstigen Krediten für Verteidigungsprojekte erhalten, ein großer Teil davon für die heimische Rüstungsindustrie.

Ministerpräsident Donald Tusk kündigte an, dass sich die Regierung am Freitagmorgen in einer Sondersitzung mit dem Veto des Präsidenten befassen werde. An dem Treffen soll auch der Leiter der Präsidialkanzlei, Zbigniew Bogucki, teilnehmen.


IAR/jc

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