Vor 68 Jahren protestierten die Arbeiter in Poznań gegen weitere Preiserhöhungen. Der Streik verwandelte sich nach und nach in eine gewaltsame Auseinandersetzung mit der polnischen Armee. Am 28. Juni 1956 schlug das Militär die Demonstrationen blutig nieder. Bei den Kämpfen kamen 57 Menschen ums Leben, ungefähr 600 wurden verletzt. Insgesamt nahmen ca. 100.000 Menschen an den Auseinandersetzungen teil.
Die wahrhaftigste Wahrheit kam auf die Straße
Einer der Zeugen dieser Ereignisse, Józef Wielgosz, erinnerte sich so daran:
„Damals trugen alle Arbeiter Holzschuhe, die damals Kujony oder Okulaki genannt wurden. Der Marsch war also schon von weitem durch das dumpfe Klappern der Holzschuhe auf dem Pflaster zu hören. Diese Szene erinnerte hartnäckig an ein Arbeitslager. Dieses durchdringende Klappern, die verkniffenen Gesichter, die geballten Fäuste und die ärmliche Arbeitskleidung vervollständigten das Bild, als wäre es direkt aus den tragischen Jahren der Besatzung in Polen entnommen. In den ersten Reihen gingen Frauen, die in der Fabrik schwere, fast strafarbeitähnliche Tätigkeiten verrichteten. […] Die Passanten auf der Straße, besonders die Frauen, weinten beim Anblick. Die wahrhaftigste Wahrheit kam auf die Straße, um der Stadt ihr wahres Gesicht zu zeigen.“
Die marschierenden Demonstranten skandierten Parolen: „Weg mit den Normen“, „Wir wollen Brot für unsere Kinder“, „Weg mit der roten Bourgeoisie“, „Weg mit den Kommunisten“, „Freiheit“, „Weg mit der Sklaverei, weg mit den Russen, weg mit siebzehn Jahren der Knechtschaft“, „Wir wollen ein katholisches, kein bolschewistisches Polen“.
Durch die Führung der kommunistischen Partei wurde die Erhebung später als "Provokation westlicher, imperialistischer Geheimdienste" dargestellt. Im September 1956 wurden Prozesse gegen 58 Aufständische eröffnet. Parallel kam es immer wieder zu Unruhen im ganzen Land. Erst mit der als "Polnischer Oktober" bekannten Reformpolitik unter Władysław Gomułka beruhigte sich die Lage zum Ende des Jahres. Gomułka ließ auch die Prozesse gegen die Aufständischen einstellen.
1981 konnte ein Denkmal, trotz der starken Bedenken der kommunistischen Regierung, errichtet werden.
PAP/jc