Deutsche Redaktion

Ungarn: Militär soll Gaspipeline schützen

06.04.2026 08:00
Das ungarische Militär wird die Gaspipeline TurkStream schützen, über die russisches Erdgas in das Land gelangt. Das kündigte Viktor Orbán nach einer Sitzung des Verteidigungsrates am Sonntag an. Zuvor hätten serbische Behörden angeblich Sprengstoff im Norden Serbiens in der Nähe der Pipeline gefunden. Außenminister Péter Szijjártó sprach von einem „terroristischen Angriff“. Dem Vorsitzenden der Oppositionspartei TISZA, Péter Magyar, nach, könnte es sich um eine „staatliche Operation unter falscher Flagge“ handeln.
Es hat eine Sabotageaktion an der Gaspipeline TurkStream in der serbischen Wojwodina gegeben. () Europa steht derzeit vor einer beispiellosen Energiekrise. Die europischen Lnder brauchen und werden noch mehr russische Energielieferungen bentigen, betonte der ungarische Ministerprsident.
„Es hat eine Sabotageaktion an der Gaspipeline TurkStream in der serbischen Wojwodina gegeben. (…) Europa steht derzeit vor einer beispiellosen Energiekrise. Die europäischen Länder brauchen und werden noch mehr russische Energielieferungen benötigen“, betonte der ungarische Ministerpräsident. OLIVIER MATTHYS/PAP, Deposit/East News

Nach dem angeblichen Vorfall im Norden Serbiens mit der russisches Gas nach Ungarn transportierenden Pipeline hat Ministerpräsident Viktor Orbán eine außerordentliche Sitzung des Verteidigungsrates einberufen. Beschlossen worden sei, dass Militär zur Sicherung und Überwachung des auf ungarischem Gebiet verlaufenden Abschnitts der Pipeline einzusetzen.

„Es hat eine Sabotageaktion an der Gaspipeline TurkStream in der serbischen Wojwodina gegeben. (…) Europa steht derzeit vor einer beispiellosen Energiekrise. Die europäischen Länder brauchen und werden noch mehr russische Energielieferungen benötigen“, betonte der ungarische Ministerpräsident. Er fügte hinzu, die Pipeline würde 60 Prozent des ungarischen Gasbedarfs decken. Orbán hat zugleich der Ukraine vorgeworfen, seit Jahren zu versuchen, „Europa von russischen Energielieferungen abzuschneiden“. Ihm nach würden die ukrainischen Pläne eine Gefahr für Ungarn darstellen.
Außenminister Péter Szijjártó hat den Vorfall vom Sonntag als „terroristischen Angriff“ bezeichnet, der „in eine Reihe ukrainischer Angriffe der vergangenen Wochen passt“.

Ukrainisches Außenministerium: Keine Verbindung zu Vorfall
Der Sprecher des Außenministeriums in Kiew, Heorhij Tychyj, hat am Sonntag Ungarns Anschuldigungen zurückgewiesen. „Wir weisen Versuche, die Ukraine fälschlich mit dem Fund von Sprengstoff in der Nähe der Pipeline TurkStream in Serbien zu verknüpfen, entschieden zurück“, schrieb Tychyj. Die Ukraine habe mit dem Vorfall nichts zu tun. „Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine russische Operation unter falscher Flagge als Teil einer intensiven Einmischung Moskaus in die Wahlen in Ungarn“, fügte er hinzu.

Sprengstoff an Pipeline entdeckt
Zuvor hatte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić am Sonntag mitgeteilt, im Norden des Landes sei an einer russisches Gas nach Ungarn liefernden Pipeline ein Sprengsatz „mit großer Zerstörungskraft“ entdeckt worden. Dieser habe „eine große Zahl von Menschen gefährden und erhebliche Störungen der Gasversorgung verursachen können“.

Die betroffene Leitung ist Teil des Pipeline-Systems Balkan Stream, einer Verlängerung von TurkStream, über das russisches Erdgas über die Türkei, Bulgarien und Serbien nach Ungarn trifft. Im Februar hatte Orbán eine Verstärkung des Schutzes der Energieinfrastruktur angeordnet. Zuvor hatte er die Ukraine wiederholt beschuldigt, eine Störung der Energielieferungen nach Ungarn herbeizuführen.

Der Vorsitzende der Oppositionspartei TISZA, Péter Magyar, äußerte unterdessen die Vermutung, der Vorfall könne eine „staatliche Operation unter falscher Flagge“ sein. „Die Ungarn haben allen Grund zur Sorge, dass der scheidende Ministerpräsident auf Rat russischer Agenten versucht, durch Operationen unter falscher Flagge Angst in der Gesellschaft zu schüren“, schrieb er in einem Beitrag auf X.

Vorfall eine Woche vor der Wahl
Der Vorfall hat sich eine Woche vor den Parlamentswahlen in Ungarn ereignet. Die wichtigste Oppositionspartei TISZA liegt in den meisten unabhängigen Umfragen vor Orbáns Fidesz. Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Instituts 21 Research Center ergab, dass TISZA auf 56 Prozent der entschiedenen Wähler komme, während die Partei Orbáns 37 Prozent erreiche. Mehr als die Hälfte der Ungarn soll jedoch Wahlfälschungen befürchten.

RMF24/PAP/ps

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