Deutsche Redaktion

Kann Präsident Rumen Radev das ärmste EU-Land stabilisieren?

24.04.2026 08:00
Bulgarien hat in den vergangenen fünf Jahren achtmal gewählt. Das Ergebnis: ein politisches Kaleidoskop, das sich alle paar Monate verändert. In diesem Chaos gilt Präsident Rumen Radew als charismatischer und durchsetzungsstarker Politiker, der die Korruption eindämmen kann. Wie passt das zur prorussischen Haltung des künftigen Premierministers?
Nach Viktor Orbn ist die Frage aufgekommen, ob Radew nicht einen prorussischen Populismus in bulgarischer Variante wiederbeleben und die Einheit Mittel- und Osteuropas sprengen knnte.
Nach Viktor Orbán ist die Frage aufgekommen, ob Radew nicht einen prorussischen Populismus in bulgarischer Variante wiederbeleben und die Einheit Mittel- und Osteuropas sprengen könnte.Spasiyana Sergieva/Reuters

„Er hat sich gewissermaßen außerhalb dieses Systems positioniert und damit ein wenig den Anti-Establishment-Politiker gespielt. Und es scheint, dass es ihm gelungen ist, die Bulgaren davon zu überzeugen“, sagt Prof. Renata Mieńkowska-Norkiene von der Fakultät für Politikwissenschaft und Internationale Studien der Universität Warschau. Nach Einschätzung der Expertin beruht Radews gesellschaftliches Mandat nicht auf prorussischen Sympathien, sondern auf der Ermüdung angesichts der Dysfunktionen des Staates. „Die bulgarische Gesellschaft […] will vor allem einen Ausweg aus der allgegenwärtigen Korruption, die die Bulgaren wahrnehmen. Ich spreche hier insbesondere von der jüngeren Generation, der Generation Z, nicht mehr nur Y – also von Menschen, die nicht im ärmsten Land der Europäischen Union leben wollen“, betont die Wissenschaftlerin.

Bulgarien ist ein Land mit einem sehr hohen Maß an Korruption und starkem oligarchischem Einfluss. Von der Macht abhängige Unternehmergruppen stellen sich in den Dienst jeweils neuer Regierungen. Der Bruch mit diesem System ist die zentrale gesellschaftliche Erwartung.

Russlandfreundlicher Pragmatiker?
Radew gilt allgemein als moskaufreundlicher Politiker. Prof. Mieńkowska-Norkiene sieht hier jedoch Spielraum für einen durch wirtschaftliche Zwänge bestimmten Pragmatismus. „Paradoxerweise besteht die Chance, dass dieser als prorussisch geltende Staatschef – im Bewusstsein, wie sehr Bulgarien auf europäische Mittel angewiesen ist – konstruktive Gespräche mit der Europäischen Union führen wird“, sagt die Professorin.

Bulgarien gehört zur Eurozone, seine Bindungen an die „europäische Integration“ sind daher stärker als etwa die Polens. Für Radew wäre eine demonstrative Prorußlandhaltung ein Eigentor, da sie das Land von EU-Mitteln abschneiden würde. „Er wird darauf achten, dass seine prorussische Haltung nicht demonstrativ ist“, fügt Prof. Renata Mieńkowska-Norkiene hinzu. Als Beispiel nennt sie Robert Fico, der heute verzweifelt einen Weg nach Moskau zur Parade am 9. Mai suche.

Nach Viktor Orbán ist die Frage aufgekommen, ob Radew nicht einen prorussischen Populismus in bulgarischer Variante wiederbeleben und die Einheit Mittel- und Osteuropas sprengen könnte. Prof. Mieńkowska-Norkiene dämpft diese Befürchtungen.
Ihrer Ansicht nach sei nur eine auf guten Beziehungen zum Westen beruhende regionale Zusammenarbeit sinnvoll. „Welchen Sinn hätte eine solche Zusammenarbeit, wenn sie eine Art Konkurrenz zu den westlichen Ländern sein soll? Es gibt keine Chance, dass wir tatsächlich eine ernsthafte Konkurrenz darstellen – wenn man bedenkt, wie viele Länder in unserer Region noch von Russland abhängig sind, etwa bei fossilen Energieträgern“, erklärt die Akademikerin.

Ungarn kehre nach dem Regierungswechsel ihrer Ansicht nach „an Bord“ der Zusammenarbeit mit der EU zurück. Leitbild sollte eine effektive Kooperation mit Westeuropa sein sowie die Verlagerung regionaler Probleme auf die europäische Ebene. „Das liegt in unserem absolut bestverstandenen Interesse“, resümiert Prof. Renata Mieńkowska-Norkiene.

PR/ps

Präsident: EU sollte Moldawien, Ukraine und Georgien aufnehmen

22.03.2022 10:37
Die post-sowjetischen Staaten Moldawien, Ukraine und Georgien sollten in der Lage sein, der Europäischen Union beizutreten, findet Polens Staatspräsident Andrzej Duda. 

USA ziehen Truppen auch aus Bulgarien, Ungarn und der Slowakei ab

31.10.2025 16:30
Die US-Regierung hat den Abzug ihrer Soldaten aus weiteren Staaten Mittel- und Osteuropas angekündigt – aus Bulgarien, Ungarn und der Slowakei. Zuvor hatte Washington eine ähnliche Entscheidung bereits für Rumänien bekannt gegeben.

Polen in Trumps Friedensplan. Tusk: Nichts über uns ohne uns

21.11.2025 17:00
Entscheidungen über Polen treffen die Polen – erklärte Ministerpräsident Donald Tusk zu Berichten über einen amerikanischen Friedensplan, in dem einer der Punkte Polen betreffen soll. Moskau behaupte, Details des Plans von Donald Trump aus der Presse erfahren zu haben.

Klarer Wahlsieg für Radev-Bündnis in Bulgarien

20.04.2026 10:48
Bei der Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich ein klarer Sieg des Bündnisses um den früheren Präsidenten Rumen Radev ab. Nach Hochrechnungen kommt die Allianz „Progressives Bulgarien“ auf bis zu 45 Prozent der Stimmen und könnte damit die absolute Mehrheit im Parlament erreichen.