Deutsche Redaktion

Karl-Dedecius-Preis 2026 an Olaf Kühl und Eliza Borg

18.05.2026 12:00
Der Karl-Dedecius-Preis 2026 geht an Olaf Kühl und Eliza Borg!
Eliza Borg und Olaf Khl, die Preistrger des Karl-Dedecius-Preises 2026
Eliza Borg und Olaf Kühl, die Preisträger des Karl-Dedecius-Preises 2026Presse

Den Preis für die beste Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche erhält Olaf Kühl für die Übersetzung von Szczepan Twardochs Roman Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg („Null“, Marginesy, Warszawa 2025). 

Olaf Kühl, so die Preis-Jury, hat eine beeindruckende Übersetzung dieses Buches vorgelegt. Szczepan Twardoch beschönigt in seinem Roman die Frontsituation im Donbas in keiner Weise, er verwendet eine derbe Soldatensprache, ein Polnisch, das teilweise mit ukrainischen, englischen und russischen Einwürfen durchsetzt ist. Olaf Kühl behandelt die sprachliche und stilistische Ebene meisterhaft.

Der Roman erzählt den gegenwärtigen Krieg in Europa in bestechender Authentizität und mit epischer Wucht, die an die Werke von Remarque, Hemingway und Jünger erinnert. Diese besondere Atmosphäre, die Spannung, die in den Schützengräben, aber auch zwischen den Worten des Erzählers liegt, gibt Kühl souverän wieder. Zu einem großen Teil ist es Kühls übersetzerischem Werk zu verdanken, dass sich Szczepan Twardoch als erfolgreicher polnischer Autor auf dem deutschsprachigen Buchmarkt etablieret hat. „Die Nulllinie“ ist das sechste Buch von Twardoch in der Übersetzung von Olaf Kühl, der darüber hinaus u.a. Werke von Dorota Masłowska, Andrzej Stasiuk und Witold Gombrowicz übersetzt hat.


Buchumschläge der poln. Originalausgabe und der dt. Übersetzung von „Null“ (Die Nulllinie) von Szczepan Twardoch, © Marginesy, Rowohlt Berlin Buchumschläge der poln. Originalausgabe und der dt. Übersetzung von „Null“ (Die Nulllinie) von Szczepan Twardoch, © Marginesy, Rowohlt Berlin

Der Preis für die beste Übersetzung aus dem Deutschen ins Polnische geht 2026 an Eliza Borg für die Übersetzung des Romans „Kairos“ von Jenny Erpenbeck (ZNAK, Kraków 2025  / Penguin Random House München 2021.

Eliza Borg hat mit „Kairos“ ein Buch vorgelegt, dessen Übersetzung ins Polnische die Jury als die beste Übertragung aus dem Deutschen in den letzten beiden Jahren ausgewählt hat. Erpenbecks Roma, der in den letzten Jahren der DDR spielt, erzählt vom Zerfall von Macht, Liebe und eines allmächtigen Staates. Eliza Borgs Übersetzung folgt der kunstvollen Sprache und Stilistik der Autorin in besonders überzeugender Weise, so die Jury. „Kairos“ ist das fünfte Buch der Autorin in Eliza Borgs Übersetzung.


Buchumschläge der dt. Originalausgabe und der poln. Übersetzung von „Kairos“ von Jenny Erpenbeck, © Penguin Random House, Znak Buchumschläge der dt. Originalausgabe und der poln. Übersetzung von „Kairos“ von Jenny Erpenbeck, © Penguin Random House, Znak

 

 

Die Auszeichnung wird seit 2003 verliehen, seit 2026 für die beste Übersetzung eines in den letzten zwei Jahren erschienenen Buches vergeben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt in Zusammenarbeit mit der Villa Decius in Krakau verliehen.

Die Preisverleihung an Olaf Kühl findet am 19. Juni 2026 in Darmstadt, und an Eliza Borg findet am 1. Juli 2026 in der Villa Decius in Krakau statt. 

 

INFO dpi/A.Łuba

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