Deutsche Redaktion

Bericht: Verwirrung um US-Truppen in Polen löste „Schock“ in Warschau aus

24.05.2026 17:57
Widersprüchliche Signale aus Washington über die geplante Stationierung amerikanischer Soldaten in Polen haben in Warschau für erhebliche Irritationen gesorgt. Die zwischenzeitliche Absage einer geplanten Truppenrotation durch das Pentagon habe in Polen einen „großen politischen und psychologischen Schock“ ausgelöst und sei als Vertrauensbruch wahrgenommen worden, berichtete das US-Portal Politico unter Berufung auf ein diplomatisches Schreiben der US-Botschaft in Warschau.
Ambasador USA w Polsce Tom Rose
Ambasador USA w Polsce Tom RoseANDRZEJ IWANCZUK/REPORTER/EAST NEWS

Demnach hatte das US-Verteidigungsministerium am 13. Mai die Verlegung von rund 4.000 Soldaten nach Polen zunächst gestrichen. Wenige Tage später revidierte US-Präsident Donald Trump die Entscheidung und kündigte stattdessen die Entsendung von 5.000 Soldaten an. Laut dem Schreiben könnte der zwischenzeitlich entstandene politische Schaden jedoch langfristige Folgen haben.

Das Dokument wurde dem Bericht zufolge von US-Botschafter Tom Rose unterzeichnet und an das Büro von Außenminister Marco Rubio übermittelt. Darin werden die Reaktionen in Polen als „Enttäuschung“, „Verwunderung“ und „echte Besorgnis“ beschrieben. Die vorherrschende Stimmung sei von einem Gefühl des „Verrats“ geprägt gewesen, heißt es weiter. Trump habe Polen wiederholt als den zuverlässigsten und engagiertesten Verbündeten der Vereinigten Staaten in Europa bezeichnet.

Polen zählt seit Jahren zu den wichtigsten Partnern der USA an der NATO-Ostflanke. Das Land hat seine Verteidigungsausgaben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine deutlich erhöht. Zudem sind derzeit rund 10.000 US-Soldaten in Polen stationiert.

Die Botschaft warnte laut Politico, die Entwicklung könne in Polen und anderen Staaten der Region Forderungen stärken, sich stärker von amerikanischen Waffensystemen abzuwenden und stattdessen die europäische Verteidigungszusammenarbeit auszubauen. Zugleich könnten antiamerikanische Narrative in Politik und Medien an Einfluss gewinnen.

Als möglichen Ausweg schlug Botschafter Rose demnach eine kleinere, aber dauerhafte amerikanische Präsenz in Polen vor. Diese solle sich auf Führungsstrukturen, Logistik, Luftverteidigung und schnelle Verstärkungskräfte konzentrieren. Ein solches Modell wäre nach Angaben der Botschaft zugleich kostengünstiger als die bisherige Rotation schwerer US-Panzerverbände.

Nach Angaben von Politico schadete die Affäre auch dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, der als politischer Verbündeter Trumps gilt. Nawrockis Berater Marcin Przydacz sprach von einer „chaotischen Kommunikation“ in Washington und einem „gewissen Missverständnis innerhalb des Pentagons“.

 

Politico/PAP/jc