Polen nehme Fragen der Verteidigung deutlich ernster als viele westliche Staaten und könne deshalb sogar Vorbild für London sein. „Polen ist der Partner in dieser Beziehung. Es hat Verantwortung für die Verteidigung übernommen und zeigt dem widerwilligen Großbritannien den Weg“, sagte Giles.
Nach Ansicht des Experten hätten insbesondere Polen und die baltischen Staaten das Ausmaß der russischen Gefahr wesentlich früher erkannt als Westeuropa. Großbritannien habe sich dagegen über Jahre auf politische Erklärungen und kreative Haushaltsmethoden beschränkt, um Nato-Vorgaben bei den Verteidigungsausgaben formal zu erfüllen.
Besonders kritisch äußerte sich Giles zur Entwicklung innerhalb der Nato. Die wachsende Zahl bilateraler und regionaler Verteidigungsabkommen in Europa sei ein Zeichen sinkenden Vertrauens in das Bündnis. „Die Tatsache, dass Staaten Verteidigungsbeziehungen außerhalb der Nato suchen, ist ein Signal für den schwindenden Glauben daran, dass das Bündnis dann funktionieren wird, wenn es wirklich gebraucht wird“, sagte er.
Russland könne diese Entwicklung als Hinweis verstehen, dass die Nato im Fall eines aggressiven Vorgehens des Kremls gegen ein europäisches Land „nicht unbedingt die Antwort sein wird“, warnte Giles.
Zugleich regte der Experte an, Polen könne künftig eine führende Rolle innerhalb der von Großbritannien geführten nordeuropäischen Militärkoalition Joint Expeditionary Force übernehmen. Polen gebe derzeit gemessen an seiner Wirtschaftsleistung besonders viel für Verteidigung aus und nehme Sicherheitsfragen besonders ernst.
IAR/jc