DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Kann Ziobro mit der Unterstützung seiner Partei rechnen?
Nach Angaben von Politikern der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) erfuhren zahlreiche Parteimitglieder erst aus den Medien von der Ausreise des früheren Justizministers Zbigniew Ziobro aus Ungarn in die Vereinigten Staaten, schreibt die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. Zugleich wird innerhalb der Partei damit gerechnet, dass Parteichef Jarosław Kaczyński die Verteidigungslinie zugunsten Ziobros weiter verstärken wird. Vertreter des radikaleren Parteiflügels sollen demnach argumentieren, selbst Donald Trump erkenne eine Krise der Demokratie in Polen, lesen wir.
Ziobro erklärte am Sonntag, er halte sich derzeit in den Vereinigten Staaten auf. Er betonte, Polen nicht verlassen zu haben, um sich der Justiz zu entziehen, und verwende ein Dokument, das ihm in Ungarn im Zusammenhang mit einem gewährten Asylstatus ausgestellt worden sei. Gegen ihn sowie gegen den früheren Vizejustizminister und PiS-Abgeordneten Marcin Romanowski wird im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten im sogenannten Justizfonds ermittelt.
Vertreter verschiedener Parteiflügel gehen davon aus, dass Kaczyński die Partei zu einer geschlossenen Verteidigung Ziobros aufrufen wird. Ein Abgeordneter erklärte, die Parteiführung werde die Darstellung stärken, wonach Ziobro politisch verfolgt werde. Ein anderer Politiker aus der Parteiführung bewertete Ziobros Entscheidung zur Ausreise in die USA positiv und bezeichnete die gegen ihn gerichteten Vorwürfe als politisch motivierte Kampagne, lesen wir weiter.
Die polnische Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, Ermittlungen dazu zu führen, ob weitere Personen Ziobro bei einer möglichen Flucht und beim Entgehen strafrechtlicher Verantwortung unterstützt hätten. Gegen den ehemaligen Justizminister liegen nach Angaben der Ermittlungsbehörden 26 Vorwürfe vor, darunter der Verdacht der Leitung einer organisierten kriminellen Vereinigung sowie des Missbrauchs öffentlicher Ämter zu mutmaßlich kriminellen Zwecken, erinnert Dziennik/Gazeta Prawna.
RZECZPOSPOLITA: Problematischer „Pu der Bär“
In einem Gespräch mit der Zeitung Rzeczpospolita spricht Krystyna Zachwatowicz-Wajda über ihren verstorbenen Ehemann, den Regisseur Andrzej Wajda. Das Jahr 2026 wird in Polen als Wajda-Jahr begangen, erinnert das Blatt. Die Witwe spricht von einem anhaltenden Gefühl des Verlustes seit seinem Tod und erklärt, Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse würden in Gesprächen zwar präsent bleiben, im Alltag empfinde sie jedoch eine große Leere.
Zachwatowicz-Wajda berichtet unter anderem von literarischen Werken, zu denen ihr Mann keinen Zugang gefunden habe. Dazu gehörten unter anderem „Pu der Bär“ sowie „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Sie erklärt, Wajda habe insbesondere die Atmosphäre und Erzählweise dieser Werke nicht nachvollziehen können. Versuche, ihn für eine Verfilmung von Prousts Werk zu gewinnen, seien erfolglos geblieben.
Außerdem erinnert sie daran, wie sensibel Wajda auf Filmkritiken reagierte. Nachdem bei ihm ein Zwölffingerdarmgeschwür diagnostiziert worden war, habe ihm ein Arzt geraten, entweder weiterhin Kritiken zu lesen oder Filme zu drehen. Daraufhin habe der Regisseur vollständig darauf verzichtet, Rezensionen zu lesen – unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ ausfielen.
Zachwatowicz-Wajda sagt weiter, das Paar habe über viele Jahre hinweg bescheiden gelebt. Honorare aus der Filmbranche seien unregelmäßig und vergleichsweise niedrig gewesen. Sie erinnerte sich daran, zeitweise Geld von ihrem Vater geliehen zu haben, um den gemeinsamen Haushalt finanzieren zu können. Auf die Frage, ob das Zusammenleben mit Andrzej Wajda schwierig gewesen sei, antwortet sie, ihre Beziehung sei stets harmonisch gewesen. Nach ihren Worten habe es zwischen ihnen nie ernsthafte Konflikte gegeben, schreibt die Tageszeitung Rzeczpospolita.
DWUTYGODNIK: Wer versteht noch Ironie?
Parallel zu dem Abitur-Marathon an polnischen Schulen veröffentlichte das Magazin Dwutygodnik ein Gespräch über den schulischen Literaturkanon mit der Lehrerin Aleksandra Korczak sowie der Kulturwissenschaftlerin Kornelia Sobczak. Sobczak äußerte die Ansicht, dass Lesen zunehmend wörtlich verstanden werde und vielen Schülern der Zugang zu komplexeren literarischen Mitteln wie Ironie oder indirekter Rede schwerfalle. Korczak kritisierte zugleich die ihrer Ansicht nach weiterhin verbreitete Auffassung, ältere Literatur sei grundsätzlich wertvoller als zeitgenössische Werke. Sie verwies darauf, dass die Werke von Henryk Sienkiewicz heute zwar als kultureller Kanon gelten, moderne Literatur im Schulunterricht jedoch kaum berücksichtigt werde. Zudem werde weiterhin stark zwischen sogenannter Hoch- und Unterhaltungsliteratur unterschieden – Kategorien, die außerhalb des Bildungssystems ihrer Meinung nach an Bedeutung verloren hätten.
Die Lehrerin sprach sich dafür aus, den Polnischunterricht stärker zu differenzieren: Einerseits solle ein allgemeiner Unterricht grundlegende Kompetenzen im Lesen und Schreiben vermitteln, andererseits könne ein vertiefter Unterricht für Schüler angeboten werden, die sich gezielt für Literatur, Kulturgeschichte oder geisteswissenschaftliche Studiengänge interessierten. Sobczak stellte außerdem die Frage, ob kanonische Werke tatsächlich noch intensiv gelesen würden? Bücher wirkten ihrer Ansicht nach häufig weniger durch die unmittelbare Lektüre als durch die öffentliche Diskussion und kulturelle Präsenz, die sie umgebe, schreibt Dwutygodnik.
Autor: Jakub Kukla