Warschau – Polen will in den kommenden Tagen ein Verhandlungsteam für Gespräche mit den USA über eine mögliche dauerhafte Stationierung amerikanischer Truppen bilden. Das kündigte Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk in einem Interview mit RMF24 an. Zugleich betonte er, dass der Aufbau einer permanenten US-Präsenz kein kurzfristiges Projekt wäre. „Denken wir daran: Wenn es um den Prozess der Aufnahme einer amerikanischen Stationierung in einer solchen permanenten Weise geht, wird das ein über Jahre verteilter Prozess sein“, sagte Tomczyk.
Das Team soll im polnischen Verteidigungsministerium entstehen. Über seine genaue Zusammensetzung entscheide Ressortchef Władysław Kosiniak-Kamysz, sagte Tomczyk. In die Arbeit würden aber „in offensichtlicher Weise alle“ Mitglieder der Ministeriumsleitung eingebunden. Tomczyk verwies dabei auf Zuständigkeiten in der Leitung des Ministeriums: Er selbst befasse sich mit Militärbasen und Infrastruktur, Vizeverteidigungsminister Paweł Zalewski mit internationalen Kontakten und Vizeverteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka mit Rüstungsfragen. „Jeder hat also seine Rolle, und wir alle werden in diesem Prozess sein“, sagte er.
Nach Angaben Tomczyks hat Polen den USA bereits ein Angebot vorgelegt und dafür ein „politisches grünes Licht“ erhalten. Als derzeit wahrscheinlichste Standorte für eine mögliche Basis nannte er Großpolen und Niederschlesien. Eine endgültige Festlegung sei dies jedoch nicht. „Es ist nicht so, dass nicht irgendein anderer Standort auftauchen könnte“, sagte Tomczyk.
Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz hatte im Juni erklärt, das Pentagon sei offen für das polnische Angebot zur dauerhaften Stationierung amerikanischer Streitkräfte. Eine endgültige Entscheidung hänge jedoch von den Einzelheiten einer Vereinbarung ab. Ende Juni hatte der Minister zudem mitgeteilt, die Gespräche mit den USA seien in eine weitere Phase eingetreten. Im Pentagon laufe eine Überprüfung der Streitkräfte, die Grundlage für weitere Entscheidungen sein solle.
Tomczyk sagte, in den kommenden Wochen könne das Ministerium voraussichtlich weitere Informationen nennen, die der Öffentlichkeit mitgeteilt werden könnten. Polen bemüht sich seit längerem darum, die US-Militärpräsenz im Land stärker dauerhaft auszurichten. Bei einer rotierenden Präsenz kommen US-Soldaten für einige Monate nach Polen und werden anschließend von Soldaten anderer Einheiten mit ähnlichen Fähigkeiten abgelöst. Eine permanente Präsenz würde feste Stützpunkte mit konkret zugeordneten US-Einheiten bedeuten; Soldaten könnten länger in Polen leben und etwa ihre Familien nach Europa mitbringen.
PAP/adn