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Sikorski warnt Europa vor zu schnellem Dialog mit Russland

28.08.2026 10:42
Polens Außenminister Radosław Sikorski hat Europa davor gewarnt, zu früh wieder Gespräche mit Russland aufzunehmen. Ein vorzeitiger Dialog könne aus seiner Sicht die Position des Kremls stärken, die Unterstützung für die Ukraine schwächen und die Geschlossenheit der europäischen Staaten beeinträchtigen.
Radosław Sikorski
Radosław SikorskiPR

„Russland betrachtet uns als Feind und will unsere demokratische Zivilisation zerstören. Wir sollten uns nicht beeilen, es zu beschwichtigen“, schrieb Sikorski in einem Beitrag für das britische Wochenmagazin „The Economist“. Wenn der russische Präsident Wladimir Putin zu Frieden bereit sei, werde er einen Weg finden, dies mitzuteilen.

Sikorski verwies auf frühere Versuche westlicher Staaten, Russland stärker in die internationale Gemeinschaft einzubinden. Seit dem Ende der Sowjetunion hätten US-Regierungen immer wieder versucht, Russland zu einem verantwortungsvollen Akteur zu machen. Auch Polen habe sich um eine Annäherung bemüht. „Wir haben es alle versucht. Wir sind alle abgewiesen worden“, schrieb der Außenminister.

Der Minister wies zugleich Argumente zurück, wonach der Westen mit Russland sprechen müsse, solange dessen Führung geschwächt sei, um einen möglichen Zusammenbruch des Landes oder einen Machtwechsel zu verhindern. Auch die Befürchtung, ein stärkerer Druck auf Moskau könne eine Eskalation bis hin zu einem Atomkonflikt auslösen, hält Sikorski für unbegründet. „Beide Argumente sind falsch“, schrieb er.

Russland teste seit längerem die Entschlossenheit des Westens, so Sikorski. „Die Frage ist nicht mehr, ob Russland die NATO sondiert. Die Frage ist, ob die NATO versteht, dass sie sondiert wird, und welches Signal sie aussenden will“, schrieb der Minister. Es müsse verhindert werden, dass Aktivitäten in der sogenannten Grauzone in eine umfassende Konfrontation mündeten.

Ein zu früh begonnener politischer Dialog könne langfristig sogar zu mehr Spannungen führen, warnte Sikorski. Er könne die innenpolitische Legitimation des Kremls stärken, Russland zu weiteren hybriden Operationen ermutigen, die europäische Unterstützung für die Ukraine schwächen und die demokratischen Gesellschaften des Westens weiter spalten.

Europa müsse deshalb bereit sein, kurzfristig größere Risiken in Kauf zu nehmen, um langfristig eine größere Gefahr abzuwenden. Das Ziel dürfe nicht allein darin bestehen, eine Eskalation zu vermeiden. Vielmehr müsse Russland davon überzeugt werden, dass eine weitere Eskalation keinen Vorteil bringe und der Westen bereit sei, seine Interessen entschlossen zu verteidigen.

„Die wichtigste Pflicht der europäischen Staats- und Regierungschefs ist es, ihre eigenen Bürger vor russischen Bedrohungen zu schützen – und nicht Russland vor sich selbst“, schrieb Sikorski.


The Economist/jc