Einer der Initiatoren der Ausstellung, der Europaabgeordnete Arkadiusz Mularczyk (PiS), warf Deutschland vor, die Frage der Rückgabe bis heute nicht systematisch zu regeln. Hunderttausende polnische Kunstwerke, Kulturgüter, Skulpturen, Gemälde und Buchsammlungen seien geraubt worden und bislang nicht zurückgekehrt.
„Die deutschen Nazis haben Polen ausgeraubt, damit ihre Familien bereichert, und heute bereichern sich deren Kinder und Enkel weiterhin daran. Sie handeln mit diesen Dingen und verkaufen sie auf dem Schwarzmarkt. Viele befinden sich irgendwo inoffiziell oder offiziell in deutschen Museen, wo der deutsche Staat erneut Einnahmen daraus erzielt“, sagte Mularczyk. Es sei für Polen „äußerst empörend“, dass Deutschland die Angelegenheit nicht systematisch regeln wolle. Polen erhalte jedes Jahr lediglich einige Dutzend geraubte Kulturgüter zurück – „ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte er.
Raffaels „Bildnis eines jungen Mannes“ im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Abbildung von Raffaels „Bildnis eines jungen Mannes“, das Anfang des 16. Jahrhunderts entstand. Das Gemälde gilt als das wertvollste Kunstwerk aus polnischen Museen, das während des Zweiten Weltkriegs verschollen ist.
Der Europaabgeordnete Jacek Ozdoba (PiS), Mitautor der Ausstellung, sagte, Kunstwerke, die sich heute in Museen sowie in privaten Sammlungen deutscher und österreichischer Bürger befänden, hätten dort niemals hingelangen dürfen.
„Wenn Deutschland seine Vergangenheit aufarbeiten will, dann muss es die Dinge zurückgeben“, sagte Ozdoba. Das in der Ausstellung gezeigte Raffael-Gemälde symbolisiere das wertvollste geraubte Kunstwerk. „Wir wissen nicht, wo sich dieses Bild befindet. Wir wissen, dass sein Rahmen im Czartoryski-Museum in Krakau steht“, fügte er hinzu.
Nach Angaben des Europaabgeordneten Adam Bielan (PiS) sind bislang rund 517.000 Artefakte und Kunstwerke nicht von Deutschland an Polen zurückgegeben worden.
Bielan verwies unter anderem auf das im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen geraubte Manuskript „Gaude Mater Polonia“. Das für die Stadt Płock wichtige Schriftstück sei im Juni dieses Jahres nach zahlreichen Interventionen polnischer Politiker zurückgegeben worden. „Tatsächlich hat erst die Beschämung Deutschlands auf internationaler Ebene, auf europäischer Ebene, Wirkung gezeigt“, sagte Bielan. Eine aktive Geschichtspolitik auch im Europäischen Parlament sei deshalb wichtig.
Systematische Beschlagnahmung während der Besatzung
Bereits zu Beginn der deutschen Besatzung Polens hatten die deutschen Behörden den Zugriff auf Kunstwerke und andere Kulturgüter organisiert. In den von Deutschland annektierten polnischen Gebieten wurden Vorschriften erlassen, nach denen praktisch das gesamte Eigentum polnischer Bürger der Kontrolle der deutschen Behörden unterlag.
Beschlagnahmungen von Kunstwerken in besetzten Gebieten verstießen gegen die Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung von 1907 zum Schutz von Kulturgütern und Kunstwerken. Die deutschen Behörden bezeichneten die Konfiskationen als „Sicherung“ von Eigentum.
Betroffen waren sowohl komplette Sammlungen als auch einzelne Kunstwerke, Münzen und andere numismatische Objekte, seltene Bücher und historische Drucke, religiöse Gegenstände sowie zahlreiche weitere Kulturgüter aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
PAP/jc