Polen hat einer US-Delegation Rüstungsbetriebe und mögliche Standorte für eine dauerhafte Stationierung amerikanischer Soldaten vorgestellt. Die Delegation besichtigte am Donnerstag mehrere Einrichtungen. Im Mittelpunkt standen mögliche US-Basen, ein Servicezentrum für Patriot-Raketen sowie polnisch-amerikanische Joint Ventures in der Rüstungsindustrie.
Eine Entscheidung Washingtons steht weiterhin aus; auch ein konkreter Standort wurde nicht genannt. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte: „Heute wurden sowohl die Rüstungsindustrie als auch Orte für eine mögliche Stationierung präsentiert. Die Entscheidung liegt bei den Amerikanern.“
Zur US-Delegation gehören unter anderem Thomas DiNanno, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit, sowie William Cappelletti aus dem US-Verteidigungsministerium. DiNanno besuchte gemeinsam mit der stellvertretenden Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka die Wojskowe Zakłady Elektroniczne in Zielonka. Der Betrieb der staatlichen Rüstungsgruppe PGZ ist an der Zusammenarbeit mit US-Partnern beim Patriot-System beteiligt.
Sobkowiak-Czarnecka bezeichnete die Firma als „ein sehr gutes Beispiel für gelungene polnisch-amerikanische Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie“. Die US-Botschaft erklärte, bei dem Besuch sei es um wichtige Komponenten des Patriot-Systems und des PAC-3-Programms gegangen. Polen verhandelt zudem darüber, ein europäisches Servicezentrum für PAC-3-Raketen im Land anzusiedeln.
"Gespräche mit den USA sind detaillierter geworden"
Der stellvertretende Verteidigungsminister Paweł Zalewski sagte, die Gespräche mit den USA seien inzwischen detaillierter geworden. Polen habe Vorschläge für eine dauerhafte amerikanische Präsenz vorgelegt. Der Zeitplan hänge jedoch auch von der laufenden weltweiten Überprüfung der US-Streitkräfte ab. Bei den Kosten rechne die Regierung mit mehreren zehn Milliarden Złoty.
Bei der Suche nach möglichen Standorten richtet sich der Blick derzeit besonders auf Westpolen. Sobkowiak-Czarnecka hatte erklärt, bei möglichen Joint Ventures und ständigen Basen komme „heute Westpolen ins Spiel“. Dies sei eine klare Bedingung der amerikanischen Seite.
Kosiniak-Kamysz wies darauf hin, dass eine dauerhafte Stationierung auch zivile Voraussetzungen habe, weil Soldaten häufig mit ihren Familien kämen. Wichtig seien unter anderem englischsprachige Schulen sowie Kultur-, Sport- und Freizeitangebote. Die Größe einer Stadt sei dabei nicht allein ausschlaggebend.
Parallel zu den Gesprächen im Verteidigungsbereich traf Außenminister Radosław Sikorski eine Delegation des US-Senats. Dabei ging es unter anderem um die dauerhafte US-Militärpräsenz, gemeinsame Rüstungsproduktion, Unterstützung für die Ukraine sowie die Zusammenarbeit bei Energie und kritischen Rohstoffen.
PAP/adn