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Tusk: Ukraine und Polen stehen schwierige Monate bevor

18.09.2026 11:45
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat bei einem Besuch in der Ukraine zur Solidarität mit dem Land aufgerufen. „Die Ukraine und uns alle erwarten schwierige und harte Wochen und Monate. Deshalb lohnt es sich, in einer solchen Situation Solidarität zu zeigen“, sagte Tusk zum Auftakt seines Besuchs. Er wolle vor allem deutlich machen, dass die Ukraine nicht allein sei.
Selenskyj startet die Initiative Karpathen-Acht mit acht europischen Staaten.
Selenskyj startet die Initiative „Karpathen-Acht“ mit acht europäischen Staaten.FB

Tusk wurde am Freitag von Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Ehefrau Olena in der Ukraine empfangen. Der polnische Regierungschef nimmt dort am Gipfel der Karpaten-Initiative teil („Karpathen-Acht“). Zudem ist ein Treffen mit dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico geplant.

Bei einem Gespräch mit Journalisten kündigte Tusk auch ein Vier-Augen-Gespräch mit Selenskyj an. Dabei soll es unter anderem um eine mögliche Beteiligung Polens an der sogenannten Koalition zur Raketenabwehr gehen. Im Mittelpunkt des Besuchs stehe jedoch die regionale Zusammenarbeit.

Tusk sagte, er habe vor Ort keine russischen Drohnenangriffe gesehen. Er habe jedoch zahlreiche Berichte über intensive russische Angriffe erhalten. Diese zielten nicht nur auf die Energieinfrastruktur, sondern auch auf die ukrainische Industrie. Der Krieg gegen die ukrainische Wirtschaft trete möglicherweise in eine entscheidende Phase ein.

Tusk betonte zugleich, Polen hoffe weiterhin auf eine Waffenruhe und Friedensverhandlungen. Die Aussichten seien jedoch unsicher. Das Vorgehen Russlands erscheine weiterhin „sehr aggressiv und wenig verhandlungsbereit“, sagte der Ministerpräsident.


Mit Blick auf seine Äußerungen im polnischen Parlament vom Donnerstag warnte Tusk erneut vor möglichen Szenarien, bei denen Drohnen oder Raketen in das Gebiet eines NATO-Staates an der Ostflanke gelangen könnten. Es gehe dabei um mögliche Entwicklungen und nicht um Ereignisse, die zwangsläufig eintreten würden. Polen und andere Staaten müssten jedoch auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein.

Die jüngsten Angriffe in der Nähe der polnischen Grenze seien „auf jeden Fall eine beunruhigende Nachricht“, sagte Tusk. Polen werde deshalb vorsichtig und ohne übereilte Schritte handeln. Zugleich verwies er darauf, dass auch westliche Verbündete Informationen zur aktuellen Lage lieferten. Er habe derzeit keinen Zweifel daran, dass die USA in solchen Fragen an der Seite Polens stehen würden.

Die geplante Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr geht auf eine im Juli in Paris gegründete Initiative zurück. Die Ukraine und neun europäische Partner – Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, die Niederlande, Norwegen, Dänemark und Schweden – arbeiten dabei am Aufbau neuer Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen.

Polen war zunächst nicht Teil der Initiative. Tusk hatte damals erklärt, die Koalition habe vor allem einen industriellen Charakter. Polen könne sich beteiligen, wenn polnische Unternehmen ein entsprechendes industrielles Angebot vorlegten. Anfang August war bekannt geworden, dass sich die polnische Rüstungsindustrie auf eine mögliche Beteiligung vorbereitet.


IAR/PAP/jc