„Das ist sehr schlecht. Verheerend. Mit Bandera werden die Ukrainer nicht in die Europäische Union kommen. Das hatte PiS-Chef Jarosław Kaczyński bereits dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gesagt“, kommentierte der frühere Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak die Entscheidung des Regionalparlaments. Der Banderismus sei eine verbrecherische Bewegung. Er sei für den Völkermord an den Polen in Wolhynien verantwortlich, fügte er hinzu.
Krzysztof Bosak von der nationalistischen Konföderation bezeichnete die Entscheidung, die UPA zu verherrlichen, als beschämend. „Man darf Völkermörder nicht glorifizieren. Ich glaube, den Behörden in Lwiw ist völlig egal, was die Polen darüber denken“, sagte er gegenüber Medien. Dies sei angesichts der umfangreichen Hilfe, die Polen der Stadt Lwiw und der Ukraine geleistet habe, ein besonders schlechtes Signal, betonte der Mitvorsitzende der Konföderation.
Nach Ansicht der Abgeordneten der Polnischen Bauernpartei (PSL), Urszula Pasławska, tun die Behörden in Lwiw vieles, „um ihre wichtigsten, engsten und treuesten Verbündeten vor den Kopf zu stoßen“. Auch Verteidigungsminister und Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz hat die Pläne kritisiert, die UPA zu verherrlichen. „Eine solche Entscheidung stärkt nicht das gegenseitige Vertrauen zwischen den Völkern, sondern vertieft die Spaltung. Die ukrainische Führung muss sich klar von dieser Haltung distanzieren“, schrieb er auf der Plattform X.
Ukraine duldet keine Einflussnahme auf nationale Gedenkpolitik
Die Entscheidung wurde am Dienstag in einer Plenarsitzung des Regionalparlaments der Oblast Lwiw getroffen. „Das ist unsere Geschichte, das sind unsere Helden. Wir sollten ihr Andenken gebührend ehren“, sagte der Vorsitzende des Kulturausschusses und Abgeordnete Swjatoslaw Scheremeta während der Sitzung. Bei einer außerordentlichen Sitzung verabschiedete das Regionalparlament zudem eine Erklärung, in der es sich gegen jede äußere Einflussnahme auf die ukrainische Staatspolitik zum Gedenken an Personen aussprach, die für die Unabhängigkeit des Landes gekämpft haben.
Die Verbrechen der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) und der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) gehören seit Jahren zu den schwierigsten Themen in den Beziehungen zwischen Warschau und Kiew. In Polen werden die Verbrechen ukrainischer Nationalisten an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien in den Jahren 1943 bis 1945 als Völkermord eingestuft. Den ethnischen Säuberungen fielen rund 120.000 Menschen polnischer Herkunft zum Opfer. Zu den Opfern der Massaker gehörten auch Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen und nationaler Minderheiten, die in diesen Gebieten lebten.
RMF24/PAP/ps