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Streit um Verfassungsgericht: PSL schlägt Verfassungsänderung vor, Bürgerkoalition gespalten

05.11.2026 15:21
Die PSL will den Verfassungsgerichtshof durch eine Verfassungsänderung einmalig neu besetzen. In der Bürgerkoalition reichen die Reaktionen von Gesprächsbereitschaft bis zu klarer Ablehnung. Für die Einbringung des Entwurfs sind 92 Unterschriften erforderlich.
Wladyslaw Kosiniak Kamysz, Foto: Cezary Piwowarski  Polskie Radio
Wladyslaw Kosiniak Kamysz, Foto: Cezary Piwowarski / Polskie RadioCezary Piwowarski / Polskie Radio

Die Bürgerkoalition KO ist in der Bewertung des Vorschlags der Polnischen Bauernpartei PSL für einen verfassungsrechtlichen Neustart des Verfassungsgerichtshofs gespalten. Einige Abgeordnete sind zu Gesprächen bereit, andere halten die Initiative für unnötig und fordern stattdessen Präsident Karol Nawrocki auf, die gewählten Richter zu vereidigen.

PSL-Chef, Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz stellte den Entwurf am Donnerstag beim Kongress der polnischen Selbstverwaltung vor. Ziel seien „Ruhe, gesellschaftlicher Frieden, Rechtsstaatlichkeit und die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Verfassungsgerichtshofs“. Die Amtszeiten der derzeitigen Richter sollen enden. Sie würden den Status von Richtern im Ruhestand erhalten.

Ein neuer, einmaliger Spruchkörper soll laut dem Vorschlag für gestaffelte Amtszeiten von drei, sechs und neun Jahren gewählt werden. Der Landesjustizrat würde bei der Nationalversammlung die Erneuerung der Besetzung beantragen. Die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit des Gerichts müsste die aus Sejm und Senat bestehende Nationalversammlung mit einer Dreifünftelmehrheit ihrer gesetzlichen Mitgliederzahl feststellen.

Für die Einbringung des Entwurfs seien 92 Unterschriften erforderlich, erklärte Kosiniak-Kamysz. Neben den Unterschriften der PSL hält er nach Gesprächen mit dem Umfeld von Szymon Hołownia weitere 15 für möglich. Er appellierte an alle politischen Kräfte, darunter die oppositionellen Parteien Konfederacja und Rozwój Plus, das Vorhaben zu unterstützen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Sejm-Justizausschusses Maciej Tomczykiewicz erklärte, die KO sage nicht von vornherein Nein. Nötig sei nicht nur eine neue Besetzung, sondern eine Verständigung über das künftige Wahl- und Funktionsmodell des Gerichts. Alle Vorschläge müssten einem „Stresstest“ unterzogen werden.

Sein Ausschusskollege Patryk Jaskulski verwies darauf, dass die Änderung ohne Einigung zwischen Ministerpräsident und Präsident nicht in Kraft treten könne. Witold Zembaczyński sagte dagegen, der Neustart habe bereits stattgefunden und das Gericht kehre zur Funktionsfähigkeit zurück. Tomasz Kostuś forderte Kosiniak-Kamysz und die PSL auf, Präsident Nawrocki zur Vereidigung der rechtmäßig gewählten Richter zu bewegen. Senator Krzysztof Kwiatkowski erklärte, bei mehr als 90 Unterschriften sei eine Prüfung des Entwurfs sinnvoll.

PAP/adn

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