Pünktlich zum 80. Geburtstag von Henryk M. Broder erschien die Neuauflage seines 1986 erschienenen Buchs „Der ewige Antisemit“. Es erschiene in einer Zeit, da der Antisemitismus in Deutschland und weltweit eine dramatische Hochkonjunktur erfahre, so der Publizist. „Wenn Länder wie Spanien oder Holland sich dermaßen ins Zeug legen, um Israel von einem Musik-Wettbewerb fernzuhalten, wie werden sie sich verhalten, wenn es um etwas Bedeutenderes geht?“, fragt Broder.
Der in Polen geborene Journalist blickt zudem auf die Kindheitsjahre in Katowice zurück und spricht über seine ungebrochene Sympathie für ein Land, in dem Tausende Menschen unter deutscher Besatzung ihr Leben riskierten, um jüdische Mitbürger vor dem Holocaust zu retten. Und interessiert sich Henryk Broder eigentlich für die polnische Gegenwartspolitik?
Die Neuauflage des gesellschaftspolitischen Klassikers „Der ewige Antisemit“ hat nichts an seiner Aktualität eingebüßt. (Achgut Edition)
Der WELT-Kolumnist analysiert zudem den Wahlkampfendspurt vor den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Broder teilt die akute Angst vor einer Regierungsbeteiligung der AfD nicht. Er verweist auf stabile Parlamente, Gerichte sowie föderale Kontrollmechanismen und betont, man könne Wahlergebnisse nicht „rückgängig“ machen. „Als 2020 in Thüringen ein FDP-Kandidat u.a. mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und Kanzlerin Merkel ihn deswegen zum Rücktritt zwang, hat die deutsche Demokratie ihre Unschuld verloren“, meint Henryk Broder. Das Gespräch führte Wojciech Osiński.