Deutsche Redaktion

Erwartungen an die Regierung für die kommenden zwei Jahre

12.12.2025 12:46
Die Polen haben klare Vorstellungen davon, was in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode im Mittelpunkt stehen sollte. Und es ist nicht unbedingt das, was die Regierungskoalition derzeit in den Mittelpunkt stellt. Politikwissenschaftler Jarosław Flis hält einen Wahlsieg der aktuell Regierenden 2027 dennoch nicht für ausgeschlossen. Und: Die Bundesregierung zieht Patriots aus Polen ab. Mehr dazu in der Presseschau.
Premier Donald Tusk
Premier Donald TuskIMAGO/Andreas Gora/Imago Stock and People/East News

ONET.PL: Erwartungen an die Regierung für die kommenden zwei Jahre

Zwei Jahre nach Amtsantritt der von der Bürgerkoalition KO, Polska 2050, PSL und der Linken gebildeten Koalition unter Premierminister Donald Tusk haben die Polen klare Vorstellungen davon, was in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode im Mittelpunkt stehen sollte. Eine neue Umfrage des Zentrums für Meinungsforschung (CBOS) für die Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna zeigt, dass über 40 Prozent der Befragten als wichtigsten Regierungsauftrag die Verbesserung der Lebensbedingungen nennen. Dazu zählen höhere Einkommen, die Eindämmung von Preissteigerungen und ein effizienteres Gesundheitssystem.

An zweiter Stelle folgt der Bereich Sicherheit, insbesondere der Schutz vor russischen hybriden Angriffen und vor illegaler Migration. Deutlich weniger Bedeutung messen die Befragten der politischen Aufarbeitung der PiS-Vorgängerregierung bei – lediglich 11 Prozent halten dies für prioritär.

Die Erwartungen unterscheiden sich je nach politischer Präferenz: linke Wähler plädieren vorrangig für bessere Lebensbedingungen, mehr Sicherheit und die Abrechnung mit der früheren Regierung. Befragte mit zentrischen Positionen betonen ebenfalls Lebensstandard und Sicherheit, nennen jedoch zusätzlich die Begrenzung von Staatsdefizit und -verschuldung. Konservativ gerichtete Befragte rücken hauptsächlich Lebensstandard und Sicherheit in den Vordergrund.

Eine separate Untersuchung des Instituts UCE Research im Auftrag von Onet zeigt große Skepsis gegenüber der Erfüllung der Wahlversprechen: Nur 8,4 Prozent sehen diese in hohem Maße umgesetzt. Fast 30 Prozent erkennen zumindest eine teilweise Umsetzung. Insgesamt glauben 37,3 Prozent, dass die Regierung ihre Versprechen einlöst, während beinahe 53 Prozent dies verneinen. Ein signifikanter Teil der Befragten konnte keine klare Einschätzung abgeben, berichtet Onet.pl.

RZECZPOSPOLITA: „Ein Tief in der Mitte der Amtszeit ist nichts Ungewöhnliches“

In einem Gespräch mit der Tageszeitung Rzeczpospolita analysiert der Soziologe und Wahlforschungsexperte Prof. Jarosław Flis von der Jagiellonen-Universität die politische Lage zwei Jahre nach Regierungsantritt. Die derzeitige Koalition stehe unter hoher Belastung: drei Wahlkämpfe in der ersten Hälfte der Amtszeit, eine heterogene Regierungskoalition, aus der bereits ein Bestandteil ausgeschieden sei, sowie ein ungünstiges internationales Umfeld. All dies erschwere die Lage erheblich. „Das heißt jedoch nicht, dass man nicht besser hätte regieren können“, so Flis. Selbst unter ihren Anhängern gebe es die Einschätzung, dass die Tusk-Koalition mehr hätte leisten können.

Eine Besonderheit der aktuellen Stimmung ist laut der Zeitung, dass jeder fünfte KO-Wähler nach zwei Jahren ein negatives Bild von Premier Tusk hat. Gleiches gelte für ein Viertel der Anhänger der Bauernpartei und 39 Prozent der Linkenwähler. Interessant sei aber auch, dass 12 Prozent der PiS-Wähler Tusk besser bewerten, als sie es erwartet hätten – ein Wert, der im Wählerspektrum der rechten Konfederacja nicht vorkommt.

Flis verweist zudem auf historische Parallelen: „Sieht man sich die Umfragewerte der PiS im Jahr 2017 an, hätte kaum jemand ihren Erfolg 2019 vorausgesagt.“ Ein Stimmungstief in der Mitte einer Legislaturperiode sei normal und keine Garantie für einen Machtverlust. Entscheidend sei, wie viele Parteien 2027 über beziehungsweise unter der Sperrklausel liegen. Entsprechend hält Flis eine Verlängerung der aktuellen Regierungsmehrheit weiterhin für möglich.

DO RZECZY: Bundeswehr zieht Patriot-Systeme aus Polen ab

Die Bundeswehr steht kurz vor dem Abzug ihrer Patriot-Flugabwehrsysteme aus Polen. Rund 200 deutsche Soldaten, die an der Mission beteiligt waren, sollen nach Angaben der Bundeswehr die Weihnachtszeit wieder „zu Hause bei ihren Familien“ verbringen, berichtet das nationalkonservative Portal Do Rzeczy.

Die Sicherheitslage am Standort bleibt jedoch gewährleistet: Wie die Luftwaffe mitteilt, wurde der Auftrag im Rahmen der NATO-Luftverteidigung am 10. Dezember – nach fast einem Jahr – planmäßig an die niederländischen Streitkräfte übergeben. Hauptziel der Operation war die Sicherung des Verkehrsknotenpunkts Rzeszów nahe der ukrainischen Grenze, insbesondere des dortigen Flughafens Rzeszów-Jasionka.

In Polen sind weiterhin zwei Patriot-Batterien stationiert. Das System dient der Abwehr von ballistischen Raketen, Fluggeräten sowie Marschflugkörpern. Nach Angaben der Bundeswehr beträgt seine Reichweite 68 Kilometer, und es kann gleichzeitig bis zu fünf Ziele bekämpfen. Die deutsche Mission begann im Januar, mit Beteiligung von Verbänden aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Journalistin Aleksandra Fedorska wies darauf hin, dass der Abzug in den Medien eher ruhig aufgenommen worden sei – anders als vor einiger Zeit, als die USA die Verantwortung für Rzeszów-Jasionka an Deutschland übergaben. Zugleich kritisierte sie Alarmismus rund um die neue amerikanische Sicherheitsstrategie, die in Polen teilweise als Signal eines US-Rückzugs aus Europa dargestellt werde, obwohl ein solcher Schritt im Dokument nicht vorgesehen sei, lesen wir in Do Rzeczy.

Autor: Jakub Kukla

 

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