Deutsche Redaktion

„Der nächste Krieg kommt"

23.02.2026 12:55
Die Spannungen am Persischen Golf, ein sich vertiefender Riss in der PiS und ein Präsident, der seinem Parteipatron die Stirn bietet – die polnische Presse liefert heute ein breites Panorama. Stehen die USA vor einem neuen Krieg im Nahen Osten? Steht Mateusz Morawiecki vor dem Absprung aus der PiS? Und Präsident Karol Nawrocki sagt Jarosław Kaczyński „Nein". Mehr dazu in der Presseschau.
Ćwiczenia wojskowe w Iranie
Ćwiczenia wojskowe w IranieIRGC/WANA/Reuters

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: „Der nächste Krieg kommt"

Das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna warnt vor einer drohenden militärischen Eskalation am Persischen Golf. Donald Trump habe dem Iran 15 Tage für ein neues Nuklearabkommen gegeben – doch seine Geduld könnte deutlich kürzer ausfallen, urteilt Karolina Wójcicka. Bereits im Juni 2025, während des ersten israelisch-iranischen Krieges, erinnert die Autorin, habe Trump Teheran ebenfalls zwei Wochen für bedingungslose Zugeständnisse eingeräumt, nur um bereits zwei Tage später zuzuschlagen. Beobachter hätten die damalige Frist als Nebelwand gewertet, die Teherans Wachsamkeit einschläfern sollte.

Diesmal konzentriere Washington beträchtliche Streitkräfte in der Region – es sei die größte amerikanische Militärpräsenz im Nahen Osten seit der Irak-Invasion 2003. Auf dem Arabischen Meer operiere seit Ende Januar der Flugzeugträger USS „Abraham Lincoln" mit drei Raketenzerstörern; zusätzlich entsende das Pentagon den größten Flugzeugträger der Welt, die USS „Gerald R. Ford", mit drei weiteren Zerstörern und über 5.000 Soldaten.

Trita Parsi vom Quincy Institute for Responsible Statecraft erkläre gegenüber der Zeitung, Trump interpretiere die iranische Position falsch. Teheran werde Nachgiebigkeit vermutlich als riskanter einstufen als eine Konfrontation. Eine Kapitulation vor militärischem Druck würde nur zu weiteren Forderungen ermutigen, beginnend mit den iranischen Raketenkapazitäten – dem letzten Abschreckungsmittel gegenüber Israel. Ohne dieses wäre Israel eher geneigt, die Dominanz über den Iran auszubauen, so der Experte.

Auch die Worte des iranischen Präsidenten Masud Peseschkian, der den gemäßigteren Flügel vertrete, lesen wir weiter, würden auf einen Konfrontationskurs hindeuten: Weltmächte versuchten, den Iran zum Einknicken zu zwingen, doch man werde sich nicht beugen, habe er bei einer Zeremonie mit der iranischen Paralympics-Mannschaft erklärt.

Eine amerikanische Operation könne Angriffe auf iranische Sicherheitseinrichtungen und Nuklearinfrastruktur umfassen; Trump habe in den letzten Tagen sogar öffentlich einen Regimewechsel erwogen – ein weiterer Bruch mit seinen Wahlkampfversprechen, die gescheiterte Interventionspolitik früherer Administrationen in Afghanistan und dem Irak zu beenden.

Trumps Fixierung auf den Iran sei das deutlichste Beispiel dafür, wie die Außenpolitik seine zweite Amtszeit dominiere und innenpolitische Themen wie die steigenden Lebenshaltungskosten in den Hintergrund dränge, so die Publizistin. Das sei ein Problem für die Republikaner vor den Zwischenwahlen im November, bei denen die Kontrolle über beide Kongresskammern auf dem Spiel stehe. Deshalb herrsche in der Administration laut Reuters weiterhin kein Konsens über einen Angriff. Ein neuer Nahostkrieg könnte wirtschaftliche Schockwellen auslösen – insbesondere wenn der Iran die Straße von Hormus blockiere. Der Brent-Ölpreis sei bereits vor dem Wochenende um zwei Prozent auf 71,66 Dollar gestiegen, den höchsten Stand seit sechs Monaten, so Dziennik/Gazeta Prawna.

SUPER EXPRESS: „Morawiecki hat Kaczyński verlassen"

Die Boulevardzeitung Super Express berichtet über den sich vertiefenden Riss in der PiS. Statt zur Programmkonferenz seiner Partei in Stalowa Wola zu fahren, habe Ex-Premierminister Mateusz Morawiecki am Samstag ein Wählertreffen im weit entfernten Słupsk organisiert. „Man muss die Lethargie durchbrechen und diese Regierung ablösen", habe er dort gesagt. Es sei bereits sein zweiter demonstrativer Alleingang, nachdem er im Dezember 2025 nach dem offiziellen Parteiweihnachtstreffen ein eigenes für einen Teil der PiS-Politiker veranstaltet habe, erinnert das Blatt.

In der Partei wachse daher die Überzeugung, dass der ehemalige Premierminister sich zum Absprung vorbereite. Jarosław Kaczyński habe Morawiecki aus dem Kreis der Kandidaten für das Amt des künftigen Premierministers ausgeschlossen und setze stattdessen auf Politiker der Fraktion der sogenannten „Butterleute" (maślarze) – als ein möglicher Kandidat gelte der ehemalige Bildungsminister und Hardliner Przemysław Czarnek.

Der Grund für Morawieckis Ausschluss sei die Affäre um die Regierungsagentur für Strategische Reserven (RARS), aus der über fingierte und überhöhte Verträge Hunderte Millionen Złoty abgezweigt worden seien. Eine Schlüsselrolle habe der ehemalige Agenturchef Michał Kuczmierowski gespielt, der derzeit in London auf den Abschluss seines Auslieferungsverfahrens warte. Die Ermittler prüften auch, wie tief Morawiecki selbst in die Vorgänge verstrickt gewesen sein könnte. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch er noch Vorwürfe zu hören bekomme, so Super Express.

DO RZECZY: „Historischer Moment" – Nawrocki sagt Kaczyński „Nein"

Das konservative Wochenmagazin Do Rzeczy beleuchtet indes einen anderen Machtkampf auf der rechten Seite der politischen Szene, bei dem ebenfalls die Kandidaturen der PiS für den Ministerpräsidentenposten im Mittelpunkt stehen. PiS-Chef Jarosław Kaczyński. Kaczyński, lesen wir, habe bei geheimen Treffen im Präsidentenpalast versucht, Staatspräsident Nawrocki dazu zu bewegen, seinen Kanzleichef Zbigniew Bogucki als PiS-Kandidaten für den Premierposten freizugeben. Nawrocki habe dies jedoch abgelehnt – er wolle nicht, dass Bogucki abgezogen werde, schon gar nicht jetzt.

Newsweek-Journalist Jacek Gądek berichte aus dem Umfeld des Lagers, Kaczyński habe lange versucht, den Präsidenten mit verschiedenen Argumenten umzustimmen – vergeblich. Newsweek-Journalistin Dominika Długosz bezeichne die Haltung des Staatsoberhauptes als „absolut historischen Moment": Ein Präsident, der dem PiS-Vorsitzenden eine Absage erteile. Hätte sich Andrzej Duda in derselben Lage befunden, wäre eine solche Weigerung undenkbar gewesen, so die Journalisten übereinstimmend.

Gleichzeitig wolle Kaczyński keinen offenen Konflikt mit Nawrocki riskieren. In der gegenwärtigen Konstellation brauche die PiS den Präsidenten mehr als der Präsident die PiS, analysiere Długosz. Das Kräfteverhältnis zwischen Partei und Präsidentenpalast habe sich damit spürbar verschoben, so Do Rzeczy.

Autor: Adam de Nisau

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Karol Nawrocki führt die November-Vertrauensumfrage des Instituts IBRiS für das Portal Onet mit einem Rekordwert an. Der Staatspräsident erreicht 51,8 Prozent Zustimmung – 4,9 Punkte mehr als im Vormonat. Damit nähert er sich dem historischen Höchstwert von 54,4 Prozent, den der frühere Sejmmarschall Szymon Hołownia Anfang 2024 erzielt hatte.

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