DO RZECZY: Sorge vor Spaltung
Die Gründung des Vereins Rozwój Plus durch den ehemaligen Premierminister Mateusz Morawiecki hat in der Führung der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) erhebliche Unruhe ausgelöst. Parteichef Jarosław Kaczyński fürchtet offenbar eine mögliche Spaltung innerhalb der Partei, berichtet das Wochenmagazin Do Rzeczy. Am Mittwochabend bestätigte Morawiecki die Gründung des Vereins Rozwój Plus – Entwicklung Plus. Der ehemalige Ministerpräsident betonte, der Verein solle keine Alternative zur PiS darstellen, sondern deren Arbeit ergänzen. In der Parteiführung stoßen diese Erklärungen jedoch auf Skepsis.
Noch am selben Tag stellte PiS-Sprecher Rafał Bochenek klar, dass Abgeordnete und Parteifunktionäre nicht an Aktivitäten anderer Vereinigungen teilnehmen sollten, da dies politischen Gegnern – insbesondere Premierminister Donald Tusk – in die Hände spiele. Gestern rief Kaczyński im Kreis führender Parteipolitiker zu Spenden für die PiS auf, ohne die Initiative Morawieckis zu erwähnen. Nach Angaben von Wirtualna Polska sprach er kein ausdrückliches Verbot für eine Mitarbeit mit dem Verein aus. Parteiintern soll es jedoch Druck gegeben haben, eine solche Beteiligung öffentlich zu untersagen. Kaczyński verzichtete offenbar aus Sorge vor innerparteilichem Widerstand auf diesen Schritt, stellt Do Rzeczy fest.
Ein PiS-Politiker, der Morawiecki kritisch gegenübersteht, erklärte, einige Parteimitglieder fühlten sich irritiert, da Morawiecki zuvor signalisiert habe, die Parteiführung unterstütze das Projekt. Man hoffe, dass sich möglichst wenige Personen dem Verein anschließen, um Konflikte zu vermeiden. Unterstützer des ehemaligen Regierungschefs weisen hingegen den Vorwurf zurück, es gehe um eine Spaltung der Partei. Die Arbeit des Vereins sei transparent und offen. Ein Parteivertreter erklärte, man agiere klar und öffentlich, während Kritiker gezielt einen Konflikt suchten und dabei mit oppositionskritischen Medien zusammenarbeiteten.
Nach Einschätzung eines weiteren Gesprächspartners setzte sich letztlich der pragmatische Kurs Kaczyńskis durch. Er wolle eine Eskalation vermeiden und ein Auseinanderbrechen der Partei verhindern, lesen wir in der Wochenzeitung Do Rzeczy.
STREFA EDUKACJI: Lehrerin fordert strukturelle Reform der Gehälter
Ein Jahr zur Regeneration und beruflichen Weiterentwicklung – mit diesem Vorschlag tritt die Polonistin Aleksandra Korczak an die Öffentlichkeit. Im Gespräch mit dem Portal Strefa Edukacji kritisiert sie die aktuelle Gehaltspolitik für Lehrkräfte deutlich.
Das Bildungsministerium stellt seit längerem in Aussicht, Lehrergehälter an einen wirtschaftlichen Indikator zu koppeln. Korczak befürwortet diesen Ansatz grundsätzlich, äußert jedoch Zweifel an der Umsetzung. Politische Ankündigungen hätten in der Vergangenheit oft keine konkreten Folgen gehabt. Dabei sei das Bildungssystem eine zentrale Säule des Staates. Sollte eine solche Reform ausbleiben, drohe eine weitere Verschärfung der Einkommensunterschiede zwischen öffentlichen und privaten Schulen. Für Lehrkräfte werde es zunehmend attraktiver, in besser bezahlte private Einrichtungen zu wechseln. Dies könne langfristig zu einer Vertiefung sozialer Ungleichheiten führen, da hochwertige Bildung stärker vom Einkommen der Eltern abhänge.
Sie selbst betont ihre Verbundenheit mit dem Lehrerberuf, sieht jedoch Grenzen: Ohne strukturelle Verbesserungen sei es langfristig kaum möglich, familiäre Verantwortung und finanzielle Stabilität mit der Tätigkeit an einer öffentlichen Schule zu vereinbaren. Die jüngste Gehaltsanpassung von drei Prozent bezeichnet sie als faktisch kaum spürbar. Die Erhöhung entspreche nicht einmal den Kosten für ein Paar hochwertiger Schuhe und sei daher als reale Verbesserung nicht wahrnehmbar, sagt die Polonistin Aleksandra Korczak im Portal Strefa Edukacji.
DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Bildungseinrichtungen besonders verwundbar
Polnische Hochschulen und Bildungseinrichtungen arbeiten häufig mit veralteten IT-Systemen, die den aktuellen Bedrohungen nicht mehr standhalten. Dadurch wird es Angreifern erleichtert, Zugriff auf große Mengen sensibler Daten zu erlangen, berichtet Dziennik Gazeta Prawna. Die Zahl registrierter Sicherheitsvorfälle ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen: Während das nationale IT-Sicherheitszentrum CERT im Jahr 2021 um die 30 Tausend Vorfälle verzeichnete, lag die Zahl im vergangenen Jahr bereits bei über 260.000.
Im Jahr 2025 wurden allein im Bildungssektor fast 1300 Vorfälle gemeldet – deutlich mehr als in anderen Bereichen wie Gesundheit oder Transport. Besonders verbreitet sind sogenannte Ransomware-Angriffe, bei denen Systeme blockiert und anschließend Lösegeld gefordert wird. Solche Angriffe können den Betrieb ganzer Institutionen lahmlegen. Laut Bericht entfielen 36 Prozent der entsprechenden Vorfälle im öffentlichen Sektor auf Bildungseinrichtungen.
Zunehmend interessieren sich Angreifer nicht nur für Sabotage oder finanzielle Erpressung, sondern auch für Forschungsergebnisse, Know-how und geistiges Eigentum. Besonders gefährdet seien Bereiche wie künstliche Intelligenz, Biotechnologie und verteidigungsrelevante Forschung, erklärt Izabela Albrycht, Leiterin des Zentrums für Cybersicherheit an der AGH-Universität in Krakau.
Als zentrale Probleme gelten hohe Kosten für die Modernisierung der IT-Infrastruktur sowie der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Zudem seien gesetzliche Vorgaben oft zu unpräzise, so dass Hochschulen nicht genau wüssten, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Cybersicherheit erforderlich sind, informiert die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna.
Autor: Jakub Kukla