Deutsche Redaktion

"Polens Wirtschaft ist auf ukrainische Arbeitskräfte angewiesen"

23.04.2026 11:11
Ein massenhafter Wegzug ukrainischer Arbeitskräfte könnte die polnische Wirtschaft erheblich belasten. Aber wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario eigentlich? Außerdem: Greift die Debatte über Smartphone-Nutzung an Schulen zu kurz? Und: Die Affäre um die Kryptobörse Zondacrypto heizt Debatte über die Regulierung der Branche an. Mehr dazu in der Presseschau.
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Banknot 200 złARKADIUSZ ZIOLEK/East News

RZECZPOSPOLITA: Polens Wirtschaft ist auf ukrainische Arbeitskräfte angewiesen

Ein massenhafter Wegzug ukrainischer Arbeitskräfte könnte die polnische Wirtschaft erheblich belasten. Wie die Tageszeitung Rzeczpospolita berichtet, würde ein plötzlicher Rückgang der Beschäftigten aus der Ukraine – insbesondere in Bauwesen, Industrie und Dienstleistungssektor – einen spürbaren wirtschaftlichen Schock auslösen. Experten halten ein solches Szenario jedoch für unwahrscheinlich.

Schätzungen zufolge arbeiten derzeit zwischen 770.000 und über eine Million ukrainische Staatsbürger in Polen, was rund sechs Prozent aller Beschäftigten entspricht. Ein hypothetischer Abgang von 500.000 Arbeitskräften würde das Bruttoinlandsprodukt kurzfristig um etwa 0,8 Prozentpunkte senken; in den Folgejahren läge das Wachstum im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte niedriger.

Ein derartiger Exodus gilt aber als wenig wahrscheinlich. So weist der Ökonom Paweł Strzelecki darauf hin, dass ein Ende des Krieges nicht zwangsläufig zu einer massenhaften Rückkehr in die Ukraine führen müsse. Vielmehr könne es weitere Migration nach Polen begünstigen, etwa durch Familiennachzug. Umfragen zeigen zudem, dass lediglich 14 Prozent der ukrainischen Geflüchteten eine Rückkehr nach einem Friedensschluss planen, während ein erheblicher Teil einen längeren Verbleib in Polen erwägt oder unentschlossen ist.

Auch ein Bericht des Polnischen Wirtschaftsinstituts aus dem Jahr 2025 deutet zwar auf eine potenziell geringe Bleibewahrscheinlichkeit von rund 650.000 Arbeitskräften hin, doch sehen Experten selbst darin kein realistisches Szenario für einen massenhaften Abfluss – unter anderem aufgrund anhaltender Unsicherheiten in der Ukraine sowie vergleichsweise günstiger Lebensbedingungen in Polen.

TYGODNIK POWSZECHNY: Dauer am Bildschirm

Die Aufmerksamkeitsspanne von Internetnutzern nimmt seit Jahren deutlich ab. Während sie vor zwei Jahrzehnten noch durchschnittlich 150 Sekunden betrug, lag sie 2012 bei 75 Sekunden und vor zwei Jahren nur noch bei 47 Sekunden. Bereits das Lesen eines kurzen Textes kann somit für viele zur Herausforderung werden, stellt die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny fest.

Dieses Phänomen betrifft längst nicht mehr nur Jugendliche oder die sogenannte Generation Z. Vielmehr handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die verbreitete Annahme, digitale Übernutzung sei vor allem ein Thema der jungen Generation, greift zu kurz, lesen wir. Alltagsbeobachtungen verdeutlichen die Widersprüche im Umgang mit digitalen Medien: Ein Vater fordert sein Kind auf, das Smartphone wegzulegen, während er selbst eines nutzt. In Schulen werden Lehrkräfte von digitalen Ablenkungen eingeholt, und selbst im Sportunterricht greifen Pädagogen zum Handy.

Zahlen untermauern diese Entwicklung: 97,5 Prozent der erwachsenen Internetnutzer in Polen verwenden ihr Smartphone täglich, ein Drittel davon zwischen einer und drei Stunden, während 18 Prozent sogar mehr als fünf Stunden täglich damit verbringen. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen kennt den Begriff digitale Hygiene nicht, und nur ein Bruchteil kann ihn erklären. Zudem überprüft die Mehrheit kaum, wie viel Zeit sie tatsächlich am Bildschirm verbringt.

Bemerkenswert ist auch, dass mehr als ein Viertel der Befragten angibt, sich selten oder nie vom Smartphone zu trennen. Vor diesem Hintergrund erscheint die politische Debatte über Verbote von Smartphones in Schulen als unzureichend. Die Problematik reicht weit über den schulischen Kontext hinaus und betrifft die Gesellschaft insgesamt, berichtet Tygodnik Powszechny.

DZIENNIK GAZETA PRAWNA: Verbreitung wächst, Regulierung bleibt umstritten

Mehr als zwei Millionen erwachsene Polen besitzen Kryptowährungen. Der Gesamtwert ihrer Investitionen wird auf rund 40 Milliarden Złoty geschätzt, wie aus einer aktuellen Umfrage hervorgeht.

Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts CBOS im Auftrag der Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna geben 6,6 Prozent der volljährigen Bevölkerung an, in digitale Vermögenswerte wie Bitcoin investiert zu haben. Besonders stark vertreten sind Männer mit einem Anteil von 10,4 Prozent, während lediglich 2,2 Prozent der Frauen entsprechende Anlagen besitzen. Die aktivste Gruppe bilden Personen im Alter zwischen 18 und 44 Jahren. Für viele haben Kryptowährungen eher experimentellen Charakter und spielen keine zentrale Rolle in der Vermögensanlage.

Politisch bleibt der Markt umstritten, erinnert das Blatt. Präsident Karol Nawrocki legte im Februar erneut sein Veto gegen ein Gesetz zur Regulierung von Kryptoaktiva ein, das unter anderem der Finanzaufsicht erweiterte Eingriffsmöglichkeiten eingeräumt hätte. Ein ähnlicher Gesetzesentwurf war bereits zuvor gescheitert.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt derzeit die sogenannte Zondacrypto-Affäre. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in einem Fall, der rund 30.000 Geschädigte betrifft; die Verluste werden auf mindestens 350 Millionen Złoty geschätzt.

Unter den Betroffenen befinden sich auch polnische Olympiateilnehmer, da die Plattform als Sponsor des Polnischen Olympischen Komitees auftrat und Prämien für sportliche Erfolge finanzierte, lesen wir in Dziennik/Gazeta Prawna.

Autor: Jakub Kukla

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