Deutsche Redaktion

„Polen misstrauen dem Staat und seinen Steuern"

28.04.2026 13:40
Warum lassen sich Polen leichter für Spendenaktionen gewinnen als für eine progressive Besteuerung. Wenn es gelänge, den Staat so zu gestalten, wie die bahnbrechende Online-Sammlung für Krebskranke organisiert wurde, wäre das ideal.Der Erfolg dieser Aktion liege in der Person des Influencers, Selbstorganisation sowie in der Authentizität und Ehrlichkeit des Vorhabens. Wichtig sei gewesen, keine Politik in das Projekt hineinzuziehen. Und: Die USA versinken in politischer Gewalt. Mehr dazu in der Pressesschau.
Die Spendenaktion des Influencers Łatwogang fr die Stiftung Cancer Fighters zur Untersttzung krebskranker Kinder wurde auf YouTube als long-stream durchgefhrt  eine ununterbrochene Live-bertragung ber neun Tage. Fast 60 Mio. Euro wurden gesammelt.
Die Spendenaktion des Influencers Łatwogang für die Stiftung Cancer Fighters zur Unterstützung krebskranker Kinder wurde auf YouTube als long-stream durchgeführt – eine ununterbrochene Live-Übertragung über neun Tage. Fast 60 Mio. Euro wurden gesammelt.Filip Naumienko/REPORTER

Rzeczposplita: Polen misstrauen dem Staat und seinen Steuern
In der Presse halten Stimmen und Analysen zur bahnbrechenden Online-Sammlung für Krebskranke an. Viele fragen weiter, wie das möglich war. In der Rzeczpospolita stellt Esther Flieger daher die Frage: Wie sind wir, die Polen? Wir selbst würden über uns sagen: gut in schnellen Aktionen und spontanen Aufbrüchen. Sei das schlecht? Offenbar nicht, lesen wir. So stünden an der Grenze zur Ukraine am 24. Februar 2022 Kinderwagen – polnische Mütter hätten sie ukrainischen Familien überlassen. Nach der russischen Aggression gegen die Ukraine fanden rund eine halbe Million Flüchtlinge Unterkunft in privaten Wohnungen. Alles, was damals geschah, habe der Soziologe Bartłomiej Gajos im Gespräch mit der Zeitung einen polnischen „humanitären Aufstand“ genannt.

Polen können sich anpassen und organisieren – anders als ihre westlichen Nachbarn, heißt es weiter. Wenn Deutsche etwas nicht planen können, am besten Jahre im Voraus, so würden sie sehr langsam reagieren. So sei es zum Beispiel mit der russischen Invasion der Ukraine gewesen. Während Polen den Ukrainern sofort Waffen geliefert hatte, hätten die Deutschen abgewägt, ob Kiew aushalten werde und ob sich Hilfe überhaupt lohne, soll der langjährige Korrespondent in Berlin, Łukasz Grajewski, damals erklärt haben.

Polen seien auch ein einfallsreiches Volk, heißt es weiter. Ihr Grundziel sei über Jahrhunderte das Überleben gewesen. Lange hatten sie keinen eigenen Staat. 123 Jahre lang mussten sie fremder Herrschaft widerstehen – der preußischen, österreichischen und russischen. Ab 1939, weitere sechs Jahre, war Improvisation erneut nötig. Die Autorin sucht auch in der Geschichte nach Gründen für das Misstrauen gegenüber dem Staat. Schon in der Adelsrepublik sei dieser fremd und repressiv gewesen. Vielleicht liege die einfachere Erklärung jedoch im Vertrauensdefizit dort, wo die Verwaltung bis heute nicht gut funktioniere oder seine Bürger im Stich lasse, lesen wir im Blatt.

Das erkläre jedoch nicht, warum sich Polen leichter für Spendenaktionen gewinnen lassen als für eine progressive Besteuerung, stellt die Autorin des Weiteren fest. Neun Tage lang führte der Influencer Piotr „Łatwogang“ Garkowski auf YouTube einen Livestream, bei dem er 60 Millionen Euro für die Stiftung Cancer Fighters gesammelt hat. Sportler, Künstler und Prominente, aber auch einige Politiker hätten sich angeschlossen. Mit der Teilnahme an solchen Aktionen würden die Letzteren jedoch ein Signal senden: Der Staat funktioniere und existiere nicht. Geht es nach Esthera, könnten Spenden den Staat nicht ersetzen.

Den live-stream hätten bis zu 800.000 Polen verfolgt, fährt die Autorin fort. Wie lasse sich diese Energie der Polen zur Selbstorganisation und unternehmerischen Denken nutzen? Wie könnten sich Polen von der Wahrnehmung des Staates als Unterdrücker mit Steuern als Strafe lösen?
Nach Ansicht junger Polen sollte der Staat besser funktionieren. Da sie jedoch nicht daran glauben, sollte er sich nicht einmischen, während sie ihre Angelegenheiten selbst regeln", sagt Dr. Paweł Marczewski im Gespräch mit der Zeitung. Ihm nach würden junge Menschen in kleinen Orten radikale Ansichten zum Markt haben. Für sie sei der Staat vor allem etwas, das Entwicklung behindere und nicht fördere, so die Diagnose des Soziologen. Zugleich würden Junge Menschen nicht atomisiert und radikal individualisiert sein, sondern eher nach Formen der Zusammenarbeit suchen. Wenn es also gelänge, den Staat so zu gestalten, wie solche Aktionen organisiert werden, wäre das ideal, sagt Marczewski der Rzeczpospolita.

Dziennik: Wichtig war, die Politik daraus rauszuhalten
Die Spendenaktion des Influencers Łatwogang für die Stiftung Cancer Fighters zur Unterstützung krebskranker Kinder wurde auf YouTube als long-stream durchgeführt – eine ununterbrochene Live-Übertragung über neun Tage. Nach Ansicht des Medienwissenschaftlers am Observatorium für Medienpraktiken der Universität SWPS, Dr. Karol Jachymek, liege der Erfolg dieser Aktion in der Person des Influencers, Selbstorganisation sowie in der Authentizität und Ehrlichkeit des Vorhabens. Die Energie des jungen Polen und seine Spontaneität seien für den Wissenschaftler ein absolut gigantisches Phänomen.

Łatwogang ist ein junger Mann, der erst jetzt öffentlich bekannt geworden sei. Tatsächlich sei er jedoch seit einiger Zeit als Internet-Content-Creator aktiv und bekannt für sehr ungewöhnliche und teils verrückte Aktionen. Aus Sicht von Erwachsenen könnten diese absurd wirken, heißt es. Für Jachymek sei Łatwogang ein Influencer-Typ, der sehr glaubwürdig und echt sei. Seine verrückten Ideen würden eine Art jugendliche Energie in sich tragen. Sein Stream habe auch generationsbedingte Unterschiede in der Wahrnehmung von Internet-Persönlichkeiten sichtbar gemacht. Der basisnahe Charakter dieses Ereignisses sei ein Beispiel für das, was die digitale Kultur auszeichne: eine Kultur absurder und spontaner Initiativen von unten, die in bestimmten Momenten ein Eigenleben entwickeln, sagt Dr. Jachymek.

Sein Stream habe auch generationsbedingte Unterschiede in der Wahrnehmung von Internet-Influencern und Content-Creatorn sichtbar gemacht. Der basisnahe Charakter dieses Ereignisses sei ein Beispiel für das, was die digitale Kultur auszeichne: eine Kultur absurder und spontaner Initiativen von unten, die in bestimmten Momenten ein Eigenleben entwickeln, sagt Dr. Jachymek.

Dem Medienwissenschaftler zufolge sei die Spendenaktion bereits über die Landesgrenzen und das Internet hinausgewachsen. Wichtig sei auch die Erklärung Łatwogangs gewesen, keine Politik in das Projekt hineinzuziehen. Vielleicht sei dies der wahre Grund für den Erfolg dieser karitativen Initiative gewesen, lesen wir. Im Kontext der digitalen Kultur seien Bewertungen von Streams oft problematisch. Dieses Ereignis zeige allerdings, dass sich das, was das Internet ausmache, sehr unterschiedlich nutzen lasse und stark von den Urhebern abhänge. Im Netz könne man bereits zahlreiche Kommentare zu Łatwogangs Stream finden. Sie hätten den 23-jährigen, interessanten und kreativen, zugleich warmherzigen jungen Mann auf völlig natürliche Weise berühmt gemacht, sagt Dr. Jachymek.

Biznesalert: USA versinken in politischer Gewalt
Drei Anschläge auf Donald Trump: eine Kugel am Ohr, ein Scharfschütze auf einem Golfplatz, nun eine Schießerei vor den Türen eines Ballsaals. Der am stärksten geschützte Mensch der Welt sei weiterhin nicht sicher. Amerika habe ein Problem, das kein Agent des Secret Service lösen könne, schreibt indes das Online-Portal Biznesalert.

Die Schießerei im Hilton sei kein isolierter Vorfall gewesen, sondern ein weiterer Punkt auf einer alarmierenden Entwicklungskurve. Nach Angaben der Capitol Police seien 2023 mehr als 8.000 Drohungen gegen Politiker untersucht worden – 50 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Ein Symbol der zunehmenden politischen Gewalt in den USA sei vor der Tod von Charlie Kirk letzten Jahres gewesen, lesen wir. Er war ein einflussreicher, konservativer Kommentator und Gründer der Organisation Turning Point USA. Er sei eine der bekanntesten Stimmen der amerikanischen Rechten und ein enger Verbündeter von Donald Trump gewesen. Kirk wurde während seiner Rede bei einer Veranstaltung von Turning Point USA im Bundesstaat Utah erschossen. Die Tat wurde gefilmt und hatte sich schnell im Internet verbreitet. Sie habe die USA erschüttert und die Tiefe der politischen Spaltung im Land offengelegt.

Zuvor seien in Minnesota die Abgeordnete der Demokraten Melissa Hortman und ihr Ehemann Mark ermordet worden. Der Ehemann der früheren Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, Paul Pelosi, habe einen brutalen Angriff mit einem Hammer und einen Schädelbruch im Krankenhaus überlebt. Die jüngste Schießerei im Hilton ereignete sich zudem genau in demselben Hotel, das 1981 Schauplatz des Attentats auf Ronald Reagan war – einen weiteren republikanischen Präsidenten, der den Schuss von John Hinckley Jr. überlebt hatte, wenn auch mit einer durchbohrten Lunge. Wie es abschließend heißt, schließe sich die Geschichte damit gewissermaßen. Die USA hätten aber immer noch ein ernstes Problem, das es nicht beim Namen nennen wolle, heißt es am Schluss auf Biznesalert.

Autor: Piotr Siemiński

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