Rzeczpospolita: Polen muss für seine Sicherheit zahlen
In seiner Regierungserklärung im Februar hatte Außenminister Radosław Sikorski versprochen, Polen werde sich im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten nicht ausnutzen lassen. Er betonte, wie viel Polen für die Präsenz amerikanischer Soldaten im eigenen Land bereits zuzahlen würden. Nach der Entscheidung Washingtons, die Rotation einer Panzerbrigade auszusetzen, habe sich jedoch schnell gezeigt, dass Polen offenbar weiterhin den Kürzeren ziehe, schreibt Polens ehemaliger Außenminister Jacek Czaputowicz für die Rzeczpospolita. Mehr noch: Selbst die Verlegung amerikanischer Soldaten aus Deutschland nach Polen scheine niemanden zu stören – obwohl Ministerpräsident Donald Tusk kurz zuvor noch versichert hatte, ein solcher Schritt käme nicht infrage. Für die polnische Regierung sei das ein schwerer Schlag gewesen. Es ging schließlich um eine Brigade mit 4.000 Soldaten und 80 Abrams-Panzern, lesen wir.
Geholfen habe jedoch Donald Trumps enger Freund, Präsident Karol Nawrocki. Er soll den amerikanischen Präsidenten angeblich per SMS dazu bewegt haben, seine Entscheidung zu ändern. Ist das nicht der Beweis, dass sich die wichtigsten Staatsangelegenheiten inzwischen per Textnachricht regeln lassen – sogar ohne Telefonat, fragt Czaputowicz. Man könnte fast neidisch werden, dass unsere Präsidenten nicht einmal miteinander sprechen müssen. Offenbar verstehen sie sich auch ohne Worte, ironisiert der Autor. Das Chaos um die Präsenz amerikanischer Truppen in Polen sei allerdings alles andere als komisch gewesen. Für Polen sollte das eine harte Lektion sein. In Sicherheitsfragen stütze sich das Land heute nämlich fast vollständig auf das Bündnis mit den USA. Polen kauft moderne Ausrüstung – F-35-Kampfjets, Apache-Hubschrauber und Abrams-Panzer.
Für die Kriegsführung brauche es heute jedoch vor allem Hunderttausende gut ausgebildete und einsatzbereite Soldaten, heißt es weiter. Entscheidend seien auch starke Reserven. Der Krieg in der Ukraine zeige deutlich, dass über Sieg oder Niederlage Einsatzbereitschaft, Opferwillen und Durchhaltevermögen entscheiden. Waffen können Verbündete liefern – Soldaten müsse ein Staat selbst aufstellen. Stattdessen versuche Polen, Sicherheit einfach zu kaufen – ohne Verzicht, ohne Risiko, ohne Opfer, lesen wir. Politiker würden sich dabei nicht an der Staatsräson orientieren, sondern am Kalkül der nächsten Wahlen. Deshalb sagen sie der Gesellschaft nicht offen, vor welchen Herausforderungen das Land tatsächlich stehe. Der polnischen Armee fehle heute vor allem eines: Soldaten. Wie der Autor überzeugt, bleibe für die Verteidigungsfähigkeit die Stärke der Kampftruppen am Boden weiterhin entscheidend. In Polen zählen diese Einheiten rund 45.000 Soldaten, in der Ukraine dagegen etwa eine halbe Million – also mehr als zehnmal so viele. Und selbst dort reiche das offenbar nicht aus.
Geht es nach dem Autor, reichen die Ursachen des Problems bis zur Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht zurück. Dadurch sei eine Generationenlücke entstanden. Polens Reserve bestehe heute vor allem aus Männern in den Vierzigern und Fünfzigern. Wenn das Mobilisierungsalter weiter angehoben werde, bleiben irgendwann nur noch Großväter zur Wahl. Und auch sie seien bekanntlich nicht unsterblich, schmunzelt Jacek Czaputowicz. Die naheliegende Lösung wäre die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Doch genau davor schrecken Politiker und Militärs zurück. Der Autor glaube nicht, dass die heutigen Eliten bereit seien, sich dieser Herausforderung zu stellen.
Zumal Polen die strukturellen Probleme seiner Armee nicht lösen könne, bleibe nur der Einkauf von Sicherheit – für gigantische Summen, die in Waffen fließen. Deren tatsächlicher Nutzen auf dem Schlachtfeld sei jedoch oft zumindest fraglich, lesen wir im Blatt. Im Grunde handele es sich um eine Art Schutzgeld, weil dem Land der wichtigste Abschreckungsfaktor fehle: Hunderttausende ausgebildete Soldaten.
Bleibt also nur, die tatsächlichen Probleme der Armee zu verschleiern, die Öffentlichkeit mit neuen militärischen Gimmicks zu beeindrucken und weiter für amerikanischen Schutz zu zahlen. Wenn ein Staat die Kosten seiner eigenen Sicherheit nicht selbst tragen wolle, bleibe ihm die Rolle des Kunden, schreibt Polens Ex-Außenminister. Und Kunden müssen damit rechnen, dass man sie von Zeit zu Zeit an ihren Platz erinnert, lautet das Fazit in der Rzeczpospolita.
Forsal: Putin allein im Bunker
Seit Jahresbeginn haben die großen russischen Nachrichtenagenturen TASS, RIA Nowosti und Interfax die Zahl der Beiträge über Wladimir Putin deutlich reduziert, schreibt indes das Nachrichtenportal forsal. Das gehe aus einer Auswertung der Telegram-Kanäle der Medien hervor. Der Rückgang gelte als Folge einer spürbar geringeren öffentlichen Aktivität des russischen Machthabers nach Berichten über einen ukrainischen Angriff auf seine Residenz in Waldai. Die Angst vor ukrainischen Drohnen habe dazu geführt, dass Putin weitgehend aus dem medialen Fokus verschwunden sei, lesen wir. Anfang Mai haben westliche Dienste gemeldet, Putin habe seine Reisen nach Waldai ganz eingestellt. Er arbeite derzeit überwiegend in Bunkeranlagen. Auch der Föderale Schutzdienst habe die Sicherheitsmaßnahmen rund um den russischen Diktator deutlich verschärft.
Die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen sollen Putins Terminkalender deutlich umgestaltet haben. Er habe sogar seine gewöhnlichen Reisen in andere russische Regionen vollständig eingestellt. Seine letzte Fahrt außerhalb der Gebiete mit den wichtigsten Präsidialresidenzen sei ein eintägiger Besuch in Samara im November 2025 gewesen – also vor mehr als 200 Tagen, heißt es. Auch seine Auslandsreisen habe Putin stark reduziert. Vor dem Besuch in China im Mai sei sein letzter Auslandsflug am 11. Dezember nach Turkmenistan erfolgt. Die bislang längste Phase ohne Reisen außerhalb seiner Residenzen habe man zur Zeit der Pandemie vernommen. Selbst damals sei diese Isolation jedoch kürzer gewesen: Die längste Pause im Jahr 2020 habe 132 Tage gedauert, lesen wir auf forsal.
Wprost: Korruption drängt polnische Wirtschaft aus der Ukraine
Die Realität polnischer Unternehmen, die in der Ukraine investieren, habe wenig mit den Regeln zu tun, an die sich Polen nach dem EU-Beitritt gewöhnt habe. Weitere Besuche polnischer Regierungsvertreter in Kiew würden daran nichts ändern, schreibt Jowita Flankowska für das Wochenblatt Wprost. Polnische Regierungen – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung – würden im fünften Kriegsahr weiterhin ihre Solidarität mit der Ukraine betonen. Die ukrainische Seite, geprägt von den Ereignissen im Weißen Haus, versichere im Gegenzug ihre Dankbarkeit. Doch die Realität zeige was ganz anderes, lesen wir.
Geht es nach der Autorin, so sei die Diskrepanz zwischen den Erklärungen der ukrainischen Regierung gegenüber Polen und der Realität schlicht zu groß, um sie aus Höflichkeit weiterhin zu ignorieren. Zwischen 2022 und 2026 habe sich in den Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine viel ereignet – von der Lieferung militärischer Ausrüstung und finanzieller Hilfe über die Nutzung polnischer Straßen und Bahnstrecken bis hin zu Tonnen humanitärer Unterstützung und der Aufnahme von Millionen Ukrainern in Polen. Und was stehe dem gegenüber, abgesehen von Worten der Dankbarkeit, lautet die Frage im Wochenblatt.
Polen verfüge bislang nur über vage Zusagen einer Beteiligung am Wiederaufbau der Ukraine – ohne konkrete Verpflichtungen. Ende Mai 2026 seien mehrere polnische Minister, darunter der Finanz- und Wirtschaftsminister, nach Kiew gereist, um zentrale Wirtschaftsfragen zu besprechen. Auf dem Rückweg nach Warschau habe Andrzej Domański gegenüber Journalisten erklärt, die polnischen Ziele seien sogar zu 110 Prozent erreicht worden. Hinzu kamen erneut eher unkonkrete Ankündigungen eines künftigen Technologietransfers in Drohnentechnologie sowie eine Zusammenarbeit zwischen Hochschulen.
Ganz anders hätten sich polnische Unternehmer in Kiew geäußert. „Wir erleben regelrecht Situationen, in denen polnische Unternehmen, die dort Kapital investieren wollen, gewissermaßen verdrängt werden – davon profitieren etwa türkische Firmen“, soll ein anonym bleibender Vertreter der polnischen Wirtschaft in der Ukraine gegenüber money.pl gesagt haben. Polnische Unternehmer würden zudem offen über ein massives Korruptionsproblem sprechen. Nach Einschätzung der Firmen gelten Bestechungsgelder in der Ukraine als eine Art „zusätzliche Steuer“. Sie sei tief verankert im Bewusstsein der Bevölkerung, heißt es am Schluss – und das auf allen Ebenen des Staatsapparats.
Autor: Piotr Siemiński