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Unsichtbare Krise der Regierungskoalition - Studium. Nur ein Ritual? - Ende des spanischen Traums

25.08.2026 12:09
Die Rzeczpospolita bescheinigt der regierenden Bürgerkoalition einen Mangel an ideologischem Diskurs. Haben die Liberalen außer Angstmacherei vor den Rechten nichts zu bieten? Außerdem: Wird während des Studiums überhaupt noch Wissen vermittelt? Und: Immer mehr Polen verkaufen ihre Wohnungen in Spanien wieder. Mehr dazu in der Presseschau.
Der polnische Ministerprsident Donald Tusk beobachtet am 12. August 2026 im Kopernikus-Wissenschaftszentrum in Warschau, Polen, eine partielle Sonnenfinsternis. REUTERSKacper Pempel
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk beobachtet am 12. August 2026 im Kopernikus-Wissenschaftszentrum in Warschau, Polen, eine partielle Sonnenfinsternis. REUTERS/Kacper PempelREUTERS/Kacper Pempel

RZECZPOSPOLITA: Unsichtbare Krise

Die Regierungskoalition steckt in einer schwierigen Phase. Darauf weist die Tageszeitung Rzeczpospolita in einem politischen Kommentar hin. Noch immer wirken die Nachbeben des wochenlang andauernden Skandals um das Warschauer Südkrankenhaus nach. Hinzu kommen zwei weitere Fälle. Der erste ereignete sich in Niederschlesien. Eine Aktivistin der Bürgerkoalition hat Fluthilfegelder unter anderem an das Unternehmen ihres Mannes und anderer Bekannten vergeben. Diese Unternehmen waren von der Flut nicht betroffen. Beim zweiten Fall geht es um Finanzminister Andrzej Domański. Er soll einer Müllentsorgungsfirma, die in schwerwiegende Fälschungen von Abfalldokumenten verwickelt ist, eine Milliarde Złoty an Fördergeldern bewilligt haben.

Aus diesem Gesamtbild ergeben sich laut Rzeczpospolita einige wichtige Schlussfolgerungen. Erstens: Die Bürgerkoalition kann offenbar nicht mit Nachsicht der Mainstream-Medien rechnen. Die Vorstellung, der polnische Medienmarkt sei von einer links-liberalen Schlagseite geprägt, sei längst überholt. Für die KO sei das eine neue Situation, die bisweilen zu kaum verhohlener Frustration führe.

Noch wichtiger seien die parteiinternen und personellen Fragen. Die Zahl der Skandale um KO-Aktivisten, die ihre Privilegien aus der Machtposition zumindest auf unethische Weise nutzen, erinnere eher an die Endphase der PiS-Regierung als an eine Partei, die gerade einmal zweieinhalb Jahre regiert. Nach acht Jahren scharfer Kritik an der PiS und deren Vorwurf, den Staat für sich zu vereinnahmen, werde die KO an höheren Maßstäben gemessen.

Gleichzeitig fehlen Donald Tusks Partei nicht nur eine solide mittlere Führungsebene, sondern auch charismatische Persönlichkeiten. Das sei zumindest teilweise eine Folge des fehlenden ideologischen Diskurses im liberalen Lager. In der PiS dagegen gebe es zahlreiche Politiker, die nach der Führungsrolle strebten, und einen gewissen intellektuellen Wettstreit. Hinter den Auseinandersetzungen stehe letztlich die Frage: „Für welche Art von rechter Politik kämpfen wir?“

Gibt es solche Debatten auch innerhalb der KO? Diese Frage und damit die „unsichtbare Krise“ dürften im kommenden Wahlkampf wieder auf die Tagesordnung kommen. Wen will die Bürgerkoalition dann ansprechen – und mit welchen Themen? Ihr wichtigstes Mittel dürfte die Warnung vor der politischen Rechten sein. Diesmal nicht in Gestalt der PiS, sondern des Rechtsextremisten Grzegorz Braun, mit dem die Liberalen alle Kräfte rechts der Mitte in einen Topf werfen könnten. Sollte diese Strategie nicht aufgehen, dürfte der Weg zu einer Wiederwahl für Tusk äußerst schwierig werden, urteilt die Rzeczpospolita.

KULTURA LIBERALNA: Das Spiel des So-tun-als-ob

Wenige Wochen vor Beginn des neuen akademischen Jahres erscheint in der polnischen Presse eine ernüchternde Bilanz des Hochschulsystems. Es geht um ein Studium, das nicht wirklich Wissen vermittelt, sondern Konformität signalisiert – und damit auf einen Arbeitsplatz vorbereitet, an dem Loyalität und ein Diplom mehr zählen als tatsächliche Leistung. Das schreibt Kastor Beck-Kużelewski in der Kultura Liberalna.

Der Autor beruft sich auf eine Studie über die polnischen Hochschulen. Demnach erscheint ein Studium für viele Studenten als eine naturalisierte Notwendigkeit – als etwas Selbstverständliches. Studiengänge würden häufig fast zufällig gewählt, weil die Informationsmaterialien der Hochschulen kaum konkrete Auskunft geben. Wie gut die Wahl tatsächlich passt, hänge vor allem davon ab, wie viel kulturelles Kapital man von zu Hause mitbringe.

Der Hochschulalltag sehe heute häufig so aus, dass Lehrende bei Prüfungen über das Abschreiben hinwegsehen, weil niemand im September zur Nachprüfung erscheinen möchte. „Beide Seiten spielen das Lehren und Lernen nur vor.“ Beck-Kużelewski spricht von sogenannten „Bullshit Majors“ – Studiengängen, von denen Studenten und Lehrende insgeheim wissen, dass sie zu einem leeren Ritual geworden sind. Keine der beiden Seiten glaube wirklich daran, dass Wissen vermittelt werde, dennoch täten alle so, als wäre genau das der Fall. Ein Studium, das nicht Wissen vermittelt, sondern Ausdauer und Konformität signalisiert, sei damit eine hervorragende Vorbereitung auf einen Arbeitsplatz, an dem Anwesenheit, Loyalität und ein Diplom wichtiger seien als die tatsächlich erbrachte Leistung.

ONET.PL: Das Ende des spanischen Traums

Immer mehr Polen verkaufen ihre Immobilien in Spanien. Doch nicht allen gelingt das. „Vor drei Jahren haben wir an das spanische Paradies geglaubt und aufgehört, vernünftig zu denken“, erzählt Zbigniew, ein pensionierter Hochschullehrer aus Warschau. Zbigniew und seine Frau Olga sind seit rund 15 Jahren im Ruhestand. Im Frühjahr flohen sie aus ihrer Warschauer Plattenbausiedlung auf ihr Grundstück bei Łomża. Der Gedanke an die Rückkehr in die graue Wohnsiedlung im Herbst sei unerträglich gewesen.

Nach einem Gespräch mit dem Schwager einer Nachbarin beschlossen sie, ihre Wohnung zu verkaufen und ein Apartment im spanischen Torrevieja zu erwerben. Der Erlös aus ihrer Zweizimmerwohnung im Warschauer Stadtteil Ursynów reichte für den Ausbau des Badezimmers in ihrem Häuschen bei Łomża und den Kauf eines 50 Quadratmeter großen Apartments in einer bewachten Wohnanlage mit Swimmingpool. Zwei Kilometer vom Meer entfernt – laut einem polnischen Immobilienmakler kein Problem.

„Ein Märchen“ – so beschreibt Zbigniew das erste Jahr in Spanien. Das zweite Jahr war allerdings längst nicht mehr so märchenhaft. In der Wohnanlage mit mehreren hundert Bewohnern konnte man die Spanier an einer Hand abzählen. Neben den Polen dominierten Briten, Ukrainer und Russen. Die dritte Saison stand schließlich im Zeichen der Herzrhythmusstörungen von Olga. Dank einer privaten Krankenversicherung kam sie schnell zu einem Kardiologen. Dieser habe ihnen geraten, „adiós España“ zu sagen und in ein gemäßigteres Klima zurückzukehren.

Das Paar kehrte nach Polen zurück. Heute leben Zbigniew und Olga wieder auf ihrem Grundstück bei Łomża und wollen das Apartment verkaufen. Doch plötzlich heißt es: „Torrevieja ist vorbei. Käufer machen einen großen Bogen um die Stadt.“ Die Verkaufsentscheidungen der Polen spiegeln laut Katarzyna Jagodzińska, lizenzierte Immobilienmaklerin, die Veränderungen auf dem spanischen Immobilienmarkt wider. Nach Jahren der Stagnation infolge der 2008 begonnenen Krise hat sich die Bautätigkeit deutlich beschleunigt. Viele Polen versuchen deshalb, Immobilien wieder loszuwerden, die sie impulsiv und ohne ausreichende Kenntnis der spanischen Verhältnisse gekauft haben. Das ist aber nicht einfach, schreibt das Portal Onet.

Autor: Jakub Kukla

Hochschulranking: Universität Warschau und Jagiellonen-Universität gemeinsam vorn

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Insel der Freiheit: Hundert Jahre Germanistik an der Katholischen Universität Lublin

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Sie ist mehr als nur eine ausgezeichnete Kaderschmiede. Die 1918 gegründete Katholische Universität Lublin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, geprägt von einer beeindruckenden Standhaftigkeit. Dies gilt auch für die dortige Germanistik.  

„Die PiS schwächt sich derzeit am effektivsten ohne fremde Hilfe“

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Regierungschef kündigt hartes Vorgehen wegen mutmaßlichen Missbrauchs von Fluthilfen an

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Billiger tanken – „und trotzdem keine Freude"? Und: Ein Minister fürs Verfassungsgericht

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Tusk nimmt am „Campus Polska Przyszłości“ teil

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