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Kriegszustand gegen den Westen im Herbst? – Duda verteidigt Orden für Selenskyj – Deutschland fällt im Expat-Ranking zurück

04.09.2026 12:25
Russland könnte nach den Herbstwahlen den Kriegszustand und eine Massenmobilisierung ankündigen – zugleich stärkt Moskaus Druck paradoxerweise die Widerstandsfähigkeit der baltischen Staaten. Außerdem: Ex-Präsident Andrzej Duda verteidigt die Verleihung des Weißen-Adler-Ordens an Wolodymyr Selenskyj. Und: Warum Deutschland für polnische Migranten und internationale Fachkräfte an Attraktivität verliert. Mehr dazu in der Presseschau.
Der russische Prsident Wladimir Putin spricht whrend einer Plenarsitzung des stlichen Wirtschaftsforums (EEF) an der Fderalen Universitt des Fernen Ostens (FEFU) auf der Insel Russky in Wladiwostok, Russland, am 3. September 2026. Das 11. stliche Wirtschaftsforum findet vom 1. bis 4. September in der Stadt Wladiwostok im russischen Fernen Ost
Der russische Präsident Wladimir Putin spricht während einer Plenarsitzung des Östlichen Wirtschaftsforums (EEF) an der Föderalen Universität des Fernen Ostens (FEFU) auf der Insel Russky in Wladiwostok, Russland, am 3. September 2026. Das 11. Östliche Wirtschaftsforum findet vom 1. bis 4. September in der Stadt Wladiwostok im russischen Fernen OstEPA/VYACHESLAV PROKOFYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL

RZECZPOSPOLITA, INTERIA.PL: Unerwartete Folgen von Putins Politik

Generalmajor a. D. Leon Komornicki geht davon aus, dass Russland nach den Herbstwahlen die Verhängung des Kriegszustands gegen den Westen sowie eine Massenmobilisierung ankündigen könnte. Russland warte auf den richtigen Moment, um konventionelle militärische Operationen einzuleiten. Noch sei nicht eindeutig definiert, gegen welches Land sich diese richten würden, sagte Komornicki im Gespräch mit der Tageszeitung Rzeczpospolita. Nach Ansicht des Generals sieht die russische Militärstrategie einen Angriff auf die baltischen Staaten vor. „Es ist nicht so, dass dieser Plan erst noch ausgearbeitet werden muss. Die gesamte Operation ist längst geplant. Sie wird zwar immer wieder korrigiert und angepasst, aber sie ist bereits ausgearbeitet“, sagt Komornicki. Ziel sei es, das Kaliningrader Gebiet mit dem übrigen Territorium der Russischen Föderation zu verbinden, indem die baltischen Staaten besetzt würden. „So wie es mit der Krim geschehen ist. Und meiner Überzeugung nach wird auch die belarussische Armee daran beteiligt sein“, so Komornicki.

Auch Prof. Aleksandra Kuczyńska-Zonik vom Institut für Mitteleuropa äußerte sich zur Lage in den baltischen Staaten. Ihrer Einschätzung nach teste Russland zunehmend die Widerstandsfähigkeit Litauens, Lettlands und Estlands. Paradoxerweise habe der Druck aus Moskau jedoch nicht zu Panik geführt, sondern die drei Länder dazu gezwungen, ihre gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken und jahrelange Versäumnisse aufzuholen, sagte sie im Gespräch mit dem Portal Interia. Die Expertin betonte, dass derzeit keine militärische Gefahr bestehe, da es keine Hinweise auf eine Konzentration russischer Truppen und eine drohende Invasion gebe. Zudem stärkten hybride Angriffe die baltischen Staaten und die NATO, weil sie häufig Bereiche aufzeigten, in denen die Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden könnten. Was die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit betrifft, ist die Lage in Litauen und Estland am besten. In Lettland sind dagegen noch viele Lücken sichtbar. Es handelt sich um jahrelange Versäumnisse, die sich nicht von heute auf morgen beheben lassen“, sagt Prof. Aleksandra Kuczyńska-Zonik in Interia.

WPROST: Duda verteidigt Verleihung des Ordens an Selenskyj

Andrzej Duda bereut die Verleihung des Weißen-Adler-Ordens an Wolodymyr Selenskyj nicht. Allerdings räumt der ehemalige polnische Präsident ein, dass sich die Haltung des ukrainischen Staatschefs verändert habe. Das berichtet die Wochenzeitschrift Wprost. Duda äußerte sich erstmals ausführlicher zu seiner Entscheidung, Wolodymyr Selenskyj mit dem Weißen-Adler-Orden auszuzeichnen. Er betonte, dass die Ehrung in einem besonderen Moment erfolgt sei – nach Beginn der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine. Der ehemalige Präsident erinnerte daran, dass Selenskyj in Kiew geblieben und die Verteidigung seines Landes geleitet habe. Seiner Ansicht nach habe die Haltung des ukrainischen Präsidenten auch für die Sicherheit Polens eine wichtige Rolle gespielt.

Andrzej Duda verwies zudem auf das Ausmaß der polnischen Militärhilfe. Warschau habe der Ukraine mehr als 360 Panzer geliefert, zu einer Zeit, als einige westliche Staaten noch nicht bereit gewesen seien, schweres Gerät zu liefern. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten müsse die Verleihung des Ordens vor dem Hintergrund des ersten Kriegsjahres und der Rolle Selenskyjs bei der Organisation des ukrainischen Widerstands bewertet werden. Das Thema war erneut aufgekommen, nachdem Karol Nawrocki entschieden hatte, Selenskyj den Weißen-Adler-Orden zu entziehen. Grund dafür war die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den „Helden der UPA“. Der ukrainische Präsident teilte daraufhin mit, dass er die Auszeichnung nach Polen zurückschicke. Duda betonte, dass Nawrocki über aktuelle Informationen zu den polnisch-ukrainischen Beziehungen verfüge, zu denen der ehemalige Präsident keinen Zugang mehr habe. Zugleich räumte er ein, dass seine heutige Einschätzung der Haltung Selenskyjs eine andere sei als vor einigen Jahren. Auf die Frage, ob er die Verleihung des Ordens bereue, antwortete Andrzej Duda aber mit einem klaren Nein.

SUPER EXPRESS: Kehrt sich der deutsche Traum um?

Jahrzehntelang gingen Polen nach Deutschland, um dort Arbeit, höhere Löhne und ein besseres Leben zu finden. Nun hat sich die Entwicklung überraschend umgekehrt: 2025 zogen mehr Menschen von Deutschland nach Polen als umgekehrt. Ein Journalist des „Super Express“ reiste nach Berlin und fragte dort lebende Polen, ob der deutsche Traum gerade zu Ende geht. Was ist aus dem Land geworden, das über Jahre als Symbol für Wohlstand, Ordnung und Stabilität galt? Lohnt es sich noch, in Deutschland nach einem besseren Leben zu suchen?

„Dieses Land ist unglaublich auseinandergefallen. 2017, als Merkel die Grenze geöffnet hat, ist es einfach bergab gegangen“, sagte ein Pole, den der Journalist vor der Berliner St.-Johannes-Basilika traf, in der jeden Sonntag polnische Gottesdienste stattfinden. Eine Frau, die vor elf Jahren aus der Gegend um Kłodzko nach Deutschland kam, sieht die Entwicklung differenzierter. „Ich habe keine Reichtümer und kann mir keinen Urlaub auf den Malediven leisten, aber ich habe keine Kredite. Die Wohnung habe ich vom Staat bekommen. Ich muss bei nichts sparen. Ob ich Lachs oder Mozzarella möchte – ich kann es mir leisten“, sagte sie.

Sie denkt nicht daran, nach Polen zurückzukehren. Gleichzeitig stellt sie fest, dass Deutschland innerhalb eines Jahrzehnts viel von seiner Attraktivität eingebüßt habe. „Seit diese Menschenmassen gekommen sind, hat sich vieles verändert“, sagt sie.

Eine andere Polin erklärte, dass sie sich inzwischen zunehmend unsicher fühle. „Immer häufiger sieht man auf den Straßen Menschen, vor denen man langsam Angst bekommt“, sagte sie. Abends versuche sie deshalb, Parks und dunkle Straßen in Berlin zu meiden. Ein Mann, der seit zwölf Jahren in Berlin lebt, teilt diese Einschätzung nicht. „Mir persönlich ist noch nie etwas passiert. Ich bin schon oft nachts nach irgendwelchen Partys nach Hause gegangen, und es gab nie ein Problem“, lesen wir in Super Express.

WPROST: Deutschland fällt im Expat-Ranking zurück

Die Wochenzeitschrift „Wprost“ veröffentlicht die Ergebnisse des neuen Berichts „Expat Insider 2026“. An der Untersuchung nahmen knapp 7.800 Auswanderer teil, darunter Expats – also hochqualifizierte Fachkräfte –, die ihre Heimat verlassen und in 162 verschiedenen Ländern leben.

Nach Ansicht vieler Auswanderer verdient Panama den ersten Platz. Das Land an der Landenge zwischen Nord- und Südamerika bietet hervorragende Bedingungen für die berufliche Entwicklung und hohe Gehälter. 90 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Einkommen ausreicht, um sich mehr als nur die grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen. Danach wird es noch interessanter: Auf Panama folgen Mexiko und Thailand. In Mexiko heben die Auswanderer vor allem die Werte der Bevölkerung hervor, die als ausgesprochen gastfreundlich gilt. In Thailand wiederum loben sie das „allgemeine Zufriedenheitsniveau“.

Für Polen dürften vor allem die Ergebnisse für Deutschland interessant sein. Das Land belegt im Ranking den vorletzten Platz. Die Auswanderer empfinden die Deutschen als wenig freundlich. Auch die bürokratischen Hürden sprechen ihrer Ansicht nach gegen eine Ansiedlung. Hinzu kommt der Bereich der Digitalisierung: Der Staat liege in dieser Hinsicht weit zurück. Polen schneidet deutlich besser ab und belegt Platz 17, berichtet die Wochenzeitschrift „Wprost“.

Autor: Jakub Kukla


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