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Habeck warnt vor Gasgeschäften mit Putin

19.10.2026 10:35
Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler und Wirtschaftsminister im Kabinett von Olaf Scholz, spricht im Interview mit Business Insider Polska über die Fehler der deutschen Russlandpolitik und warnt vor einer möglichen Rückkehr zu russischen Gasimporten. Für seine Partei, die Grünen, könne er eine erneute wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland nach Kriegsende ausschließen, sagt Habeck. Nicht jedoch für den Fall, dass die AfD weiter an Einfluss gewinne. Sie sei vermutlich die prorussischste Partei Europas und würde nicht zögern, russische Energie zu kaufen und die Unterstützung für die Ukraine einzustellen. Genau das fordere sie bereits in ihrem Wahlkampf. Sollte die AfD tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen, würde sich die europäische Politik grundlegend verändern.
Robert Habeck
Robert HabeckFoto: PAP/CLEMENS BILAN

Die Grünen hätten sich seit ihrer Gründung vor mehr als 40 Jahren stark gewandelt: Einst auch vom Pazifismus geprägt, gehörten sie heute zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine. Als Minister habe er zudem dafür gesorgt, dass Deutschland unabhängiger von russischem Gas wurde. Bemerkenswert sei, dass die Grünen damit in der Russlandpolitik inzwischen näher an Polen stünden als die deutsche extreme Rechte.

Mit Blick auf die USA warnt der ehemalige Minister vor einer neuen Gefahr. Während die Regierung Joe Bidens Deutschland noch ausdrücklich zur Abkehr von russischem Gas gedrängt habe, sei die Lage unter Donald Trump eine andere. Geschäftsleute aus dessen Umfeld verhandelten offenbar mit Russland über den Kauf einer Pipeline. Europa müsse sich deshalb auf ein Szenario einstellen, in dem Trump und Putin Deutschland und möglicherweise weitere Staaten Mitteleuropas zur Wiederaufnahme russischer Gasimporte bewegen wollten. Das erscheine zunächst widersinnig, da Trump zugleich amerikanisches Flüssiggas nach Europa verkaufen wolle. Sollten jedoch seine Vertrauten – oder möglicherweise er selbst – an einer russischen Pipeline und der dazugehörigen Infrastruktur verdienen, sähe die Sache anders aus. Europa drohe dann, von beiden Seiten unter Druck gesetzt zu werden.

Auf die Frage nach Entschädigungen für deutsche Kriegsverbrechen in Polen antwortete Habeck knapp, er sei kein offizieller Vertreter Deutschlands mehr, berichtet Business Insider Polska.

 

DO RZECZY: Kleine Brauereien fürchten um ihre Existenz

Der Sejm hat Anfang Oktober, ein Gesetz beschlossen, das landesweit ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol, ein umfassendes Werbeverbot und höhere Abgaben auf den Alkoholverkauf vorsieht. Das Gesetz verbietet Werbung und Verkaufsförderung für sämtliche alkoholischen Getränke, einschließlich Bier. Vor allem kleine, unabhängige Brauereien kritisieren die Neuregelung, berichtet die Wochenzeitung Do Rzeczy. Sie befürchten, dass sie den Wettbewerb verzerrt und große Konzerne begünstigt. Kleine polnische Brauereien könnten verschwinden – und mit ihnen individuelle Rezepturen, weniger verbreitete Biersorten und die Vielfalt, die sie über Jahre aufgebaut hätten. Übermäßigen Bierkonsum hätten sie nie befürwortet, betonen die Hersteller. Darum gehe es beim Craftbier schließlich nicht.

Die Vertreter der Brauerei Bednary erkennen zwar an, dass Alkoholabhängigkeit bekämpft und Minderjährige vor Bierwerbung geschützt werden müssen. Ein ernstes Problem verlange jedoch präzise Lösungen und keinen gesetzgeberischen Dampfhammer. Auch die Warschauer Brauerei Palatum kritisiert, dass die Gesetzgeber alkoholfreies Bier offenbar als Zwischenschritt zum Alkoholkonsum betrachteten. Dabei werde alkoholfreies Bier immer beliebter, während der Absatz alkoholhaltiger Varianten zurückgehe. Das trage dazu bei, den Alkoholkonsum insgesamt zu senken, lesen wir in Do Rzeczy.

 

WIĘŹ: Lehrer sind keine Superhelden

Nach mehreren Angriffen an polnischen Schulen erklärte der Lehrer Piotr Łęcki in einem Gespräch mit der Vierteljahresschrift Więź, er wisse nicht, wie er reagieren würde, wenn ein Schüler jemanden mit einem Messer attackierte. „Ich würde gern glauben, dass ich zum Helden würde, aber ich bezweifle es“, sagte er. Von Lehrern werde erwartet, dass sie sich notfalls selbst in Lebensgefahr brächten. Auf solche Situationen bereite sie jedoch niemand vor.

Lehrer seien weder Feuerwehrleute noch Polizisten oder Rettungskräfte. Sie gingen in die Schule, um zu unterrichten, betont Łęcki. Im Laufe der Zeit seien ihnen jedoch immer mehr Aufgaben übertragen worden: Sie sollten zugleich Psychologen, Krankenpfleger, Ärzte und mitunter sogar Ersatzeltern sein. Wie solle ein Mensch all diesen Anforderungen gerecht werden?

Die Journalistin Agata Kulczycka greift diesen Gedanken in ihrem Kommentar auf. Psychologin, Pflegekraft, Ärztin, Ersatzmutter, Pädagogin und nun womöglich auch noch Sicherheitskraft – das seien zu viele Rollen für einen Menschen.

Sie erinnert sich an eine Cola-Dose mit der Aufschrift „Superheldin“. Das Motiv erschien ihr zunächst aufmunternd, weshalb sie ein Foto davon an eine Bekannte schickte, die an einer Schule arbeitete. Deren Antwort: Sie habe diese Rolle längst satt.

Die Überforderung von Lehrkräften stehe allerdings stellvertretend für ein allgemeineres gesellschaftliches Problem. Schließlich solle jeder Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren, Freundschaften pflegen, an Geburtstage denken, Nachbarn helfen, erreichbar bleiben, sich weiterentwickeln, das spirituelle Leben nicht vernachlässigen. Vielleicht, so Kulczyckas Schlussgedanke, müsste auf der Cola-Dose heute eine andere Botschaft stehen. Denn niemand kann unbegrenzt viele Rollen erfüllen – schon gar nicht, wenn sie sich mitunter widersprechen.


Autor: Jakub Kukla

EU-Kommission: Import russischer Energie drastisch reduziert

17.12.2025 10:16
Das Europäische Parlament bereitet eine Abstimmung über den endgültigen Ausstieg der Europäischen Union aus dem Import von russischem Gas vor. Die EU-Kommission sieht darin einen zentralen Schritt zur Stärkung der langfristigen Energiesicherheit der Gemeinschaft.

Angriff an Schule in Ostrołęka: 19-Jähriger hatte offenbar auch Sprengsatz dabei

07.10.2026 20:28
Nach dem Messerangriff auf neun Menschen an einer Berufsschule im polnischen Ostrołęka gibt es neue Erkenntnisse. Im Rucksack des 19-jährigen Tatverdächtigen wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein selbstgebauter Sprengsatz gefunden.

Schulen nach Gewalttaten und Drohungen im Internet weiter unter verstärktem Polizeischutz

13.10.2026 13:20
Polen wird Schulen nach Gewalttaten und einer Zunahme von Drohungen im Internet mindestens noch einige Tage verstärkt schützen. Rund 20.000 Polizisten sind landesweit an Schulen und in deren Umfeld im Einsatz.