Rzeczpospolita: Tusks Megalopolis
Und doch eine Fortsetzung. Die Regierung gibt das CPK-Projekt nicht auf, sondern modifiziert es, schreibt in seinem Kommentar zur Pressekonferenz der Chefredakteur der konservativ-liberalen Rzeczpospolita, Bogusław Chrabota. Diejenigen, die über den Mangel an Ehrgeiz der Regierung von Donald Tusk geklagt hätten, so der Autor, seien eines Besseren belehrt worden. Denn wenn man sich nur an die Worte halte, dann solle das durch die PiS gebaute Mythos des CPK-Projekts nun durch die pathetische Vision eines gut vernetzten Megalopolis ersetzt werden. Abgesehen von demografischen Fragen (da ein Megalopolis ja nicht nur aus Infrastruktur bestehe, sondern auch aus den darin lebenden Menschen), die der Premierminister sicherlich irgendwie lösen werde, sei die auf der Pressekonferenz vorgestellte neue Version des großen Infrastrukturprojekts ziemlich überzeugend, meint Chrabota. Es sei ersichtlich, dass die sechs Monate von Analysen nicht umsonst gewesen seien. Das Ergebnis sei eine inklusive anstelle einer exklusiven Vision.
Die Regierung löse darin mehrere superwichtige Fragen für die Polen. Vor allem werde der Bau des Nachfolgers des Zentralen Kommunikationshafens nicht die Schwächung der Kapazitäten anderer Flughäfen im Lande bedeuten. Auch der Warschauer Flughafen Okęcie werde nicht verschwinden. Stattdessen soll dessen Entwicklung kurzfristig beschleunigt werden, um seine Infrastruktur in Zukunft für moderne Luftfahrttechnologien zu nutzen, was auch immer das bedeuten möge. Investitionen würden auch in den zweiten hauptstädtischen Flughafen Modlin fließen, der den sogenannten Low-Cost-Airlines dienen solle, und in den Flughafen von Radom, der laut den Regierungsplänen für Charterverbindungen genutzt werden solle.
Auch der nationale Flughafen in Baranów werde gebaut, und zwar mit einer ähnlichen Kapazität wie zuvor geplant (34 Millionen Passagiere pro Jahr), sodass man schwerlich sagen könne, dass die Nachfolger die Idee der PiS begraben. Dies sei eine Fortsetzung, hoffentlich eine, bei der bereits bestehende und bezahlte kreative Projekte genutzt werden. Die Termine und Kosten der Operation seien realistischer geworden. Der Bau von Baranów solle bis 2031 abgeschlossen sein und ein Jahr später in Betrieb gehen. Dies sei ein realistischer Zeitplan, sofern nichts Außergewöhnliches geschehe.
Neu sei auch die Modifikation des Projekts zur Erweiterung der Eisenbahninfrastruktur (statt der sogenannten Strahlen schnelle Verbindungen mit großen Städten), die Idee, Warschau mit schnellen Zügen in 100 Minuten mit Wrocław, Gdańsk, Poznań, Katowice und Kraków zu verbinden, sowie eine große Investition in LOT. Der Betreiber des Flughafens in Baranów solle bis 2032 über eine Flotte von 135 Flugzeugen verfügen. Ambitioniert, so Chrabota. Ein attraktives Detail dieser kühnen Vision sei auch eine extrem praktische Frage, nämlich eine vierspurige Autobahn von Warschau bis zur Westgrenze. Das sei nicht nur der Traum der Lastwagenfahrer, die sich im Schneckentempo von Osten nach Westen und von Westen nach Osten kämpfen würden.
Zusammenfassend habe sich die Regierung nicht vom CPK abgewendet, sie habe die schöne Idee nicht aufgegeben, sondern weiterentwickelt. Und das sei gut so, denn Polen, dessen Schwäche eine unterentwickelte Infrastruktur gewesen sei, brauche Modernität wie die Luft zum Atmen. Es sei offensichtlich, dass die besondere geografische Lage des Landes in Europa endlich genutzt werden müsse. Polen sei ein Land, das für den Transit geschaffen sei.
Um ein wenig Wermut in das Honigfass zu gießen, müsse die Regierung das Thema der Finanzierung weiter ausführen. Die heute deklarierten Kosten von 131 Milliarden Złoty seien nur eine Position in Excel. Können wir uns dieses Projekt heute leisten? Werden wir es uns morgen leisten können? Woher kommen die Kredite? Wo sind die privaten Investoren? Und wird uns die Geschichte eine Chance geben? Diese Fragen bleiben weiterhin offen, so Bogusław Chrabota in der Rzeczpospolita.
Gazeta Polska Codziennie: Tusks Leute haben CPK brutal beschnitten
Erwartungsgemäß ist der Ideengeber des Zentralen Kommunikationshafens, die größte Oppositionspartei PiS, ganz anderer Meinung. Politiker der Gruppierung lassen kein trockenes Haar an den von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen am CPK. Eine Reduzierung der Eisenbahninvestitionen, wesentliche Änderungen am Flughafenprojekt, die gleichzeitige Entwicklung anderer lokaler Flughäfen, die sich gegenseitig kannibalisieren werden, und kein Wort über die Cargo-Komponente - so sehe der gekürzte Bauplan des CPK aus, der von der Regierung von Donald Tusk vorgestellt worden sei, alarmiert in ihrem heutigen Aufmacher die nationalkonservative Gazeta Polska Codziennie. "Diese Ankündigungen sind sehr chaotisch und in vielen Teilen inkohärent, unlogisch. Beispielsweise, wenn das CPK im Jahr 2032 mit einer Kapazität von 34 Millionen Passagieren pro Jahr in Betrieb genommen werden soll, macht es absolut keinen Sinn, Okęcie bis 2030 auf 30 Millionen Passagiere pro Jahr auszubauen. Die Eisenbahninvestitionen sind auf den sogenannten Y-Schnitt reduziert worden, und auf diesem hat man die Geschwindigkeit auf 300-320 km/h erhöht, was bedeutet, dass Städte wie Kalisz, Sieradz und andere dieser Größe, die am „Y“ liegen, von der Nutzung der Züge höchster Klasse ausgeschlossen werden. Dutzende anderer Städte werden überhaupt keine Chance haben, an die Infrastruktur angeschlossen zu werden, weil dort schlicht keine Verbindungen gebaut werden", sagt im Gespräch mit dem Blatt der ehemalige Regierungsbevollmächtigte für CPK und PiS-Abgeordnete, Marcin Horała.
"Donald Tusk”, so der Politiker, “stellt das alles als Dezentralisierung dar. Totaler Unsinn", erklärt er und macht darauf aufmerksam, dass etwa die Cargo-Komponente, die laut den ursprünglichen Plänen in Zukunft enorme Einnahmen für den Staatshaushalt generieren sollte auf der gestrigen Konferenz nicht erwähnt worden ist. "Ich kann noch einige andere Fragen hinzufügen. Was ist mit militärischen Fragen und Truppentransporten? Was ist mit dem Netzwerk der intermodalen Terminals? Was ist mit dem geplanten Ausbau der Zahl von Schienenfahrzeugen? Es gibt riesige Bereiche des CPK-Projekts, über die nichts gesagt worden ist, sodass man vermuten kann, dass sie gestrichen werden", so Marcin Horała. Die einzige gute Nachricht sei laut dem Politiker, dass das Konzept des CPK nicht ganz aufgegeben worden ist. Das werde es ermöglichen, nach einem eventuellen Wahlsieg bei den kommenden Parlamentswahlen in vielen Bereichen zur ursprünglichen Konzeption zurückzukehren. Leider werde dies wieder viel Zeit in Anspruch nehmen, Zeit, in der man bereits von den Vorteilen der Umsetzung des ursprünglichen CPK-Projekts profitieren könnte, so Marcin Horała im Gespräch mit Gazeta Polska Codziennie.
Dziennik/Gazeta Prawna: CPK wird einen Konkurrenten in Ungarn haben
Das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna macht darauf aufmerksam, dass der Zentrale Kommunikationshafen CPK Konkurrenz aus Ungarn haben wird. Am Dienstag habe die Regierung von Viktor Orban angekündigt, gemeinsam mit dem französischen Flughafen-Giganten Vinci den Flughafen in Budapest radikal ausbauen zu wollen. Wie der ehemalige Direktor des Zentrums für Osteuropastudien erinnert, sollte diese französische Firma ursprünglich auch in das CPK-Projekt involviert werden. “Das Interesse am Flughafen in Budapest zeigt, dass es in unserer Region Europas Platz für den Bau eines großen Drehkreuzes gibt”, zitiert das Blatt den Experten. Der ehemalige Regierungsbevollmächtigte für CPK, Marcin Horała, habe auf dem Portal X dazu geschrieben: „Die Welt wartet nicht auf die Expertisen von Lasek. Ein Investor, der in Polen investieren wollte, investiert wegen der Blockade des Prozesses nun in Ungarn.“
Experten würden jedoch beruhigen, dass der Ausbau des Flughafens in Budapest nur in geringem Maße ein Konkurrenzprojekt für CPK ist. Wie Dominik Sipiński vom Portal Ch-aviation.com erklärt, werde eine größere Kapazität des Budapester Flughafens die Möglichkeiten für Billigfluggesellschaften erhöhen. Derzeit würden auf dem dortigen Flughafen Wizz Air und Ryanair dominieren, so Sipiński im Gespräch mit Dziennik/Gazeta Prawna.
Autor: Adam de Nisau