GAZETA WYBORCZA: Neuer deutsch-polnischer Vertrag vorerst vom Tisch
Zum 35. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags wird Deutschland mehrere während des Zweiten Weltkriegs geraubte Kulturgüter an Polen zurückgeben. Dazu gehören der Ring des polnischen Königs Sigismund I. des Alten, die älteste erhaltene Niederschrift des mittelalterlichen Hymnus „Gaude Mater Polonia“ sowie Handschriften der Tagebücher des Schriftstellers Stefan Żeromski.
Wie die Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtet, wird es entgegen früheren Planungen jedoch keinen neuen deutsch-polnischen Grundlagenvertrag geben. Hintergrund seien Befürchtungen in Berlin, der polnische Präsident Karol Nawrocki könnte ein solches Abkommen nicht unterzeichnen. Ähnliche Zweifel bestehen offenbar auch hinsichtlich einer möglichen Ratifizierung eines Abkommens zwischen Polen und Großbritannien.
Anstelle eines neuen Staatsvertrags wurde eine deutsch-polnische Vereinbarung über die militärische Zusammenarbeit ausgehandelt. Diese soll in der kommenden Woche von den Verteidigungsministern Władysław Kosiniak-Kamysz und Boris Pistorius unterzeichnet werden. Keine Fortschritte gibt es nach Informationen der Zeitung bei den Entschädigungszahlungen für noch lebende polnische Opfer des NS-Regimes. Bereits im Dezember 2025 hatte Polens Ministerpräsident Donald Tusk Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich aufgefordert, bei diesem Thema schneller voranzukommen.
Diplomatische Quellen aus beiden Ländern berichten, Merz habe sich überrascht über die Verzögerungen gezeigt. Seine Berater hätten zugesagt, die Angelegenheit rasch voranzubringen. Bislang sei jedoch keine Finanzierung für entsprechende Zahlungen gefunden worden, lesen wir in der Gazeta Wyborcza.
TYGODNIK POWSZCECHNY: Literatur als Frühwarnsystem für Konflikte
Vor zehn Jahren schrieb der Tübinger Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer einen Brief an die damalige deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Darin wies er auf die Terrororganisation Boko Haram in Nigeria hin, die gezielt Schulen angriff. Aus diesem Impuls entstand nach zweijährigen Gesprächen zwischen Wissenschaftlern und Politikern das Forschungsprojekt „Cassandra“.
In einem Gespräch mit dem Wochenmagazin Tygodnik Powszechny erläutert die polnische Literaturwissenschaftlerin und Mitarbeiterin von Wertheimer, Prof. Monika Wolting, wie Literatur zur Analyse gesellschaftlicher Spannungen und potenzieller Konflikte genutzt werden kann. Das Forschungsteam untersuchte unter anderem Entwicklungen in Algerien, Aserbaidschan, auf dem Balkan sowie die Beziehungen zwischen Taiwan und China. Die Ergebnisse fanden Anwendung in deutschen Regierungsstellen, der Europäischen Union und der NATO.
Nach Ansicht der Forscher spiegeln literarische Werke gesellschaftliche Spannungen oft lange bevor diese politisch oder militärisch sichtbar werden. In Handlungen, Dialogen und erzählerischen Motiven lassen sich Muster erkennen, die auf wachsende Polarisierung und Konfliktpotenzial hindeuten. Solche Narrative können später auch für Desinformation oder politische Mobilisierung instrumentalisiert werden.
„Literatur wirkt wie ein Seismograf“, erklärt Wolting. Die entwickelte Methode ermögliche es, erste Erschütterungen frühzeitig wahrzunehmen und potenzielle Krisenherde zu identifizieren. Gleichzeitig könnten auf dieser Grundlage Gegenstrategien und alternative Erzählungen entwickelt werden, um gesellschaftlichen Ressentiments entgegenzuwirken, lesen wir in Tygodnik Powszechny.
DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Tomaszewski: „Wir haben die besten Fußballer unserer Geschichte“
Der frühere polnische Nationaltorhüter Jan Tomaszewski bedauert das Verpassen der Fußball-Weltmeisterschaft durch die polnische Nationalmannschaft. Trotz einer aus seiner Sicht außergewöhnlich talentierten Spielergeneration befinde sich das Team derzeit in einer sportlichen Krise.
Polen verlor das entscheidende WM-Play-off-Finale auswärts gegen Schweden mit 2:3 und verpasste damit die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. In der Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna spricht Tomaszewski von einem anhaltenden sportlichen Tief: „Seit fünf Spielen befinden wir uns in einer Art fußballerischer Stagnation. Davon müssen wir uns lösen.“
Zugleich stellt sich der ehemalige Nationalspieler hinter Trainer Jan Urban, kritisiert jedoch die Niederlage gegen Schweden deutlich. „Ein Spiel gegen einen so schwachen Gegner darf man nicht verlieren. Wir haben nicht nur Prestige eingebüßt, sondern auch die rund 50 Millionen Złoty, die mit der WM-Teilnahme verbunden gewesen wären“, sagt Tomaszewski.
Trotz der aktuellen Schwächephase hält Tomaszewski die gegenwärtige Generation für die individuell stärkste in der Geschichte des polnischen Fußballs.
Mit Blick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft zählt er Brasilien zu den Favoriten, schließt aber auch Argentinien und Frankreich nicht aus. Zudem warnte er vor Norwegen und dessen Torjäger Erling Haaland. Sein Wunsch: ein europäisches Finale bei der WM, die morgen beginnt und bis zum 19. Juli dauert und erstmals mit 48 Mannschaften in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen wird.
Autor: Jakub Kukla