Deutsche Redaktion

Smolensk-Ermittler: Russland kooperierte kaum mit Polen

03.04.2025 10:14
Die Zusammenarbeit mit Russland bei den Ermittlungen zur Smolensk-Katastrophe ist nach Einschätzung des polnischen Staatsanwalts Krzysztof Schwartz von Anfang an problematisch gewesen. „Die russischen Beweise waren hohl wie ein Sieb“, sagte der Leiter des Untersuchungsteams der Nachrichtenagentur PAP. Seit 2015 habe Moskau trotz fast 40 Rechtshilfeersuchen nicht mit der polnischen Staatsanwaltschaft kooperiert.
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Bild:CC / Serge Serebro

Schwartz kritisierte, dass die von Russland übermittelten Beweise „unprofessionell gesichert“ und lückenhaft gewesen seien. Dies habe Verschwörungstheorien Vorschub geleistet. Auch auf polnischer Seite seien die Ermittlungen in den ersten Wochen nach dem Absturz der Präsidentenmaschine Tu-154M nicht ausreichend gewesen.

Die Hauptuntersuchung zur Smolesk-Katastrophe wurde 2016 nach der Auflösung der Militärstaatsanwaltschaft an ein neues Team übergeben. Dabei sei deutlich geworden, dass die russische Seite Beweise in „skandalöser Weise“ gesichert habe, so Schwartz. Zudem habe Russland Polen von Anfang an wichtige Dokumente vorenthalten und den Zugang zum Unglücksort verweigert.

Wrack bleibt weiterhin in Russland

Seit 2016 habe Polen mehrfach um Zugang zu den Wrackteilen und Originalaufzeichnungsgeräten gebeten sowie um eine Inspektion der Absturzstelle mit internationalen Experten. Die Anfragen seien jedoch ignoriert worden. „Die Russen schreiben, dass sie das Wrack zurückgeben werden, wenn ihr Verfahren abgeschlossen ist. Aber wenn sie behaupten, alles geklärt zu haben, was machen sie dann noch?“, fragte Schwartz.

„Wichtig ist, dass die russische Seite seit 2015 im Prinzip überhaupt nicht mit uns kooperiert hat. Die Russen haben sich systematisch geweigert oder es versäumt, auf unsere Anfragen zu reagieren, obwohl diese auch auf der Grundlage von Hinweisen von Experten aus den USA und Ungarn vorbereitet wurden, die vor Ort Forschungsaktivitäten durchführen wollten“.

Die polnische Staatsanwaltschaft untersucht weiterhin mehrere mögliche Ursachen des Absturzes, darunter auch die Hypothese eines Anschlags. Eine endgültige Einschätzung sei auch ohne das Wrack möglich, betonte Schwartz. Experten hätten nach dreijähriger Analyse von Dokumenten und Daten festgestellt, dass sie eine Stellungnahme abgeben könnten.

„Das mag überraschend klingen, aber wir haben den Experten die Frage gestellt: Können Sie ohne das Wrack ein Gutachten abgeben? Nachdem sie die Akten analysiert hatten, antworteten sie: Ja, wir sind dazu in der Lage“.

Er erinnerte auch daran, dass die Russen internationalen Experten den Zutritt zur Absturzstelle verwehrt haben. „Es handelt sich um angesehene Experten, die Hunderte von Katastrophen untersucht haben, auch auf russischem Boden. Herr Robert Benzon, Herr Floyd A. James oder Herr James T. Turman - das sind Namen, die in der ganzen Welt bekannt sind. Und die Russen haben gesagt: Nein, wir lassen diese Leute nicht rein“, betonte Schwartz.

Am 10. April jährt sich die Smolensk-Katastrophe zum 15. Mal. Bei dem Absturz kamen alle 96 Insassen ums Leben, darunter Polens Präsident Lech Kaczyński und seine Ehefrau. Die Delegation war auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn.


PAP/jc

 

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