Moskau macht Kiew für einen Anschlag auf einen hochrangigen Offizier des russischen Militärgeheimdienstes verantwortlich. Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Donnerstag, der Angriff sei ein gezielter Versuch der Ukraine, die laufenden Friedensverhandlungen zu untergraben.
Nach Angaben russischer Behörden wurde am 6. Februar in Moskau der stellvertretende Leiter des militärischen Geheimdienstes GRU, General Wladimir Alexejew, von einem maskierten Angreifer mehrfach angeschossen. Der Offizier wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, zum aktuellen Gesundheitszustand wurden keine Angaben gemacht.
Lawrow zufolge zeige der Anschlag, dass Kiew kein ernsthaftes Interesse an einer politischen Lösung habe. Vielmehr wolle die Ukraine mit solchen Aktionen ihre westlichen Unterstützer beeindrucken. Belege für diese Darstellung nannte der russische Außenminister nicht.
"Russland sucht Vorwand"
Der ukrainische Militärexperte Jurij Fjodorow wies die Vorwürfe als Propaganda zurück. Seiner Einschätzung nach wolle Russland selbst aus den Verhandlungen aussteigen und suche einen Vorwand, um die Ukraine in der Öffentlichkeit zu belasten. Alexejew habe wegen seiner Rolle im Krieg gegen die Ukraine mit Konsequenzen rechnen müssen, sagte Fjodorow.
Nach Angaben des Experten war Alexejew an der Auswahl von Zielen für Drohnen- und Raketenangriffe beteiligt, darunter auch zivile Objekte. Aus ukrainischer Sicht mache ihn das zu einem mutmaßlichen Kriegsverbrecher.
Unabhängige russische Medien berichteten zudem, Alexejew sei am Anschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal im britischen Salisbury beteiligt gewesen. Außerdem habe er als Verbindungsmann zu Jewgenij Prigoschin, dem Gründer der Söldnergruppe Wagner, fungiert. Alexejews Vorgesetzter ist der Geheimdienstchef Igor Kostjukow, der gleichzeitig die russische Delegation bei den Friedensverhandlungen mit der Ukraine leitet.
IAR/adn