Traczyk-Stawska wurde am 7. April 1927 in Warschau geboren. Als Jugendliche schloss sie sich dem polnischen Untergrund an, zunächst den Szary Szeregi, einer Pfadfinderorganisation im Widerstand, später der Heimatarmee (Armia Krajowa). Während des Warschauer Aufstands kämpfte sie als Schützin und Melderin in Einheiten der Informations- und Propagandaabteilung der Heimatarmee. Am 6. September 1944 wurde sie schwer verwundet. Nach der Kapitulation geriet sie in deutsche Gefangenschaft und kehrte 1947 nach Polen zurück.
Nach dem Krieg studierte Traczyk-Stawska Psychologie an der Universität Warschau und arbeitete viele Jahre als Lehrerin an Sonderschulen für Kinder mit Behinderungen. Gleichzeitig setzte sie sich für das Gedenken an die Opfer des Warschauer Aufstands ein. Sie suchte nach Gräbern von Aufständischen und engagierte sich für den Erhalt des Warschauer Aufständischenfriedhofs im Stadtteil Wola. Sie war Vorsitzende des dortigen Bürgerkomitees.
Traczyk-Stawska wurde unter anderem mit dem Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta ausgezeichnet und zur Ehrenbürgerin Warschaus ernannt. 2021 wurde sie zur „Warschauerin des Jahres“ gewählt.
Wichtige Zeitzeugin und moralische Autorität
Nach ihrem Tod würdigten zahlreiche Politiker Traczyk-Stawska als wichtige Zeitzeugin und moralische Autorität. Warschaus Bürgermeister Rafał Trzaskowski erklärte, ihre Haltung habe Generationen Mut, Würde und Verantwortungsbewusstsein vermittelt.
Kulturministerin Marta Cienkowska schrieb am Mittwoch auf der Plattform X: „Helden sterben nie.“ Sie blieben „in der Erinnerung, in der Geschichte und in den Werten, die sie ihr ganzes Leben lang verteidigt haben“.
Traczyk-Stawska habe mit ihrem Mut und ihrer Unbeugsamkeit gelehrt, was die Liebe zu Polen bedeute, schrieb Cienkowska weiter.
Senatspräsidentin Małgorzata Kidawa-Błońska bezeichnete die Verstorbene als „Autorität für Generationen“. Ihre Worte zum Jahrestag des Warschauer Aufstands hätten stets besonders stark nachgewirkt. Sie habe die Menschen immer daran erinnert, „was im Leben wirklich wichtig ist“.
Auch Vizepremier und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz würdigte Traczyk-Stawska. Sie habe „uns allen große und wunderbare Dinge gelehrt“. Freiheit und Unabhängigkeit seien für sie „das höchste Gut“ gewesen. „Sie wusste genau, wie viel der Verlust der Freiheit kostet“, schrieb Kosiniak-Kamysz.
Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im Parlament, Paweł Kowal, bezeichnete Traczyk-Stawska als „Zeitzeugin der polnischen Geschichte und Wegweiserin für Generationen von Polen zu einem klugen Patriotismus“. Jede Begegnung und jedes Gespräch mit ihr habe Spuren in den Köpfen und Herzen hinterlassen.
IAR/jc