Laut von der portugiesischen Fachplattform Publituris zitierten POT-Daten reisten in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 71.000 Portugiesen jährlich nach Polen. 2023 sank diese Zahl um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der unabhängige Lissabonner Ökonom Miguel Monteiro erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur PAP, dass diese Entwicklung weniger mit einer realen Bedrohung durch den Krieg als vielmehr mit der Berichterstattung in den Medien zusammenhänge.
„Seit drei Jahren wird Polen in den portugiesischen Medien fast täglich mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung gebracht. Zahlreiche portugiesische Korrespondenten berichteten von dort über die Lage im Nachbarland. Es ist daher nicht überraschend, dass viele Menschen beide Länder miteinander assoziieren“, sagte Monteiro.
Trotz der Sicherheitsbedenken wachsen jedoch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Portugal. Die portugiesische Wochenzeitung „Vida Economica“ berichtete unter Berufung auf die polnische Botschaft in Lissabon, dass die Zahl portugiesischer Unternehmen in Polen mittlerweile über 150 beträgt. Zudem startete im Februar eine neue direkte Flugverbindung zwischen Warschau und Lissabon.
Für portugiesische Unternehmen bietet sich laut der polnischen Geschäftsträgerin in Portugal, Dorota Barys, eine große Chance durch den künftigen Wiederaufbau der Ukraine. „Da Polen ein Nachbarland ist, wird es ein strategischer Standort für Firmen, die sich an diesem Prozess beteiligen wollen – insbesondere aus dem Bausektor“, sagte Barys.
Während der Tourismus nach Polen insgesamt rückläufig ist, bleibt das Land für portugiesische Studierende ein beliebtes Ziel im Erasmus-Programm. Das Magazin „Volta ao Mundo“ zählte Polen neben Frankreich, Italien und Spanien zu den attraktivsten Studienorten in Europa. Auch das Portal Erasmus Centro betonte, dass Polen Deutschland, Frankreich und Portugal in nichts nachstehe.
PAP/jc