Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten in Polen gingen viele Intellektuelle und Kulturschaffende ins Exil, vornehmlich jene, die sich als politische Gegner verstanden oder von den neuen Regierenden in Warschau verfolgt wurden. Unter ihnen waren bekannte Autoren wie Tadeusz Nowakowski, Czesław Straszewicz und Józef Łobodowski. Interessant: Alle drei wurden im Ausland plötzlich zu Radioredakteuren.
Durch den Verlust des heimischen Lesepublikums war die Arbeit beim Rundfunk nicht selten ihre einzige Einnahmequelle. Gemeinsam mit anderen Exilanten schrieben und gestalteten sie polnischsprachige Programme, zunächst in Großbritannien und Frankreich, später auch in den USA, der Bundesrepublik und Spanien. Die Westmächte entwickelten während des Zweiten Weltkriegs ein in Formen und Inhalten hoch komplexes Netz von offiziellen und getarnten Sendern für polnische Hörer. Emigrierten Autoren kam in diesen Programmen eine bedeutende Funktion zu, insbesondere was die inhaltliche Ausgestaltung betraf.
Der Dichter, Publizist und Übersetzer Józef Łobodowski war einer der Gründer der Polnischen Sektion des RNE. (NAC)
Während Straszewicz und Nowakowski in der polnischen Abteilung von Radio Freies Europa in München arbeiteten, engagierte sich Józef Łobodowski beim Aufbau des Mediensystems in Madrid, leitete dort u.a. die polnische Redaktion im Radio Nacional de España. Die Rundfunkgeschichtsschreibung sowie Exilforschung haben den bemerkenswerten Einfluss der „sección polaca“ jedoch erst spät in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.
Mehr darüber von Wojciech Osiński.