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„Eine Gastfreundschaft wie sonst nirgendwo“ - Ingeborg Bachmanns Polenreise

16.09.2026 11:00
Ingeborg Bachmann ist im Jahr 2026 vor allem wegen ihres 100. Geburtstags und des 50. Jubiläums des nach ihr benannten Nachwuchspreises in aller Munde. Für viele Leser gilt sie als die bedeutendste deutschsprachige Autorin des 20. Jahrhunderts. Doch nur wenige von ihnen wissen, dass ihre letzte Lesereise sie nach Polen führte.
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  • „Eine Gastfreundschaft wie sonst nirgendwo“ - Ingeborg Bachmanns Polenreise
Die sterreichische Autorin Ingeborg Bachmann begab sich im Mai 1973 auf eine Lesetour durch Polen.
Die österreichische Autorin Ingeborg Bachmann begab sich im Mai 1973 auf eine Lesetour durch Polen. (Bildarchiv Austria)

Die Jugend von Ingeborg Bachmann wurde vom Schrecken des Nationalsozialismus überzogen. Diese Erfahrung prägte ihre Sprache, ihre Gedanken, ihr ganzes Werk. Durch die aufsehenerregenden Auftritte bei der Gruppe 47 wurde sie über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und zunächst vor allem als Lyrikerin wahrgenommen. Sie war aber ebenso eine vortreffliche Romanautorin, die das Erzählen stets als Mittel zur Selbstfindung nutzte.

In ihre Prosatexte sind vielfältige Erfahrungen autobiographischer Art eingegangen, ebenfalls die einer gescheiterten Liebesbeziehung zu dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Doch ihre Sprachkunst (etwa im Roman „Malina“) übersteigt solche lebensgeschichtlichen Anlässe bei weitem. Das „Voran-Tasten“ zur eigenen Geschichte, die suchenden Bewegungsformen, sind nicht etwa dogmatisch, sondern bleiben offen für die Erfahrungsräume der Leser.


Foto_2: Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. (Wikimedia Commons) Foto_2: Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. (Wikimedia Commons)

Literarisch unverarbeitet blieb hingegen die letzte Auslandsreise kurz vor ihrem tragischen und viel zu frühen Tod: Im Mai 1973 folgte Ingeborg Bachmann einer Einladung des österreichischen Kulturinstituts Warschau zu einer einwöchigen Lesetour durch Polen. Diese Reise stand in einem schmerzvollen Kontrast zu der eigenen Biografie: Die Tochter eines Nationalsozialisten besuchte u.a. das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Über eine Lesereise, die tiefe Spuren hinterließ, berichtet Wojciech Osiński.