Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs reisen Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) aus dem Exil in das verwüstete Deutschland - von Frankfurt am Main in der US-amerikanischen Besatzungszone bis in das von Moskau kontrollierte Weimar. Dreizehn Jahre zuvor vollzog die Familie Mann den öffentlichen Bruch mit Hitlers Regime - die Nachricht machte weltweit Schlagzeilen.
Paweł Pawlikowski erzählt in überragenden Kinobildern eine große deutsche Familiengeschichte im Tumult der Nachkriegszeit. (Neue Visionen)
Aus Anlass des 200. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe sollen Thomas Mann im Jahr 1949 zwei Preise verliehen werden. Nebenbei versuchen ihn die neuen Machthaber im Osten und Westen zu vereinnahmen. Der große Autor jedoch, dessen Roman „Der Zauberberg“ zwanzig Jahre zuvor endgültig seinen Weltrang sicherte und den der Nobelpreis zum König der deutschen Literatur krönte, empfand weder die BRD noch die in den Geburtswehen liegende DDR als sein „Vaterland“.
Während „Ojczyzna“ in Polen bereits vor einigen Wochen angelaufen ist, kommt er Anfang September auch bundesweit in die deutschen Kinos. (Neue Visionen)
Pawlikowskis Film erzählt nicht nur von einer missglückten Reise in ein zerstörtes Deutschland, sondern von einer ebenso zerstörten deutschen Familie, deren Drama leise auf ihren traurigen Höhepunkt zusteuert. „Es ist aber vor allem auch ein Film über das Behandeln eines Fremden“, meint der Hauptdarsteller Hanns Zischler im Gespräch mit dem Polnischen Rundfunk. „Es ist zwar ein deutsches Thema, aber nur ein polnischer Regisseur konnte es uns erklären“, sagt der Schauspieler. Das Gespräch führte Wojciech Osiński.
Hauptdarsteller Hanns Zischler war bei der Berlin-Premiere am 30. Juli dabei. fot. Wojciech Osiński