WP: Trump wechselt erneut die Front: Selenskyj schlecht, Putin gut
Auf dem Portal Wirtualna Polska schreibt Marek Magierowski von der inkonsequenten, ja geradezu dilettantischen Politik der USA gegenüber der Ukraine und Russland. Manchmal tun einem geradezu die Augen weh, lesen wir, wenn man zuschaue, wie sich die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner bei ihren diplomatischen Bemühungen um Frieden in der Ukraine abrackern. Wie groß müsse ihre Entschlossenheit sein, wenn sie sich gegenseitig mit tiefen Verbeugungen vor dem Kremlherrscher überbieten und ihn mit Komplimenten überschütten.
Schade nur, dass von diesen Anstrengungen bislang wenig geblieben sei, urteilt der Autor. Im Gegenteil: Nahezu jede Verhandlungsmission dieses eigentümlichen Duos ende in einer Katastrophe. Ob es um den russisch-ukrainischen Krieg oder den Konflikt im Nahen Osten gehe. Man sollte wohl der Vorsehung danken, dass die Herren sich noch nicht mit den amerikanisch-chinesischen Beziehungen und dem Verhältnis zu Nordkorea befassen. Sonst würden im gesamten Fernen Osten gerade Raketen mit Atomsprengköpfen hin und her fliegen, heißt es auf WP.
Wie sonst sollte man die Tatsache deuten, dass der russische Diktator gerade einmal eine Woche nach den Gesprächen in Moskau und zwei Wochen nach dem Besuch des US-Geheimdienstchefs John Ratcliffe mit noch größerem Eifer zu seiner mörderischen Leidenschaft zurückgekehrt sei, Ukrainer abzuschlachten? Und nicht nur Ukrainer: Am vergangenen Wochenende wäre der ehemalige CIA-Direktor David Petraeus bei einem Angriff auf einen Bahnhof unweit der polnischen Grenze beinahe ums Leben gekommen, ebenso wie mehrere europäische Politiker, erinnert der ehemalige US-Botschafter in seinem Kommentar.
Kurz gesagt: Geht es nach Magierowski, wisse Putin, mit wem er es zu tun hat, und fühle sich dazu ermutigt, die Amerikaner heute an der Nase herumzuführen. Leider gelte auch: Wenn man keinen Erfolg vorweisen kann, müsse man einen Schuldigen für das Scheitern finden. Es können natürlich weder der Schwiegersohn noch der Geschäftspartner des US-Präsidenten in der Rolle der Gesandten sein, ganz zu schweigen von Trump selbst. Warum dauert der Krieg in der Ukraine an? Weil Wolodymyr Selenskyj hartnäckig den Russen auch nur einen Fußbreit ukrainischen Bodens abtreten wolle (wie Jared Kushner es gesagt hat). Warum steigen die weltweiten Treibstoffpreise und warum könnten die Republikaner deshalb die Kongresswahlen krachend verlieren? Weil Selenskyj russische Raffinerien bombardiert (wie Donald Trump behauptet).
Selenskyj sei damit wieder zum Bösewicht dieses Konflikts geworden, heißt es weiter. Der Autor vergleicht diese Situation mit einem Vergewaltigungsopfer, das den Amerikanern nach schließlich selbst schuld sei, weil es einen zu kurzen Rock getragen hat. Obendrein habe es gewagt, sich zu wehren und Pfefferspray aus der Handtasche zu ziehen. So sehe der moralische Niedergang der heutigen amerikanischen Diplomatie aus. Trump, Kushner und Witkoff wollen sich offenbar dem einstigen Premierminister Großbritanniens, Neville Chamberlain, und einigen anderen historischen Gestalten anschließen, für die stets „Frieden um jeden Preis“ höchste Priorität hatte, lautet Marek Magierowskis Fazit auf WP.
South China Morning Post: Asiaten mit falschen Versprechen in die russische Armee gelockt
Bürger asiatischer Länder werden mit fingierten Stellenangeboten für den Krieg Russlands gegen die Ukraine angeworben, berichtet die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. Nach Angaben der ukrainischen Regierung seien Bürger zahlreicher Länder betroffen, darunter der Philippinen, Vietnams, Malaysias und Indiens.
Die „Rekrutierer“ nutzen demnach die schwierige finanzielle Lage der Betroffenen aus und täuschen ihnen eine legale Beschäftigung vor, erkläre Oksana Pokaltschuk von der ukrainischen Menschenrechtsorganisation Truth Hounds, die von der Hongkonger Zeitung zitiert wird. Nach ihrer Ankunft vor Ort sehe die Realität jedoch völlig anders aus als versprochen: Den auf diese Weise angeworbenen Männern würden ihre Pässe und Telefone abgenommen. Damit werden sie von ihren Familien abgeschnitten. Anschließend sollen die Betroffenen an die Front geschickt werden.
Nach einer kurzen Ausbildung sollen sie anschließend direkt an die Front treffen, um an sogenannten Fleischstürmen als Kanonenfutter gegen ukrainische Stellungen teilzunehmen. Dabei würden sie massiven Drohnenangriffen ausgesetzt sein. Die Zeitung schilderte den Fall eines angeworbenen Filipinos. Nach einer gerade einmal einwöchigen Ausbildung sei der Mann auf dem Schlachtfeld ausgenutzt worden, um ukrainisches Feuer auf sich zu ziehen.
Die russischen Behörden sollen die Vorwürfe einer betrügerischen Anwerbung von Ausländern zurückweisen und sie als „gefährliche und irreführende Propaganda“ bezeichnen.
Seit Beginn der Invasion der Ukraine im Februar 2022 versuche Russland jedoch unablässig, den erheblichen Personalmangel in seiner Armee auszugleichen. Die UN-Expertin Jovana Jezdimirovic Ranito weise darauf hin, dass dieser Mechanismus – geprägt von Täuschung, dem Entzug von Dokumenten, Zwang und Gewalt – deutliche Ähnlichkeiten mit den Methoden asiatischer krimineller Netzwerke aufweise, die Menschenhandel und Internetbetrug betreiben.
Analysten und Experten fordern daher die Regierungen auf, ihre Bürger über die Gefahren aufzuklären, strengere Gesetze gegen Anwerbungsnetzwerke zu erlassen und direkt diplomatisch zu intervenieren, um die getäuschten Bürger in ihre Heimat zurückzubringen, lesen wir auf den Seiten der asiatischen Online-Zeitung.
Wprost: Klimaschutz auf Kosten der europäischen Wirtschaft
Deutschlands Exporte nach China, das bis vor Kurzem als einer der wichtigsten Absatzmärkte für die deutsche Industrie galt, brechen ein. Aus den im August veröffentlichten Daten gehe hervor, dass die Chinesen ihre Importe aus Deutschland im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 12 Prozent verringert haben. Gleichzeitig würden die chinesischen Exporte in das reichste Land der Europäischen Union um fast 9 Prozent steigen. Die Europäische Kommission versuche, dieses Ungleichgewicht zu bekämpfen. Dabei verweise sie vor allem auf die in der EU unzulässige staatliche Unterstützung Chinas für Unternehmen. Geht es nach Jakub Mielnik vom Wochenblatt Wprost seien die chinesischen Subventionen allerdings nicht das einzige Problem.
Europa bekomme von der chinesischen, aber auch von der amerikanischen Konkurrenz wegen ihrer eigenen Klimapolitik die Quittung. Die hartnäckig und mit Nachdruck vorangetriebene Dekarbonisierung der europäischen Industrie stärke deren Wettbewerbsfähigkeit nicht, trage aber auch nicht dazu bei, den weltweiten CO2-Ausstoß zu verringern. Die europäische Net-Zero-Politik führe in Wirklichkeit zu höheren globalen CO2-Emissionen, lesen wir. Die chinesische und amerikanische Konkurrenz indes baue ihre industrielle Basis und ihre Zahl der Arbeitsplätze aus, während die Europäische Union auf dem Papier lediglich mit einem geringeren CO2-Ausstoß prahlen könne. Geht es nach dem Autor würden außerhalb der EU trotz dieser heroischen Anstrengungen jedoch mehr und nicht weniger Schadstoffe in die Atmosphäre ausgestoßen.
Der Mechanismus sei recht einfach: Entgegen den Behauptungen der Apostel der Klimaneutralität und der Befürworter des Systems der Emissionszertifikate ETS beseitige die EU-Politik nicht die eigentliche Ursache des Problems, lesen wir weiter. Die Europäische Union verlagere die Emissionen schlicht über ihre Grenzen hinaus.
Nach Angaben von Eurostat sei der Energieverbrauch in der EU zwischen 2006 und 2024 um ganze 20 Prozent gesunken. Dies soll als schlagender Beweis für die Erfolge bei der Begrenzung des CO2-Ausstoßes gelten, unterstützt durch einen sparsamen und vernünftigen Umgang mit Energie in Europa. Etwas Wahres sei sicherlich daran, schreibt Mielnik am Schluss im Wochenblatt. Es lasse sich jedoch nicht übersehen, dass dieser Rückgang des Energieverbrauchs in eine Zeit falle, in der die wirtschaftlichen Kennzahlen zwischen den USA und der EU dramatisch auseinandergelaufen seien.
Autor: Piotr Siemiński