Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

„Tusks große Versprechen – drei Jahre später"

16.10.2026 13:50
Drei Jahre nach der Wahl steht Donald Tusk dort, wo Jarosław Kaczyński einst stand. Schnelle Abrechnung mit den Affären der PiS, weitreichende Veränderungen und eine Rückkehr zur Normalität: Das waren die Versprechen. Der 15. Oktober 2023 sollte das Ende einer politischen Ära und den Beginn einer neuen markieren. Hat es geklappt? Und: Präsident Nawrocki hat kein Interesse daran, die Krise um das Verfassungsgericht zu beenden. Er befürchtet, dass das Gericht in seiner neuen Zusammensetzung Urteile fällen könnte, die für ihn nachteilig wären. Mehr dazu in der Presseschau.
Derzeit bewerten 54 Prozent der Befragten die Arbeit des Ministerprsidenten negativ. Nach drei Jahren PiS-Regierung, im Januar 2019, bewerteten hingegen 51 Prozent der Polen die Arbeit der Regierung positiv. Tusk drfte es kaum trsten, dass seine Brgerkoalition (KO) trotz dieser Werte in den Umfragen derzeit vorn liege. In der jngsten Vertrauen
Derzeit bewerten 54 Prozent der Befragten die Arbeit des Ministerpräsidenten negativ. Nach drei Jahren PiS-Regierung, im Januar 2019, bewerteten hingegen 51 Prozent der Polen die Arbeit der Regierung positiv. Tusk dürfte es kaum trösten, dass seine Bürgerkoalition (KO) trotz dieser Werte in den Umfragen derzeit vorn liege. In der jüngsten VertrauenPAP/Leszek Szymański

RZECZPOSPOLITA: Drei Jahre nach der Wahl steht Tusk dort, wo einst Kaczyński stand

Die konservativ-liberale Rzeczpospolita nimmt den dritten Jahrestag der Wahl zum Anlass für eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Laut den vom Blatt zitierten Umfragen bewerten derzeit 54 Prozent der Befragten die Arbeit von Ministerpräsident Donald Tusk negativ. Nach drei Jahren PiS-Regierung, im Januar 2019, hatten hingegen 51 Prozent der Polen die Arbeit der damaligen Regierung positiv bewertet. Dass seine Bürgerkoalition (Koalicja Obywatelska, KO) trotz dieser Werte in den Umfragen weiterhin vorn liege, dürfte Tusk kaum trösten. In der jüngsten Vertrauensumfrage gaben 51 Prozent der Befragten an, dem KO-Vorsitzenden nicht zu vertrauen.

Wie Jacek Nizinkiewicz schreibt, befinde sich Tusk heute in einer ähnlichen Lage wie der PiS-Vorsitzende Jarosław Kaczyński im Jahr 2023. Damals gewann die PiS zwar die Parlamentswahl, fand aber keine Partner für eine Regierungsbildung. Auch die KO hätte heute keine ausreichende Mehrheit, um eine Regierung zu bilden – selbst wenn ihre möglichen Koalitionspartner ins Parlament einzögen, lesen wir.

Ein Jahr vor der nächsten Parlamentswahl entwickle sich der Trend für das Regierungsbündnis vom 15. Oktober – benannt nach dem Wahltag 2023 – ungünstig. Doch auch die Lage der PiS sei unklar, heißt es weiter: Die Partei komme in den Umfragen nur auf schwache Werte. Rechts von ihr herrsche längst keine Leere mehr, dort seien inzwischen mindestens drei neue Gruppierungen aktiv.

Der PiS-Vorsitzende versuche, die Initiative zurückzugewinnen und die Polarisierung zwischen PiS und KO wiederzubeleben. Dabei nutze er den Streit um das Verfassungsgericht. Wolle Kaczyński an die Macht zurückkehren, müsse er jedoch Zugeständnisse machen und eine Einigung mit den übrigen Kräften der Rechten suchen. Ein erster Schritt zu einem solchen Bündnis gegen die Regierung Tusk könnte ein Senatspakt sein, also die Absprache, in den Einerwahlkreisen für den Senat jeweils nur einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen. Im Gespräch sei eine Verständigung zwischen Gruppierungen wie der PiS, der nationalistischen Konfederacja und Entwicklung Plus (Rozwój Plus), der Gruppierung von Ex-Premier Mateusz Morawiecki.

Die jüngsten Wahlergebnisse in Krakau ließen sich zwar nicht unmittelbar auf die landesweite Lage übertragen, heißt es weiter. Dennoch habe die KO in Polens zweitgrößter Stadt zunächst mit der Abwahl von Stadtpräsident Aleksander Miszalski per Referendum die Macht verloren. Das Ergebnis der vorgezogenen Stadtpräsidentenwahl habe dies nun eindeutig bestätigt. Darunter leide auch das Ansehen des gesamten Regierungsbündnisses vom 15. Oktober, dessen gemeinsame Kandidatin unterlegen sei. Die Regierungsparteien hofften daher, dass ihnen der Streit im rechten Lager zugutekomme und zwei getrennte Oppositionslisten ihre Chancen auf den Machterhalt erhöhten. Im Regierungslager sei man zudem überzeugt, dass die Mobilisierung der Wähler, die Abrechnung mit der Vorgängerregierung und eine weitere Zuspitzung der politischen Auseinandersetzung das Bündnis stärken würden.

Tusk unterschätze jedoch den wichtigsten Trumpf der Opposition, fährt der Autor fort: Präsident Karol Nawrocki habe eine sehr starke Position und genieße großen Rückhalt in der Bevölkerung. In einem Interview mit dem Blatt habe der Präsident unmissverständlich erklärt, dass er die Schirmherrschaft über einen Senatspakt der rechten Parteien übernehmen würde. Er würde lieber mit einer anderen Regierung zusammenarbeiten.

Nachteilig für die Regierung Tusk würden sich auch die weiterhin hohen Kraftstoffpreise, die schwierige Finanzlage des Staates und die ablehnende Haltung der derzeitigen US-Regierung gegenüber dem Ministerpräsidenten auswirken, heißt es weiter im Blatt.

Allein durch die Abrechnung mit der Vorgängerregierung und die politische Polarisierung werde Tusk seine Macht nicht behaupten können, lesen wir am Schluss. Ein Jahr vor der Wahl habe der Premier immer weniger Trümpfe in der Hand, während seine Koalitionspartner an Rückhalt verlören. Das Jahr werde wie im Flug vergehen. Die nächste Regierung könnte sich dann als scharfes Schwert gegen jene erweisen, die heute noch an der Macht seien, lautet das Fazit von Jacek Nizinkiewicz in der Rzeczpospolita.

WPROST: Tusks große Versprechen – drei Jahre später

Eine schnelle Abrechnung mit den Affären der PiS, weitreichende Veränderungen und eine Rückkehr zur Normalität – das seien die Versprechen gewesen, erinnert indes das Wochenmagazin Wprost. Der 15. Oktober 2023 habe das Ende einer politischen Ära und den Beginn einer neuen markieren sollen. Die KO, das Bündnis Dritter Weg (Trzecia Droga) und die Linke errangen damals eine Mehrheit, die es ihnen ermöglichte, die PiS von der Macht zu verdrängen. Donald Tusk wurde nach neun Jahren erneut Ministerpräsident.

Der KO-Vorsitzende sei mit einem nicht zu unterschätzenden politischen Kapital an die Macht zurückgekehrt. Das Schlagwort „15. Oktober” sei zum Symbol für die Mobilisierung aller PiS-Gegner geworden, habe neue Hoffnungen geweckt und für einen grundlegenden Wandel in der polnischen Politik gestanden, lesen wir. Im Wahlkampf habe die KO nicht nur einen personellen Wechsel versprochen, sondern auch, zahlreiche Entscheidungen aus der PiS-Zeit rasch rückgängig zu machen.

Nach drei Jahren Regierungszeit falle die Bilanz jedoch deutlich schwächer aus, fährt das Blatt fort. Einige Ankündigungen seien in konkrete Maßnahmen umgesetzt worden, andere stünden noch aus. Manche Vorhaben seien auf den Widerstand der Koalitionspartner gestoßen, andere am Veto von Präsident Karol Nawrocki gescheitert.

Zu den greifbarsten Erfolgen der Regierung Tusk zähle die Freigabe der EU-Mittel. Im Februar 2024 machte die Europäische Kommission für Polen den Weg frei, Gelder aus der Kohäsionspolitik und dem polnischen Aufbau- und Resilienzplan abzurufen. Insgesamt ging es um knapp 57 Milliarden Euro. Damit konnte Warschau wieder auf Mittel zugreifen, deren Auszahlung zuvor wegen des Streits um die Rechtsstaatlichkeit ausgesetzt worden war. Für die neue Regierung sei dies nicht nur ein finanzieller Erfolg gewesen, sondern auch ein politisches Signal: Polen habe wieder eine aktive Rolle im Verhältnis zu den EU-Institutionen spielen können.

Die Freigabe der Mittel bedeute jedoch nicht, dass alle Gelder sinnvoll eingesetzt worden seien oder die Investitionen automatisch die erhofften Ergebnisse brächten, lesen wir abschließend in Wprost. Eine Bewährungsprobe bleibe daher bis heute die Qualität der Verwendung der EU-Fonds. Entscheidend sei, ob sie tatsächlich zum Ausbau der Infrastruktur, zur Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen und zu spürbaren Vorteilen für die Bürger beitrügen.

FAKT: Will Nawrocki den Streit ums Verfassungsgericht wirklich beilegen?

Die Boulevardzeitung Fakt widmet sich dem erneut entbrannten Streit um das Verfassungsgericht. Am Mittwoch legte Maciej Berek, ehemals Minister in der Regierung von Donald Tusk, im Sejm seinen Amtseid als Verfassungsrichter ab. Präsident Karol Nawrocki, vor dem der Eid laut Gesetz abzulegen ist, war nicht dabei. Der Politologe Prof. Antoni Dudek zeigt sich im Gespräch mit dem Nachrichtenportal von Fakt davon nicht überrascht: Nawrocki wolle nicht, dass das Verfassungsgericht wieder funktionsfähig werde. Ihm liege daran, die Blockade des Gerichts aufrechtzuerhalten. Der Präsident befürchte, ein Gericht, in dem alle acht vom jetzigen Sejm gewählten Richter mitentscheiden, könnte Urteile fällen, die ihm nicht gelegen kämen.

Nach Einschätzung des Politologen sichere die derzeitige Zusammensetzung des Gerichts dem Präsidenten Entscheidungen in seinem Sinne. Unter seinem jetzigen Vorsitzenden Bogdan Święczkowski habe das Verfassungsgericht stets so entschieden, wie es das Staatsoberhaupt wollte, sagt Dudek. Eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse am Gericht könnte diese Lage umkehren.

Mit einem schnellen Ende des Konflikts rechne der Politologe nicht. Seiner Einschätzung nach könnte Nawrocki dem Gericht die Anerkennung noch jahrelang verweigern, womöglich sogar bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2030. Dabei könnte er sich auf Einwände gegen die Art und Weise berufen, wie die neuen Richter ihr Amt angetreten hätten.

Allerdings kündigte Nawrocki am Donnerstag in einem Medieninterview an, er wolle einen Neuanfang am Verfassungsgericht. Als möglichen Zeitpunkt für eine politische Einigung nannte er den Herbst 2027, also die Zeit nach der nächsten Parlamentswahl. Der Präsident betonte zudem, er trage keine Verantwortung für den jahrelangen Konflikt um das Gericht, wolle aber zu dessen Beilegung beitragen. Zugleich erklärte er, das Gericht solle nicht mit weiteren Personen besetzt werden, die mit politischen Parteien verbunden seien.

Autor: Piotr Siemiński


„Trotz anhaltender Konflikte kommt Polens Politik nicht voran"

21.09.2026 13:50
Seit zwanzig Jahren tritt die polnische Politik praktisch auf der Stelle. Immer heftigere Konflikte zerreißen sie von innen. Doch sie führen zu nichts. Junge Polen wissen nicht einmal, warum sie in einer derart festgefahrenen politischen Welt leben. Wer wird wann und unter dem Druck welcher Ereignisse schließlich die Regeln dieser Wirklichkeit infrage stellen und eine neue schaffen? Die Ratingagentur Moody’s hat erstmals in ihrer Geschichte das Rating Polens herabgestuft. Die polnische Regierung steht vor einer schwierigen Lage. Die Staatsfinanzen lassen sich verbessern, indem die Ausgaben gesenkt, die Steuern erhöht oder beide Maßnahmen ergriffen werden. Und: Moskau verstärkt seine Angriffe auf Europa. Doch die Präsidentin der Europäischen Kommission beschäftigt sich damit, Donald Trump zu verärgern, statt endlich die Vergabe von Schengen-Visa an Russen einzustellen. Mehr dazu  in der Presseschau.

Eid ohne Staatspräsident: Konflikt um Polens Verfassungsgericht geht in die nächste Runde

14.10.2026 11:24
Der im September gewählte Maciej Berek leistete seinen Eid im Sejm ohne Präsident Nawrocki. Regierung und Präsidentenpalast streiten weiter über Verfahren, Rechtswirkung und Bereks Voraussetzungen.

Streit um Verfassungsgericht: „Unrecht schafft kein Recht” vs. „Kopfstand mit Pirouetten”

15.10.2026 10:34
Der Streit um das Verfassungsgericht beherrscht die polnischen Pressekommentare. Ist das Gelöbnis von Richter Maciej Berek im Sejm gültig, oder wird hier Unrecht zu Recht erklärt? Zwei Verfassungsrechtler kommen zu entgegengesetzten Antworten. Die Rzeczpospolita fragt indes, ob Polens Demokratie nicht längst gelernt habe, ohne Verfassungsgericht auszukommen. Außerdem: Warum kehren Russlands Verbündete in Zentralasien Moskau bei Rüstungskäufen den Rücken? Mehr dazu in der Presseschau.

Drohungen, Polizeieinsatz und abgesagte Auslandsreise: Streit um Verfassungsstreit eskaliert

15.10.2026 11:13
Nach Drohungen schützt der Staat zwei Richter des Verfassungsgerichts. Während Präsident Nawrocki im Land bleibt, kündigt Maciej Berek an, alle vom Sejm gewählten Richter würden ihre Ämter antreten.

Mutmaßlicher Anschlagsplan gegen Tusk: Warschauer Gericht ordnet für 66-jährigen Untersuchungshaft an

15.10.2026 11:23
Ein Warschauer Gericht ordnete Untersuchungshaft für einen 66-Jährigen an. Die Ermittler prüfen neun Vorwürfe, sichergestellte mutmaßliche Sprengvorrichtungen und einen möglichen Bezug zu einer radikalen Gruppe.