PAP: Trumps Zölle sind eine Bombe gegen das globale System, aber sie haben keinen Sinn
Trumps Zollpläne bedrohen das globale Handelssystem und könnten eine Rezession auslösen, warnt der Wirtschaftsexperte Gary Hufbauer im Gespräch mit der Polnischen Presseagentur PAP.
Die von Donald Trump angekündigten Zölle seien „eine Bombe“ gegen das globale Handelssystem, erklärte der frühere Beamte des US-Finanzministeriums und Experte am Peterson Institute for International Economics. „Das sind Zölle nahe an den extremsten, schlimmsten Erwartungen. Und wir sehen bereits die Reaktion der Märkte nach Börsenschluss – alles geht nach unten“, sagte Hufbauer gegenüber PAP.
Trump hatte zuvor eine Mindestzollrate von 10 Prozent auf sämtliche Importgüter angekündigt sowie zusätzliche „reziproke Zölle“ für die meisten Länder – etwa 34 Prozent auf chinesische Waren (was zusammen mit früheren Zöllen eine Belastung von 54 Prozent ergibt) und 20 Prozent auf Produkte aus der EU. „Das ist ein echtes Erdbeben für das Handelssystem – zumindest für die Vereinigten Staaten. Ich rechne damit, dass das zu höherer Inflation in den USA führen wird, und ich denke, es könnte eine Rezession auslösen“, so Hufbauer weiter.
Auch andere Volkswirtschaften weltweit würden die Folgen zu spüren bekommen. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens werde jedoch stark davon abhängen, wie die betroffenen Länder reagieren. „Ich denke, viele Länder – darunter Korea und Japan, sicherlich auch China – werden zusammenarbeiten und im Prinzip eine Art koordinierte Antwort entwickeln“, sagte Hufbauer. „Ich glaube, dass Europa und die meisten Länder versuchen werden, ein multilaterales Handelssystem untereinander aufrechtzuerhalten, obwohl viele von ihnen natürlich Vergeltungszölle gegen die USA verhängen werden. Aber meine Erwartung ist: Es wird eine Art Festung gegen die USA entstehen.“
Eine besondere Unsicherheit bestehe im Hinblick auf China, das einen Großteil seines Exports in die USA verliere und versuche, seine Waren nach Europa umzuleiten. Dies könne zu Spannungen führen.
Das größte Risiko bestehe laut Hufbauer darin, dass sich Amerikas Handelspartner nicht nur auf Gegenmaßnahmen beschränken, sondern untereinander in Handelskonflikte geraten. „Das könnte zum völligen Zusammenbruch des internationalen Handelssystems führen.“
Wie Hufbauer weiter ausführt, seien die angekündigten Zollsätze weder ökonomisch noch politisch nachvollziehbar. „Das sind alles völlig ausgedachte Zahlen. Ich kenne mich recht gut mit Ägypten aus – das hat sehr hohe Zölle, wurde aber nur mit 10 Prozent belegt. Dasselbe gilt für Singapur. Der für die EU angesetzte Satz von 39 Prozent hat ebenfalls keinerlei Grundlage – denn die europäischen Zölle sind relativ niedrig“, erläuterte Hufbauer.
Zudem hätten enge Verbündete der USA, etwa die EU, Südkorea und Japan, teils höhere Zölle erhalten als erklärtermaßen feindlich gesinnte Staaten. Israel, das einen Tag zuvor angekündigt habe, sämtliche Zölle auf US-Waren abzuschaffen, sei mit einem Satz von 17 Prozent belegt worden. Besonders stark betroffen seien freundliche asiatische Staaten, darunter Vietnam (47 Prozent), Indonesien (32 Prozent), Taiwan (32 Prozent) und Indien (26 Prozent) – Länder, die eigentlich China als Zulieferer ersetzen sollten. „Das wird nicht nur wirtschaftliche, sondern auch große geopolitische Folgen für die Vereinigten Staaten haben.“
Lateinamerikanische Länder, mit denen Washington oft angespannte Beziehungen unterhalte, hätten indes vergleichsweise niedrige Zollsätze erhalten. Russland tauche in der Aufstellung gar nicht auf – obwohl sogar unbewohnte Überseegebiete anderer Staaten erfasst worden seien. Zwar habe Russland wegen des Embargos nur Waren im Wert von drei Milliarden Dollar in die USA exportiert, dennoch sei das Fehlen auf der Liste auffällig.
Die von Trump versprochene industrielle Wiederbelebung werde nicht eintreten, meint Hufbauer. „Viele Investitionen stammen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, aber die Unsicherheit ist jetzt so groß, dass viele Firmen sich einfach zurücklehnen und abwarten werden. Die Konsumenten sind bereits am Anschlag. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist auf einem Rekordniveau“, so der Ökonom. „Wenn du ein Unternehmen bist, weißt du einfach nicht, was kommt – welche Vergeltungsmaßnahmen folgen. Die beste Reaktion ist derzeit: nichts tun.“
Auch bilaterale Gespräche mit den USA könnten laut Hufbauer keine Sicherheit bieten. „Präsident Trump liebt Dramatik – er will nicht, dass das der letzte Akt ist. Er genießt die Interaktion mit anderen Staatschefs, will, dass man ihn um etwas bittet.“ Dass selbst Israel trotz seiner Konzessionen von den neuen Zöllen betroffen sei, zeige, dass auch weitgehende Zugeständnisse nicht vor Sanktionen schützten. „Das ist mit Sicherheit nicht das Ende des Dramas“, so Gary Hufbauer im Gespräch mit PAP.
Rzeczpospolita: Verhandlungen zwischen Russland und den USA - Reset oder weiterer langer Krieg in der Ukraine
Die Phase der gegenseitigen Bewunderung endet, die Phase der Drohungen beginnt. Wird Donald Trump mit der Einführung von Riesenzöllen auf Wladimir Putins Achillesferse treten, fragt Rusłan Szoszyn in der konservativ-liberalen Rzeczpospolita.
Die Verhandlungen zwischen den USA und Russland zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine, so der Autor, seien bislang ohne konkrete Ergebnisse geblieben. Nicht einmal ein 30-tägiger Waffenstillstand zum Schutz kritischer Infrastruktur habe durchgesetzt werden können, was laut US-Medien „Enttäuschung“ im Weißen Haus ausgelöst habe.
US-Präsident Donald Trump spreche inzwischen offen über die Möglichkeit von Strafzöllen auf Länder, die russisches Öl importieren. In einem NBC-Interview habe er Zölle in Höhe von 25 Prozent angekündigt. Ein Gesetzesentwurf von 50 US-Senatoren, darunter viele Republikaner, gehe noch weiter und sehe 500-prozentige Strafzölle auf Produkte aus Staaten vor, die russisches Öl, Gas, Uran oder andere Rohstoffe beziehen. Besonders betroffen wären demnach China, Indien und die Türkei – allesamt bedeutende Abnehmer russischer Energieträger.
Indien habe laut Bloomberg bereits begonnen, sich nach alternativen Öllieferanten im Nahen Osten umzusehen. Gleichwohl würde ein solcher Schritt auch die amerikanische Wirtschaft treffen, deren Handelsvolumen mit China 2024 rund 688 Milliarden US-Dollar betragen habe.
Mychajło Paszkow vom Kiewer Zentrum Razumkowa betont gegenüber der Rzeczpospolita, wirtschaftlicher Druck allein werde Putin kaum zu Zugeständnissen bewegen. Es brauche eine militärische Komponente – etwa die Lieferung weitreichender Raketen an die Ukraine. „Nur machtvolle Schritte können Putin zu einem Einlenken zwingen“, so Paszkow.
Aus Moskau seien hingegen kaum Signale der Gesprächsbereitschaft zu vernehmen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow habe erklärt, die Gespräche seien „sehr schwierig“ und verlangten „zusätzliche Anstrengungen“. Russland wolle sich nicht mit Ultimaten erpressen lassen, und Strafzölle würden den Friedensprozess gefährden, so der Putin-nahe Politologe Sergej Markow. Ein Waffenstillstand sei laut Markow nur denkbar, wenn westliche Waffenlieferungen an Kiew vollständig eingestellt würden.
Parallel zu den Drohgebärden habe Washington einem Besuch des Chefs des russischen Staatsfonds und engen Putin-Vertrauten, Kiriłł Dmitrijew, zugestimmt. Er solle in den USA für Investitionen in russische Rohstoffe werben. Um seine Visite zu ermöglichen, hätten die USA die gegen ihn verhängten Sanktionen aufgehoben. Wie Szoszyn berichtet, werde Dmitrijew von US-Immobilieninvestor Steve Witkoff empfangen, der kürzlich in Moskau gewesen sei.
Die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung stehe der zweiten Amtszeit Trumps indes zunehmend kritisch gegenüber. Laut einer aktuellen Umfrage des Kiewer Meinungsforschungsinstituts KMIS glaubten 73 Prozent, dass diese für ihr Land nichts Gutes bedeute – im Dezember seien es noch 21 Prozent gewesen. so Rusłan Szoszyn in der Rzeczpospolita.
Autor: Adam de Nisau