Die von Israel festgenommenen Aktivisten, zu denen auch Bürger der Europäischen Union, darunter Polen, gehörten, wurden deportiert und sind am Donnerstag in der Türkei eingetroffen. In Gesprächen mit Medien haben sie über schlechte Behandlung und Missbrauch gesprochen, die sie während ihres Aufenthalts in israelischem Gewahrsam erlebt haben sollen. Vorwürfe sexueller Gewalt wurden ebenfalls erhoben.
Der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hatte ein Video veröffentlicht, wie er sich über die festgenommenen Aktivisten der Initiative Global Sumud Flotilla lustig gemacht hat. Gezeigt wurden unter anderem mehrere Dutzend auf dem Boden kniende Aktivisten, während Ben Gvir eine israelische Flagge schwenkt und auf Hebräisch ruft: „Willkommen in Israel, hier bestimmen wir.“ Das Video wurde von zahlreichen Staaten kritisiert. Polen hat gegen Ben Gvir ein fünfjähriges Einreiseverbot verhängt.
„Sie sollten die Lehren der Geschichte in Erinnerung behalten“
Der Journalist und Kriegskorrespondent Jacek Czarnecki betonte in der Sendung, dass die Aktivisten der Flottille sehr schlecht behandelt worden seien. „Sie wurden entmenschlicht. Das, was der israelische Minister getan hat und was die Funktionäre der israelischen Dienste taten, die in dem für den Minister aufgenommenen Video zu sehen waren, zeigt, dass sie die Menschen wie Vieh behandelten“, sagte er. Insbesondere die Israelis sollten sich nicht so verhalten. „Denn Israelis beziehungsweise Juden wurden während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen auf diese Weise behandelt. Deshalb sollten sie sich an diese Lehre der Geschichte erinnern. Ein solches Verhalten sollte in der heutigen Welt, nach allem, was wir über den Zweiten Weltkrieg wissen, in keinem Land vorkommen – und ganz sicher nicht in Israel“, betonte er.
Israel stempelt jede Kritik als Antisemitismus ab
Der Journalist des ersten Programms des Polnischen Rundfunks Roch Kowalski erklärte, dass aus den Berichten der Aktivisten hervorgehe, dass „Personen mit einer anderen Hautfarbe als Weiß von den Israelis schlechter und aggressiver behandelt wurden. Besonders Asiaten, gegenüber denen die Israelis angeblich am rassistischsten eingestellt seien“. „Israel wird – zumindest für mich – zu einem offen faschistischen Staat. Das heißt, es verwendet dieselben Methoden wie der deutsche Staat in den 1930er- und 1940er-Jahren. Ich bin nicht kompetent genug, um zu analysieren oder zu vermuten, wie es dazu kommt, dass ein Volk, das 70 Jahre lang ‚Nie wieder‘ gerufen hat, selbst immer mehr davon tut. Aber das ist die Realität“, sagte der Journalist von Polskie Radio 24.
Jacek Czarnecki halte es zudem für besonders irritierend, dass Israel jede Kritik an sich selbst als Ausdruck von Antisemitismus betrachte. „In Wirklichkeit sind sie selbst Antisemiten, denn das, was sie tun, bringt die internationale Gemeinschaft gegen sie auf. Diese antijüdischen Stimmungen – und ich spreche nicht von der israelischen Regierung – werden zunehmen“, sagte er.
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