Bereits die ersten Stücke Kleists weisen jenen unverwechselbaren Ton auf, der viele seiner Landsleute schockierte. Von den acht Dramen wurden lediglich zwei zu seinen Lebzeiten aufgeführt. Die Aufführung des „Zerbrochenen Krugs“ wurde in Goethes Inszenierung am Weimarer Hoftheater zu einem Misserfolg, an dem Heinrich von Kleist schwer zu tragen hatte. Da er von seinen Theaterstücken zunächst nicht leben konnte, versuchte er, seinen Lebensunterhalt als Herausgeber von zwei Zeitschriften zu bestreiten. Auch dieser Erfolg hielt sich in Grenzen, bot ihm aber die Möglichkeit, eigene Texte zu publizieren.
Ein politisches Drama lieferte Kleist mit seiner „Hermannsschlacht“ (1808), mit der er am Beispiel des Kampfes der Germanen gegen die Römer seine Zeitgenossen zum Aufstand gegen Napoleon aufrief. Manch einen polnischen Experten erinnert dieses Stück an das zwanzig Jahre später geschriebene Versepos „Konrad Wallenrod“. Dieses und andere Epen von Adam Mickiewicz entstanden jedoch unter umgekehrten Vorzeichen: Hauptthema blieb stets der Kampf um die nationale Befreiung Polens, und zwar mit Napoleons Frankreich gegen Kleists Preußen.
Der Gartenbereich der ehemaligen Garnisonschule. fot. Wojciech Osiński
Kleists Theaterstücke und Novellen handeln von Begehren, Kampf und Täuschung. Und sie enden meistens dramatisch, ähnlich wie sein eigenes Leben. Näheres erfahren wir im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder), unweit der Straße, in der einst das Geburtshaus des Schriftstellers stand. Die interaktive Dauerausstellung zeigt Leben, Werk und Wirkung des berühmtesten Sohnes der Stadt. In dem lichtdurchfluteten Neubau wird zudem ab dem 30. März 2025 eine einzigartige Neuerwerbung des Museums gezeigt. Wir sehen einen verschollen geglaubten Brief Kleists aus dem Jahr 1810, in dem u.a. sein Drama „Das Käthchen von Heilbronn“ eine wichtige Rolle spielt. Die Skulptur der Titelheldin steht hingegen am anderen Oderufer. Aus den Fenstern der ehemaligen Garnisonschule sehen wir nämlich schon die polnische Stadt Słubice, wo die sog. „Kleist-Route“ fortgesetzt wird. Mehr über das deutsch-polnische Nachleben Heinrich von Kleists erzählt Wojciech Osiński.
Die Statue des „Käthchens von Heilbronn“ in Słubice. fot. Wojciech Osi}ski