Seit ihrer Ankunft in Mitteleuropa im 14. Jahrhundert wurden Sinti und Roma ausgegrenzt, herabgesetzt, in die Rolle der Fremden gedrängt. Die Verfolgungen erreichten mit dem rassistisch motivierten und staatlich gelenkten Terror in Hitlerdeutschland ihren traurigen Höhepunkt. Schulverbote sowie unweigerliche Bildungsrückstände ob eines nomadischen Lebens führten dazu, dass das literarische Schweigen der Sinti und Roma lange anhielt.
Auch in Polen hatten sie es zunächst nicht leicht: Die Kommunisten in Warschau zwangen alle noch umherziehenden Roma-Gruppen per Dekret zur Sesshaftigkeit. Viele Familien ließen sich in Gorzów Wielkopolski nieder. Dort waren in den folgenden Jahren zahlreiche Initiativen der Roma zu beobachten, die zu einer stärkeren kulturellen Produktivität führten. Bis heute finden dort die „Romane Dyvesa“ statt, die Tage der Roma, ein Feuerwerk an Poesie und Musik, das in ganz Europa einmalig ist.
Das Papusza-Denkmal in Gorzów Wielkopolski (Wojciech Osiński)
In Gorzów lebte u.a. auch Bronisława Wajs, genannt Papusza. Sie war die erste Roma-Dichterin in Polen, die ihre Gedichte unter eigenem Namen veröffentlichte. Entdeckt und gefördert wurde sie von dem Schriftsteller Jerzy Ficowski, was sie innerhalb der Roma-Gemeinschaft in Misskredit brachte. Ihre Zusammenarbeit mit polnischen Dichtergrößen (auch Julian Tuwim war von ihrem lyrischen Talent angetan) wurde als „Verrat“ angesehen. Heute wird sie verehrt und gefeiert. Aus Gorzów Wielkopolski berichtet Wojciech Osiński.
Der polnische Schriftsteller Jerzy Ficowski gilt als Entdecker und Förderer von Bronisława Wajs. (NAC)